Schul- und Kindergartenkinder sind nun mehrere Wochen lang zuhause und dürfen sich auch nicht in größeren Gruppen treffen. Corona hat massive Auswirkungen auf unser Familienleben. Wie erklärt man einem Kind die ungewohnte Situation am besten?
Matthias von Bornstädt:
Ich würde das in eine positive Geschichte verpacken: Jeder kann jetzt ein kleiner Held sein. Wir alle können den alten Leuten helfen, gesund zu bleiben. Kinder sind gern bereit, auch mal besondere Dinge zu tun (oder zu lassen), wenn ihnen klar ist: Wofür ist das gut? Sagen wir den Kindern doch: Das ist wie ein großes Abenteuer. Wir machen jetzt einiges anders als sonst, und am Ende haben wir alle etwas Tolles geschafft. Und dann können wir auch wieder mit unseren Freunden Spaß haben. So eine positive Erzählung hilft mehr als Horrorberichte.

Wie macht man einem Kind verständlich, warum es Oma und Opa erstmal nicht sehen soll?
Auch hier einfach mal positiv ansetzen: Oma und Opa sollen gesund bleiben. Nächstes Jahr um die Zeit wollen wir wieder mit Oma und Opa im Garten Kuchen essen. Damit wir das machen können, sollten wir Oma und Opa jetzt mal eine Weile nicht treffen. Weil wir eine Art Erkältung haben könnten, die für Kinder nicht schlimm ist. Aber Oma und Opa verkraften das nicht so gut. Darum geben wir ihnen das nicht weiter. Wir können aber mit Oma und Opa telefonieren oder sie im Video-Chat sehen.

Überall wird eine strikte Handhygiene empfohlen, um sich und andere zu schützen. Wie kann man Kinder motivieren, Hände zu waschen und Abstand zu halten?
Ein echter Held wäscht sich regelmäßig die Hände. Ein echter Held passt auf, dass er ein Stückchen von anderen wegbleibt. Das muss für die Kinder jetzt eine positive Sache werden. Kleine Belohnungen können auch helfen: Für gründliches Händewaschen gibt’s …

Im Radio, im Fernsehen und in der Zeitung bestimmt das Corona-Virus die Berichterstattung. Viele Kinder wissen gar nicht, was das ist – Corona. Wie kann man das Virus einem Kind begreifbar machen?
Am besten ganz einfach: Ein Virus ist etwas, das unseren Körper krank machen kann. Das ist völlig normal. Man hustet und ruht sich ein paar Tage aus. Unser Körper wirft die Viren wieder raus, und dann geht’s uns wieder gut. Die Viren haben verschiedene Namen, so wie wir Marie, Elias oder Heinz-Herbert heißen, heißt das jetzt hier Corona. Wir könnten es auch Kokosnuss oder Pumuckl nennen. Man kann die Kinder auch einen neuen Namen dafür aussuchen lassen. Kinder werden mit Corona gut fertig, aber für Oma und Opa wird das vielleicht zu viel. Darum halten wir das von ihnen fern. Es ist wichtig, dass das Virus für die Kinder nicht so ein Schreckgespenst ist. Sondern eine Sache, mit der sie umgehen können.

Was können Eltern gegen die Tristesse während der Schulschließungen tun?
Kreativ werden, Beschäftigungen finden – alte Brettspiele mal wieder vorholen, im Garten oder auch im Zimmer Buden bauen, viel Vorlesen, gern auch mal Geschichten nachspielen… da gibt’s viele Möglichkeiten. Ich bin sicher, dass auch die Kinder viele Ideen einbringen werden. Wir sind jetzt alle zu Hause gestrandet, und müssen eben das Beste daraus machen.

Sie sind als Kinderbuchautor tätig. Könnte eine Pandemie wie Corona Eingang in die Kinderliteratur finden?
Sicher wird so ein Ereignis seinen Niederschlag in Geschichten finden. „Erinnert ihr euch noch an den Frühling, wo wir alle zu Hause geblieben sind?“ Andererseits glaube ich, dass gerade in der Zeit danach die Sehnsucht nach anderen Themen groß sein wird. Man will dann träumen und nach vorne schauen.

Wie hat das Coronavirus Ihr Leben als Autor und Künstler beeinflusst?
Als Autor arbeite ich sowieso im Home Office. Man überlegt natürlich jetzt, wie kommen bestimmte Geschichten in ein, zwei Jahren an? Einfaches Beispiel, ein kräftiges „Hatschi!“, das bisher harmlos oder lustig rüberkam, wird nun natürlich anders wahrgenommen. Darauf muss ich achten. Ansonsten sind durch die Schulschließungen etliche Lesungen ausgefallen. Schade, aber nicht zu ändern.

Gibt es ein Zurück in ein Leben ohne Corona-Blues?
Na aber sicher. Es wird kein völliges Zurück in die Zeit vorher geben, manche Gewohnheiten werden sich ändern. Aber der Blues wird vergehen.

YouTube-Kanal „Doktor Matthias erklärt den Körper“