Schierke/Elend l Der Campingplatz am Schierker Stern bietet Platz für 29 Wohnmobile, dazu noch 30 Zelte und zwei feste Übernachtsungshütten. Normalerweise. Ende Oktober sind die letzten Camper abgezogen. Seither herrscht auf dem 8500 Quadratmeter große Gelände zwischen Schierke und Elend gähnende Leere.

„Das wird eine finstere Jahresbilanz“, ist sich Campingplatz-Betreiberin Corina Nitschke sicher. Bis Ende Oktober hätten sich die Einbußen auf 10 Prozent des normalen Jahresumsatzes summiert. Die coronabedingte November- und Dezemberflaute noch nicht eingerechnet.

Seit 18 Jahren führt Corina Nitschke den Platz am Schierker Stern, hat sich damit einst einen Lebenstraum erfüllt. Sie und Ehemann Ingo sind selber leidenschaftliche Camper, haben viel Zeit auf anderen Campingplätzen verbracht. „Nach der Eröffnung vor 18 Jahren waren wir auf jeden Übernachtungsgast angewiesen.“ Aber das habe sich schnell geändert. Inzwischen könnte der Platz drei oder vier Mal so groß sein, um der Nachfrage nachzukommen. Bis Corona kam.

„Am 22. März mussten wir zum ersten Mal zumachen“, sagt Nitschke. „Dadurch sind uns mit Ostern, Walpurgis und Himmelfahrt gleich drei Feiertage durch die Lappen gegangen.“ Wochenenden, an denen es sonst im ganzen Harz brummt – auch auf dem Campingplatz zwischen Schierke und Elend. „In der Zeit konnten wir immer die etwas mageren Winter ausgleichen. Diesmal nicht. Das war schon bitter.“

Am 15. Mai durften die Campingplätze im Land wieder öffnen – aber zuerst nur für Gäste aus Sachsen-Anhalt. „Da kamen nur fünf oder sechs Leute. Sonst ist der Platz zu der Zeit immer rappelvoll.“ Das sollte sich mit dem 29. Mai ändern, als der Platz wieder allen Campern offen stand. Und sie kamen. Durch die Corona-Pandemie schien Campen im Trend zu sein. „Wir haben im Sommer am Tag bestimmt 200 Mails und 400 Anrufe bekommen. Alle wollten wissen, ob wir noch ein Plätzchen frei haben. Es ging nichts mehr. Wir sind fast verrückt geworden.“

Dann kam der Oktober und mit ihm das in Sachsen-Anhalt geltende Beherbergungsverbot für Gäste aus Risikogebieten, beschreibt Corina Nitschke das Auf und Ab der aktuellen Saison. „Bei jeder Anreise haben wir auf das Nummernschild des Wohnwagens geschaut und den Landkreis auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts gecheckt.“ Lag der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert über 50, mussten die Camper weggeschickt werden. „Die Leute haben mit dem Kopf geschüttelt, haben uns sogar beschimpft und sind dann ein paar Kilometer weiter nach Niedersachsen gefahren, wo sie stehen durften.“

Seit Ende Oktober sind touristische Übernachtungen komplett verboten. „Das versteht kein Mensch.“ Es sei doch erwiesen, dass das Infektionsrisiko schon in Hotels sehr gering sei, wenn die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten würden. „Wie bitte schön sollen sich denn Viren im Wohnwagen verbreiten, wo man mit den gleichen Menschen zusammen ist wie zu Hause?“

Corina Nitschke stört sich daran, dass die Campingplätze mit den Pensionen und Hotels in einen Topf geworfen werden. „Man kann den Leuten doch nicht das Reisen mit dem Wohnmobil verbieten, wenn das Infektionsrisiko gleich Null ist. Das begreife ich nicht.“ Viele Kleinigkeiten in den Corona-Verordnungen seien nicht zu Ende gedacht. „Doch sagt man was, gilt man gleich als Corona-Leugner.“ Kritisch sieht sie zudem, dass die Campingplätze bei den aktuellen Diskussionen auf Bundes- und Landesebene überhaupt keine Rolle spielen. „Wir finden einfach nicht statt.“ Dabei hätte sie über Weihnachten sie bereits über 30 Buchungen gehabt.

Trotz des Verbots touristischer Übernachtungen würden nach wie vor interessierte Camper anrufen beziehungsweise vor dem Campingplatz vorfahren – auf der Suche nach einem Stellplatz. „Die stellen sich dann gegenüber in den Wald oder auf Parkplätze in Schierke und Wernigerode. Wir haben das beobachtet.“

Was Corina Nitschke besonders zu schaffen macht, ist der ungewisse Blick in die Zukunft. „Was wird im nächsten Jahr? Wir wissen ja nicht einmal, wann das Reisen wieder erlaubt ist.“ Die laufenden Kosten für den Campingplatz seien auf Null heruntergefahren. „Aber es geht trotzdem ans Eingemachte. Wir müssen sehen, wie wir unser Geld zusammenhalten.“