Wernigerode l „Die Königin bittet um Audienz“: Unter diesem Motto sammelt die evangelische Kirchengemeinde St. Sylvestri und Liebfrauen Spenden für die wertvolle Sauer-Orgel in der Wernigeröder Liebfrauenkirche. Bisher haben sich Paten für 137 Orgelpfeifen im Wert von rund 10.000 Euro gefunden. Darunter ist das Café Burgstraße, das die Patenschaft für die Pfeifen C-A-F-E im Register Posaune 16‘ übernommen hat.

Beate und Horst Hoberg mussten nicht lange überlegen. „Wenn wir schon so eine berühmte Orgel in der Stadt haben, dann sollte sie auch erklingen“, sagen die Betreiber des Cafés. Auch privat haben die Hobergs Tonpatenschaften übernommen. Für eine Hochzeit verschenkten sie die Tonkombination E-H-E.

Stolz auf Orgelschatz

Wernigerode könne sich glücklich schätzen, gleich drei Instrumente von berühmten Orgelbauern wie Ladegast, Sauer und Walker zu haben, sagt Horst Hoberg. „Es ist sehr traurig, dass eine historisch so wertvolle Orgel nur deshalb nicht erklingt, weil kein Geld da ist.“ Er hofft, dass andere Geschäfte und Bewohner seinem Beispiel folgen. Die historische Sauer-Orgel in der Liebfrauenkirche Wernigerode wurde 1883 erbaut. Sie ist das größte erhaltene Instrument des Meisters in Sachsen-Anhalt. Ihre besondere technische Anlage und das romantische Klangbild stehen unter besonderem Denkmalschutz.

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Heute ist das Instrument nur noch eingeschränkt spielbar und muss grundlegend saniert und restauriert werden.„Die Orgel ist in einem Zustand, in dem sie für den Gottesdienst nur noch eingeschränkt spielbar ist, jedoch nicht mehr für Konzerte“, erklärte Kantor Olaf Engel. Die letzte Reinigung liegt mehr als 30 Jahre zurück, die Orgel wurde seit ihrer Erbauung noch nie gewartet. „Das war aber auch ihr Glück“, so Engel. „Die Orgel hat nur überlebt, weil für einen Umbau nie genug Geld da war. Andernorts wurden Orgeln je nach Zeitgeschmack umgebaut – hier waren es nur Kleinigkeiten.“

Aufwendig und teuer

Eine Generalreinigung ist sehr aufwendig und teuer, das Instrument muss vollständig auseinander genommen werden. Zudem sollen drei Register fachgerecht und nach historischem Vorbild rekonstruiert werden. Die Gesamtkosten für die geplante Sanierung schätzt Engel auf ungefähr 90?000 Euro.

Mit einer Spende ab 15 Euro können Unterstützer eine symbolische Patenschaft für eine oder mehrere Orgelpfeifen übernehmen. Die Töne der Pfeifen, für die sie zahlen, lassen sich zu Tonleitern, Akkorden oder Melodien kombinieren. Einzelne Töne können für Initialien stehen und zu Namen wie B-A-C-H zusammengefügt werden. Mit dem Verlauf der Spendenaktion zeigt sich Olaf Engel derweil sehr zufrieden. Dass bereits so viel Geld zusammengekommen ist, freue ihn. „Das lässt hoffen, dass es vielleicht schon im nächsten Sommer mit der Restaurierung losgehen kann.“