Feuerwehreinsatz

Derenburger Sommerbad bleibt nach Chlorgas-Unfall vorerst geschlossen

Nach dem Chlorgas-Unfall im Freibad in Derenburg am Samstagvormittag, 3. Juli, bleibt das Bad weiter geschlossen. Vermutlich hatte eine Chlorgasflasche den Rettungs-Einsatz ausgelöst. Feuerwehr-Spezialkräfte sicherten mehrere dieser Flaschen und entleerten sie. Ein Polizeihubschrauber wurde zum Verwirbeln des Gases eingesetzt.

Von Jens Müller
Absprache von Einsatzabschnittsleiter CBRN Alexander Beck beim Chlorgasunfall in Derenburg mit den Kameraden vom Fachdienst CBRN.
Absprache von Einsatzabschnittsleiter CBRN Alexander Beck beim Chlorgasunfall in Derenburg mit den Kameraden vom Fachdienst CBRN. Foto: Müller

Derenburg - Vor wenigen Tagen das Waldbad in Elend, nun das Sommerbad in Derenburg: Der ABC-Fachdienst des Landkreises Harz musste erneut zu einer Havarie mit ausgetretenem Chlorgas ausrücken. Um 8.23 Uhr kam es am Samstagmorgen, 3. Juli, zur Alarmierung unter dem Stichwort ABC Mittel. Die beiden Derenburger Badmitarbeiter hatten bei Arbeitsbeginn die Auslösung der Meldeanlage für eine erhöhte Chlorgaskonzentration im Technikraum bemerkt und sofort Alarm ausgelöst. Zum Glück blieben sie unverletzt.

Warnung über Nina-App

Binnen weniger Minuten waren Feuerwehren aus Derenburg, Heimburg, Blankenburg, Wernigerode an der Einsatzstelle. Die Feuerwehr warnte die Bevölkerung in Derenburg und richtete im Umkreis von 100 Metern vom Schwimmbad einen Sperrbereich ein. Zu diesem Zweck wurde die Warnmeldung auch in die Nina-Warn-App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eingepflegt.

Spezialkräfte für chemische Unfälle im Einsatz

Parallel bauten „Fachkräfte CBRN“ – extra für die Bekämpfung von chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Unfällen ausgebildete Kameraden – eine Dekontaminations-Strecke auf. Ein Bereich, in dem die Kameraden ihre Schutzanzüge an- und ausziehen und nach dem Einsatz in einem abgeschirmten Zelt von möglichen Fremdstoffen wieder gereinigt werden. Zudem wurde das Bad von der Drohnenstaffel der Freiwilligen Feuerwehr Blankenburg aus der Luft überwacht.

Messgerät schlägt schnell an

In Chemikalienschutzanzügen rückten zwei Kameraden mit einem Messgerät in Richtung Freibad vor, wobei bereits vor dem Eingang Chlorgas nachgewiesen wurde. Das Gefährliche: Das giftige Gas mit dem stechenden Geruch reizt schon in geringer Konzentration Augen und Atemwege. Da es schwerer ist als Luft, verflüchtigt es sich nicht, sondern legt sich wie ein Teppich über den Boden.

Dosieranlage erst neu installiert

Am Technikgebäude selbst, das etwa 20 Meter vom Eingang entfernt steht, waren die Werte derart hoch, dass relativ schnell von einem unkontrollierten Ausströmen des Gases aus einer Chlorgasflasche auszugehen war. Bei einer Havarie an der Gasleitung würde dem Vernehmen nach sofort ein Sicherheitsventil auslösen, das ein Ausströmen von Gas verhindern würde. Zudem ist die Chlorgasdosieranlage im Derenburger Freibad nagelneu: Sie war kurz vor Saisonbeginn installiert, vom TÜV geprüft und abgenommen worden und wird ständig überwacht.

Defekt an einer Gasflasche

Laut Einsatzabschnittsleiter Alexander Beck wurde durch weitere Trupps des Fachdienstes versucht, die Leckage zu lokalisieren und abzudichten. „Trotz entsprechender Analytik und Identifikation der betroffenen Flasche stieg die Konzentration weiter an, so dass ein Defekt an der Flasche selbst vermutet wurde.“ Die betreffende Flasche wurde schließlich geborgen und durch weitere spezialisierte Einsatzkräfte sicher außerhalb des Ortsteils gelagert.

Wie das Polizeirevier Harz mitteilte, wurden drei Chlorgasflaschen mit einem Spezialbehälter aus dem Freibad auf eine Freifläche an der L84 zwischen Derenburg und Heimburg transportiert und kontrolliert entleert. Bei der Entleerung sorgte ein Polizeihubschrauber für eine ausreichende Luftverwirbelung, um das Gas schnell und sicher in der Luft zu verteilen.

Drei Flaschen geleert

„Dadurch konnte das weiter ausströmende Gas der defekten Flasche so weit verdünnt werden, dass keine Gefahr mehr bestand“, so Alexander Beck. Die Einsatzstelle konnte gegen 14 Uhr geräumt und der Gesamteinsatz gegen 17 Uhr beendet werden.

„Bereits von Anfang an hat die Feuerwehr Derenburg umsichtig reagiert und die Anwohner geschützt. Gemeinsam mit dem Fachdienst konnte zielgerichtet erkundet und die Gefahr gebannt werden“, erklärte Blankenburgs stellvertretender Stadtwehrleiter Alexander Beck, der gleichzeitig als Fachdienstführer ABC des Landkreises aktiv ist, nach dem Einsatz. „Gerade Chlorgas stellt uns vor umfangreiche Herausforderungen. Das besonders gefährliche Gas erfordert hohe Schutzmaßnahmen. Darauf hat der Landkreis Harz sich gut vorbereitet, so dass wir schnell und effizient helfen können“, erklärte er.

Landrat mit Feuerwehren im Kontakt

So habe Landrat Thomas Balcerowski (CDU) während des Einsatzes mit den Kameraden vor Ort in engem Kontakt gestanden und gemeinsam mit Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse und Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU) die Lage besprochen.

Insgesamt waren 80 Einsatzkräfte mit 18 Fahrzeugen, zwei Krankenwagen, fünf Streifenwagen und ein Polizeihubschrauber im Einsatz.

Aufgrund der Havarie muss das Derenburger Freibad aber vorerst gesperrt bleiben. Zudem dürfte wohl noch genauer untersucht werden müssen, wie es überhaupt zum Austritt des Gases kommen konnte.

Ein Aufklärungstrupp in Chemikalienschutzanzügen misst vor dem Eingang zum Freibad Derenburg die Chlorgaskonzentration.
Ein Aufklärungstrupp in Chemikalienschutzanzügen misst vor dem Eingang zum Freibad Derenburg die Chlorgaskonzentration.
Foto: Jens Müller