Tourismus

Diese Pläne hat Wernigeröder für Ferienhausdorf mit Pferdeblick im Harz

Zwei Wernigeröder wollen sich in Blankenburg einen Traum erfüllen: Die beiden planen ein Ferienhausdorf mit Gastronomie und einen Pferdehof mit Aktivstall.

Von Jens Müller 10.07.2021, 01:30
Steffen Hermann und Katja Husung mit ihren Pferden Laetitia (links) und Easy White Socks R'vom Renneberg (rechts). Die beiden Unternehmer aus Wernigerode planen ein Feriendorf mit bis zu 50 Häusern und einen Aktivstall für Pferde an der Stukenbreite in Blankenburg.
Steffen Hermann und Katja Husung mit ihren Pferden Laetitia (links) und Easy White Socks R'vom Renneberg (rechts). Die beiden Unternehmer aus Wernigerode planen ein Feriendorf mit bis zu 50 Häusern und einen Aktivstall für Pferde an der Stukenbreite in Blankenburg. Foto: Jens Müller

Blankenburg - Seit Katja Husung und Steffen Hermann 2017 ihr Fachgeschäft für Reitsport- und Pferdebedarf in Wernigerode eröffnet und es inzwischen sogar stark erweitert haben, ist in den beiden Unternehmern der Wunsch gereift, ein ganz besonderes Projekt auf die Beine zu stellen. Was fehlte, war ein Areal, auf dem sie ihre Idee eines Ferienhausdorfes mit Gastronomie und Pferdehof umsetzen könnten. „Wir haben in der Region geschaut, ob es für ein Projekt in der Größenordnung, eingebettet in die Natur des Harzes, ein geeignetes Grundstück gibt“, erinnern sich Katja Husung und Steffen Hermann.

Fündig wurden die beiden schließlich in Blankenburg: an der Stukenbreite. „Wir haben dort eine echte Perle mitten in der Natur gefunden“, berichtet Steffen Hermann begeistert. Was ihn darüber hinaus beeindruckt hat: das Bemühen der Stadtverwaltung um Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU), diese Ansiedlung dort zu ermöglichen: „Seit dem ersten Betreten des Bürgermeisterbüros haben wir einen unfassbar guten Zuspruch erfahren“, beschreibt Hermann die Zusammenarbeit, die schließlich im Erwerb des 4,6 Hektar großen Grundstücks mündete, das aktuell noch landwirtschaftlich genutzt wird.

Herzstück des Projektes ist ein Ferienhausdorf mit angrenzender Gastronomie. „Geplant sind 30 bis 50 kleine und große Ferienhäuser – voll ausgestattet mit Sauna und Kamin sowie Terrasse und Parkplatz direkt am Haus“, so die beiden Investoren. „Das Konzept richtet sich an alle Personen und Familien, die Urlaub in der Harzregion machen möchten. Das Gelände bietet die ideale Lage, um den Harz mit seinen Sehenswürdigkeiten, Attraktionen und der Schönheit der Natur zu erleben“, sagen Katja Husung und Steffen Hermann, die bereits anderthalb Jahre und viel Geld in ihr Projekt investiert haben. Unter anderem in einen umfassenden Umweltbericht. „Wir sind überzeugt, dass sich die Anlage sehr gut in die Umwelt anpassen lässt.“ Als Besonderheit haben sie eine kleine Anzahl Ferienhäuser für den „Urlaub mit Pferd“ vorgesehen. Dafür bekommen sie ihren eigenen kleinen Stall mit Paddock direkt am Ferienhaus.

Investition von rund zehn Millionen Euro

Aktuell läuft das sogenannte Bebauungsplanverfahren, in das unter anderem die Stadtratsmitglieder sowie die Versorgungsträger, Behörden und Institutionen eingebunden sind. Bis alle Träger öffentlicher Belange gehört sind und der Stadtrat darüber entschieden hat, werden erfahrungsgemäß einige Monate vergehen. „Unser Ziel ist es natürlich, nahtlos in die Bauplanung überzugehen“, sagt Steffen Hermann, der im Funkhaus Halle Veranstaltungskaufmann gelernt hat und inzwischen als Unternehmensberater bundesweit tätig ist.

Ganz wesentlich ist natürlich die Finanzierung des Projektes, für die noch Banken Grünes Licht geben müssen. Zudem gebe es Chancen auf eine öffentliche Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt. Die Kosten für die Planung und für den Erwerb des Grundstücks haben die beiden bereits aus eigenen Mitteln und ohne Fremdkapital getragen, und das Projekt damit bereits vorangetrieben. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund zehn Millionen Euro. Wenn alles gut läuft, könnten Ostern 2023 die ersten Gäste ihren Urlaub im neuen Ferienhausdorf erleben.

Aktivstall soll Platz für 20 Pferde bieten

Die Ferienanlage werde laut vorliegender Planung knapp die Hälfte des Geländes einnehmen. Denn daneben soll ein sogenannter Aktivstall für Pferde entstehen. Wie Katja Husung und Steffen Hermann erläutern, befindet sich die Pferdeszene aktuell sich in einer großen Umbruchphase: „Die alten traditionellen Haltungsformen werden zunehmend in Frage gestellt“, so die beiden.

„Pferde sind Herdentiere und in ihren natürlichen Bedürfnissen an ein Leben in der Steppe angepasst. Dort sind sie die meiste Zeit des Tages mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt und legen weite Strecken zurück. Aus diesen Gründen haben wir uns für den Bau eines kleinen Aktivstalls auf einer Fläche von rund 15.000 Quadratmetern mit einer Herdenstärke von 20 Tieren entschieden.“ Dieser erfülle alle Anforderungen einer artgerechten und nachhaltigen Pferdehaltung. „Im Aktivstall leben die Pferde in der Gruppe und bewegen sich ständig im strukturierten Auslauf und auf Rundwegen. Sie erhalten ihr Futter automatisiert und individuell über den ganzen Tag verteilt. Wir hoffen, dass unser kleiner Pferdehof mit Aktivstall ein Stück zum Zukunftstrend in Richtung 100 Prozent Gruppenhaltung beitragen kann.“

Der Pferdehof mit Aktivstall richtet sich im übrigen an alle Pferdebesitzer und Freizeitreiter. Es erwartet sie dort eine licht- und luftdurchflutete Reithalle, ein Außenreitplatz sowie eine Longierhalle. Das geplante Stallgebäude beinhaltet Liegeflächen für den Aktivstall, Futterkammer, Putz- und Warmwasserwaschplätze für die Pferde. Neben modernen Sanitäranlagen und einer beheizten Sattelkammer ist auch ein großer Mehrzweckraum für Schulungen und Vorträge mit Stübchen und Terrasse für die Pferdebesitzer geplant.

Gastronomie mit Außenbereich für Wanderer

Vorgesehen sind außerdem noch Sport- und Spielanlagen für Kinder, etwa 50 Autostellplätze sowie ein öffentlicher Gastronomiebereich mit großer Außenterrasse. Sie ist für die Ferienhausgäste da, für Tagesbesucher, Radfahrer die den R1 nutzen, Wanderer, Spaziergänger, Familien und alle, die inmitten der Natur die Gastronomie, den Ausblick und die Atmosphäre mit Blick auf die Pferde im Aktivstall genießen wollen.

Mit ihrem Projekt sei im übrigen kein aktiver Reittourismus verbunden, der eventuell Wanderwege beschädigen könnte, versicherte Steffen Hermann, der das Projekt unlängst im Blankenburger Stadtentwicklungsausschuss vorstellte. Ratsmitglied Ulrich-Karl Engel (B90/Grüne) hatte entsprechende Bedenken geäußert. Sein Fraktionskollege Rüdiger Klamroth (CDU) schlug vor, sich bereits im Frühstadium der Planungen zusammenzusetzen, um solche Konflikte zu vermeiden.