Wernigerode l „Kasse“, „Verstecken gibt‘s nicht“, „Eintrittspreis pro Person 1 Euro“. Große Schilder am Eingang des Wildparks „Christianental“ weisen auf die Kasse des Vertrauens hin. Nicht zu übersehen – eigentlich. Denn pro Jahr landen nur etwa 45.000 Euro in der Kasse – bei geschätzten 100.000 bis 200.000 Besuchern. Linke-Politiker Thomas Schatz sieht da Reserven. Der Wildpark ist eine gemeinnütze Einrichtung der Stadt, wird jährlich mit etwa 250.000 Euro bezuschusst. Schatz fordert von der Verwaltung unter anderem, Vorschläge zur Verbesserung der Spendenbereitschaft vorzulegen und die Organisationsform der Einrichtung zu prüfen.

Rückenwind erhält Schatz durch eine Studie der Hochschule Harz. Unter der Federführung von Prof. Sabine Elfring haben sechs Studentinnen der Verwaltungsökonomie im Juli 2016 ein Marketingkonzept für den Wildpark erarbeitet. In der Studie, der eine Besucherbefragung zugrunde liegt, wird unter anderem die Kassensituation thematisiert, heißt es in der Arbeit. Das bisherige Design der beiden Kassen wirke „negativ“ auf die Besucher. Der Spruch „Verstecken gibt‘s nicht“ vermittle ein „ungutes Gefühl“, wirke „zwanghaft“, da der Eintritt eine Spende und damit eine freiwillige Leistung ist. Zudem sei das Schild am Meerschweinchengehege nicht gut platziert, da die Sicht auf die Tiere eingeschränkt werde. Der kleine Zaun davor erschwere die Erreichbarkeit der Kasse.

Feedback von Außenstehenden

Die Studenten schlagen ein Plakat vor, auf dem Tiere abgebildet sind, um Kinder zum Stehenbleiben anzuregen und Eltern Gelegenheit und Zeit zu geben, Geld einzuwerfen. Informationen zu den Kosten für Futter, Heu und Wasser könnten verdeutlichen, wie viel die Tiere den Wildpark kosten und wie wichtig Spenden seien. Ziel sollte sein, die Spenden um 20 Prozent zu erhöhen.

Dieses Feedback von Außenstehenden sei „klasse“, sagte Frank Schmidt im Wirtschaftsausschuss. Als Gartenamtsleiter ist Schmidt auch für den Wildpark „Christianental“ zuständig. Er selbst habe Kontakt mit der Hochschule aufgenommen und die Studie angeregt. „Die Satzung überarbeiten, die Einnahmesituation verbessern – dem werden wir uns gerne stellen.“ Allerdings scheue er sich davor, Druck auf die Besucher auszuüben. Im Christianental kreuzen sich mehrere Wanderwege. „Viele gehen dort regelmäßig spazieren, ohne ständig bezahlen zu müssen“, so Schmidt. Das sei wirtschaftlich zwar „nicht gut. Aber die Stadt erhebt Kurbeitrag und kann auch mal was verschenken.“

Stadtrat entscheidet am Donnerstag

Man dürfe durch die Diskussion nicht den Eindruck vermitteln, dass die Wernigeröder nicht zahlen, meldete sich Jürgen Jörn (SPD-Fraktion) zu Wort. „Das ist nicht so.“ Die Besucher seien spendenwillig. „Und wer nicht bezahlen möchte, der zahlt auch nicht - trotz großer Schilder.“

Dennoch stimmten die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses mehrheitlich für den Vorschlag von Thomas Schatz. Das endgültige Votum trifft der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag, 4. Mai.