Nationalpark Harz

Erst die Ausbildung, dann der Einsatz

Ein Großaufgebot von Feuerwehren der Stadt Ilsenburg hat im Nationalpark den Ernstfall geprobt. Mehr als 40 Frauen und Männer absolvierten eine Großübung.

Von Jörg Niemann
An einem kleinen Feuerlöschteich im Bereich des Scharfensteins wurde das Wasser abgepumpt und zudem in einem Bassin zwischengelagert.
An einem kleinen Feuerlöschteich im Bereich des Scharfensteins wurde das Wasser abgepumpt und zudem in einem Bassin zwischengelagert. Foto: Jörg Niemann

Ilsenburg - Mit voller Beleuchtung, aber ohne akustisches Sondersignal und auch mit enorm gedrosselter Geschwindigkeit sind am Sonnabend Tank,- Einsatzleit- und auch Logistikfahrzeuge der Ilsenburger Feuerwehren mehrfach durch den Nationalpark gefahren. Sie absolvierten eine Tagesausbildung, die in einer Großübung am frühen Nachmittag gipfelte, bei der ein Waldbrand im Bereich Scharfenstein simuliert wurde.

Am Vormittag war für die fast 50 beteiligten Einsatzkräfte zunächst eine Ausbildung angesetzt. An zuvor festgelegten Stellen wurde komplexes Handeln, Zusammenwirken der Kräfte aus verschiedenen Wehren und auch das Arbeiten an und mit neuen örtlichen Gegebenheiten trainiert, denn auch durch den Nationalpark ist in den Brandschutz investiert worden.

Neue Technik kennenlernen

Ziel der Ausbildung war es, dass sich eine größere Zahl an Einsatzkräften mit zum Teil neuen Geräten und Techniken der Waldbrandbekämpfung vertraut machen. Und es war nicht nur für die Ilsenburger selbst wichtig, das Zusammenarbeiten zu trainieren. Auch Revierförster Lukas Wachsmann, die Ilsenburger Polizeibeamten Andreas Würtz und Olaf Kracht sowie Führungskräfte der Nordharzer Ortsfeuerwehren aus Abbenrode, Stapelburg und Wasserleben informierten sich vor Ort.

„Für uns ist eine solche Feuerwehrübung ebenfalls interessant, weil wir im Ernstfall Seite an Seite mit den Kameraden agieren müssen. Das betrifft sowohl das gemeinsame Agieren bei Bränden als auch bei Suchen nach Vermissten“, sagte Andreas Würtz. Für die Nordharzer Brandschützer stand das Beobachten an erster Stelle. Wie wichtig auch für diese Kameraden das Geschehen im Nationalpark ist, zeigte die große Zahl der anwesenden Nordharzer. „Für uns spielen im eigenen Territorium Waldbrände eine eher untergeordnete Rolle. Unser Schwerpunkt sind Brände auf Feldern. Allerdings werden wir öfter im Jahr zur Unterstützung der Ilsenburger Kameraden gerufen. Da ist es wichtig, dass wir die Örtlichkeiten kennen und auch persönlich miteinander bekannt sind. Im Ernstfall kann so etwas sehr wichtig sein“, sagt Christoph Ahrends, Ortswehrleiter aus Wasserleben, der vor allem wegen des neuen großen Tanklöschfahrzeugs im Gerätehaus seiner Wehr nicht das letzte Mal im Waldeinsatz gewesen sein dürfte.

Großes Staunen bei den kleinen Besuchern

Für Verwunderung sorgten die vielen Einsatzkräfte auch bei den zahlreichen Harzbesuchern, die als Wanderer, Jogger oder Biker des Öfteren an den Wegesrand ausweichen mussten, wenn sich Fahrzeuge näherten. „Wir konnten natürlich nicht im Vorfeld öffentlich über die Übung informieren. Aber wir hatten uns bei der Vorbereitung mit der Nationalparkverwaltung geeinigt, dass wir nur mit Blaulicht und nicht mit Sirene für diese Übung durch den Wald fahren. Und wir hatten uns auch darauf verständigt, dass wir mit normaler Geschwindigkeit und nicht mit Einsatztempo durch den Wald fahren. Schließlich war es kein wirklicher Notfall“, sagte André Münzberg, seines Zeichens stellvertretender Ortswehrleiter in Ilsenburg. Zwar gab es von Seiten einiger Waldbesucher etwas Kopfschütteln über das Großaufgebot. Andere wiederum winkten den Fahrzeugbesatzungen zu, und vor allem Kinder kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Vorbereitet und geplant wurde die Übung von einer vor einiger Zeit in Eigenregie der Feuerwehren gegründeten Arbeitsgruppe Waldbrand. Ihr gehören die Kameraden André Münzberg und Konstantin Schipp (OFW Ilsenburg), Torsten Hildebrandt und Maik Friese (OFW Drübeck) sowie Milan Fulst und Dennis Gülzow (OFW Darlingerode) an. Sie arbeiten schon seit einiger Zeit mit vielen Partnern zusammen, um Gefahren rund um das Waldbrandgeschehen zu erkennen und die Arbeit der Feuerwehren zu optimieren.

Sie organisieren auch die Versorgung der Einsatzkräfte, die diesmal mit freundlicher Hilfe des Teams der „Plessenburg“ realisiert worden ist.

Im Teich selbst wurde eine mit speziellem Ansaugschutz ausgerüstete Pumpe versenkt. So wird im Ernstfall Löschwasser besorgt.
Im Teich selbst wurde eine mit speziellem Ansaugschutz ausgerüstete Pumpe versenkt. So wird im Ernstfall Löschwasser besorgt.
Foto: Jörg Niemann
Hinter den Tanklöschfahrzeugen wurden im Wald mit viel Personaleinsatz die Löschstrecken aufgebaut. Jeder Handgriff muss im Ernstfall sitzen.
Hinter den Tanklöschfahrzeugen wurden im Wald mit viel Personaleinsatz die Löschstrecken aufgebaut. Jeder Handgriff muss im Ernstfall sitzen.
Foto: Jörg Niemann
Stadtwehrleiter Michael Voigt skizziert am Einsatzleitwagen (ELW) den Kräfteeinsatz an der Brandstelle.
Stadtwehrleiter Michael Voigt skizziert am Einsatzleitwagen (ELW) den Kräfteeinsatz an der Brandstelle.
Foto: Jörg Niemann