Rettungsdienst

Feuerwache ohne Brandschutz

In der Wernigeröder Feuerwache klemmt es an vielen Ecken und Enden. Probleme bereitet vor allem der Brandschutz.

Von Katrin Schröder 18.08.2016, 01:01

Wernigerode l In der Fahrzeughalle der Wernigeröder Feuerwehrwache herrscht spätsommerliche Wärme. „Doch bei unserer Jahreshauptversammlung Ende Januar war es hier richtig kalt“, berichtet Torsten Breiting, Chef der Ortsfeuerwehr in Wernigerode. Die Mitglieder des Ordnungsausschusses nicken. Beim Rundgang in der Sitzung am Dienstagabend verschafften sie sich einen Eindruck vom Zustand des Gebäudes.

Die Wache an der Bahnhofstraße ist an vielen Ecken und Enden sanierungsbedürftig. Probleme bereitet ausgerechnet der Brandschutz. Es fehlen Brandschutztüren und Rauchmelder, berichtet Matthias Treuthardt, Sachgebietsleiter Brandschutz und Chef der freiwilligen Feuerwehr. Weil ein zweiter Rettungsweg fehlt, ist der Schulungsraum unter dem Dach, den die Kameraden selbst hergerichtet haben, seit 2014 gesperrt. Seitdem halten die Brandschützer ihre Versammlungen in der neuen Fahrzeughalle ab. Rund 280 000 Euro sind veranschlagt, um die dringlichsten Mängel zu beseitigen. Die Bauarbeiten werden noch 2016 beginnen, bestätigt Ingo Wolf vom Hochbauamt auf Volksstimme-Nachfrage. Der zweite Rettungsweg wird im Schlauchturm errichtet. Instandgesetzt wird zudem der baufällige Erker über dem Eingang. Der Auftrag ist vergeben, binnen zwei Wochen geht es los. Der marode Sportraum im Keller soll in einen anderen Gebäudeteil verlegt werden.

Das Garderoben-Problem wird jedoch nicht gelöst. „Wir müssen unsere Zivilkleidung und die kontaminierte Dienstkleidung in den gleichen Spind hängen“, sagt Torsten Breiting. Eine Trennung ist zwar vorgeschrieben, doch der Platz dafür fehlt. Was ebenfalls nötig wäre, ist eine Abgas-Anlage für die Fahrzeughalle sowie Messgeräte für Strahlenschutzeinsätze.

Nach dem Rundgang durch die Wache, die 1956 gebaut wurde, fasste Matthias Winkelmann (CDU) seinen Eindruck so zusammen: „Mir kommt es vor, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Das ist ein Unding.“ Dem widersprach Siegfried Siegel (SPD): „Die Mängel sind offensichtlich, doch wir müssen nüchtern und angemessen reagieren.“ Die Arbeitsfähigkeit der Wehr sei nicht in Gefahr.

Die Stadtverwaltung habe sich in den vergangenen Jahren darauf konzentriert, die Ausstattung der Feuerwehrleute auf den neuesten Stand zu bringen, erklärte Ordnungsamtsleiter Gerald Fröhlich. Die notwendigen Reparaturen seien in den vergangenen Jahren meist von handwerklich begabten Kameraden erledigt worden. „Aber das geht nur bis zu einem gewissen Grad“, sagte Fröhlich und fügte hinzu: „Es wird eine ewige Baustelle bleiben.“

Von einem möglichen Neubau der Wache, den der Ausschussvorsitzende André Weber (CDU) ins Spiel brachte, wollte Ordnungsdezernent Volker Friedrich jedoch nichts wissen. „Die Prioritäten liegen eindeutig in Minsleben und Benzingerode, vorrangig aber in Schierke“, betonte er. Etwas anderes sei angesichts der „Haushaltsrealität“ nicht möglich.

Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses im Brockenort wird in diesem Jahr geplant und 2017 begonnen. Dass dies dringend nötig ist, bestätigte Schierkes Wehrleiter René Menzel. „Wenn man die Tür zu fest schließt, fällt der Putz von den Wänden.“

Das Minslebener Gerätehaus hingegen bietet zu wenig Platz für Fahrzeug und Kameraden. Es gebe eine Toilette und ein Waschbecken. Die Feuerwehrleute müssen sich in der Halle umziehen, für Privatgarderobe ist kein Platz. „Die Kleidung liegt dann auf der Erde“, schildert Minslebens Ortswehrleiter Frank Siedenberg. Schwer wiegt für die Kameraden, dass sie keine Duschen haben. „Wir müssen so dreckig, wie wir vom Einsatz kommen, nach Hause gehen“, so Siedenberg.