Wernigerode l Zwei Einsatzfahrzeuge stehen in dem schmalen Bau, lassen wenig Raum nach links und rechts, wo sich die Spinde der Feuerwehrleute befinden. Ausreichend Platz zum Umziehen haben Minslebens Brandschützer nur, wenn die Autos vor dem Gerätehaus stehen. Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude platzt aus den Nähten.

Und das ist nicht alles. Schon mehrfach hat die Feuerwehrtechnische Unfallkasse den völlig unzureichenden Sicherheitszustand des Gebäudes bemängelt. Die Stellplätze für die Fahrzeuge seien zu kurz, zu eng und nicht sicher. Die Verkehrswege seien nicht ausreichend, die Sanitäreinrichtungen entsprächen nicht den Anforderungen, es gebe keine Ablaufrinnen, keinen Schulungsraum. An separaten Umkleiden für Frauen und Kinder fehle es auch. „Wir brauchen dringend einen Neubau oder einen Umbau“, sagt Ortswehrleiter Frank Siedenberg.

Schierke hat Vorrang

Im Wernigeröder Rathaus ist das Problem bekannt. „Katastrophal ist immer so ein Wort. Aber die Verhältnisse sind wirklich schlimm“, fasst es Ordnungsdezernent Volker Friedrich zusammen. „Wären die Autos einen Tick größer, müssten wir die Luft aus den Reifen lassen, damit sie hineinpassen.“

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Seit Jahren werde in der Verwaltung an einer Lösung gearbeitet, so Friedrich im Volksstimme-Gespräch. Doch jetzt habe erst einmal Schierke Vorrang. Der bauliche Zustand des Gebäudes sei „noch einen Zacken schärfer“. In diesem Jahr sollen die Arbeiten für das 2,5 Millionen Euro teure Gerätehaus in Schierke beginnen. Auch Bauhof und Bergwacht sollen dort einziehen.

„Damit schlagen wir drei Fliegen mit einer Klappe“, so Friedrich. „Das bauen wir erst einmal fertig.“

Anbau ist nicht möglich

Für Minsleben gebe es drei Optionen, informiert der Ordnungsdezernent: Anbau, Neubau oder Umzug in ein größeres Gebäude. „Das Thema Anbau können wir streichen. Das Feuerwehrgerätehaus ist denkmalgeschützt.“ Bautechnisch sei dringend davon abzuraten – zumal die Stadt keine Grundstücksbefugnis für das angrenzende Gelände habe. „Da lässt sich nichts erweitern.“

Stattdessen habe die Stadtverwaltung ein Ausweichobjekt im Auge – die leerstehende Treppenbaufirma am Ortseingang von Minsleben.

„Wir sind mit den Besitzern im Gespräch“, so Friedrich. Diese Eigentümer könnten sich vorstellen, den Umbau zu finanzieren und der Stadt einen Teil des Gebäudes zur Miete zu überlassen. „Wir müssen Aufwand und Nutzen abwägen. Wir müssen überlegen, ob uns eine Mietlösung auf Dauer günstig kommt.“ Falls nicht, müsse man auf Neubau umschalten. Dessen Realisierung sei jedoch abhängig von der Haushaltslage. „Wenn ich 100 Euro in der Kasse habe, kann ich nur 100 Euro ausgeben.“

Spätestens Mitte 2017 soll eine Entscheidung fallen – auch um die Minslebener Brandschützer nicht länger zu demotivieren. „Das ist eine sehr aktive Wehr“, urteilt Volker Friedrich. „Auch die Jugend ist schlagfertig. Wir müssen schnellstens ordentliche Verhältnisse schaffen, damit sie der Wehr treu bleiben.“