Wernigerode l Beim Bau der neuen Einsatzzentrale in Schierke ist seit geraumer Zeit der Wurm drin. Zwar nimmt das Gebäude, in dem neben den Brandschützern auch Bauhof und Bergwacht Platz finden sollen, mehr und mehr Gestalt an. Im Moment steht allerdings in den Sternen, ob Schierkes Feuerwehrleute tatsächlich noch in diesem Jahr ins lang herbeigesehnte neue Domizil ziehen können.

Zumindest die Feuerwache sollte 2019 fertig werden. Das war noch vor ein paar Monaten das große Ziel. Ob der Termin gehalten werden kann oder nicht, hängt unter anderem von der Fertigstellung des Außengeländes und der Zufahrtsstraße ab. Doch da hakt es gewaltig. Schon zum zweiten Mal hat Wernigerodes Stadtverwaltung die Ausschreibung für diese Arbeiten platzen lassen. Die erste Ausschreibung musste Anfang des Jahres zurückgezogen werden, weil die Angebote deutlich über den Vorstellungen der Stadt lagen. Die Ausschreibung wurde überarbeitet neu veröffentlicht.

Außenanlagen liegen auf Eis

Nach Vorstellung der Stadt sollten die Arbeiten an den Außenanlagen eigentlich am 15. Juli beginnen und am 30. Oktober beendet sein, wie aus der öffentlichen Auftragsbekanntmachung zu entnehmen ist. Das wird allerdings schwierig. Denn die Bauarbeiten konnten noch gar nicht starten, weil auch dieses Vergabeverfahren im Juli aufgehoben wurde. Es sei „kein wirtschaftliches Angebot“ eingegangen, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage von Rathaussprecher Tobias Kascha. „Das günstigste Angebot lag rund 60 Prozent über der Kostenberechnung.“ Die Bieterzahl sei sehr gering gewesen.

Bilder

Die Stadtverwaltung sucht nun händeringend nach einer Baufirma, die den Auftrag zu akzeptablen Konditionen übernimmt. Laut Kascha seien verschiedene Unternehmen nach ihrer „terminlichen Leistungsfähigkeit“ abgefragt und zur Abgabe eines Angebotes aufgefordert worden. „Zur Zeit läuft die Prüfung und Wertung der Angebote“, so der Sprecher weiter.

Auf der Baustelle gegenüber der Schierker Jugendherberge herrsche trotz der Vergabeprobleme kein Stillstand, versichert Kascha. Der Innenausbau laufe, allein mit der Gestaltung der Außenanlage könne noch nicht begonnen werden.

Zu welchem Zeitpunkt die Feuerwache nun eröffnet wird, dazu kann Kascha noch keine Angaben machen. „Termine zur Inbetriebnahme und eine eventuelle Anpassung des Terminplans können erst bekanntgegeben werden, wenn ein etwaiger Zuschlag erteilt werden kann.“ Es werde aber „zügig“ am Verfahren weiter gearbeitet.

Bereits im Mai waren erhebliche Kostensteigerungen beim Bau des Multifunktionsgebäudes öffentlich geworden und hatten hohe Wellen geschlagen. Auch weil die Finanzsituation der Stadt Wernigerode mit einem Haushaltsloch von 2,5 Millionen Euro allein in diesem Jahr mehr als angespannt ist – und auch in Zukunft sein wird. Als Gründe für den Kostenanstieg von 2,5 auf 3,3 Millionen Euro wurden von der Verwaltung damals die Preissteigerungen in der Baubranche und die schlechte Konjunktur genannt. Die notwendige Verlegung eines Wassergrabens, die geforderte Versetzung einer Gasstation und der Lager für Salz- und Streugut, der problematische Baugrund und die Winterbauheizung hätten die Ausgaben ebenfalls in die Höhe schnellen lassen.

Feuerwache hat Priorität

Die Mehrkosten müssen aus dem laufenden Haushalt beglichen werden. Weil die Fertigstellung der Feuerwache Priorität hat, sollten dafür in 2019 knapp 500.000 Euro von anderen Projekten abgezweigt werden. Das restliche Geld muss 2020 fließen, damit auch die Arbeiten an den Räumlichkeiten für Bergwacht und Bauhof abgeschlossen werden können.

Ob sich die Gesamtkosten aufgrund der noch offenen Arbeiten weiter erhöhen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Solange die Vergabe von Außenanlagen und Zufahrtsstraße noch offen ist, bleibe der „bekannte Kostenrahmen erst einmal bestehen“, so Tobias Kascha.Kommentar