Blankenburg l Obwohl sie seltener ausrücken müssen, steigt die Belastung für Blankenburgs Feuerwehrleute: 2019 mussten die Kameraden aus der Kernstadt und den sieben Ortsteilen insgesamt 597 mal ausrücken – etwa 50 mal weniger als noch im Vorjahr. „Aber wir waren teilweise 12 bis 18 Stunden gebunden, so kommen wir auf rund 8300 Personalstunden“, erläutert Stadtwehrleiter Werner Greif.

Dabei sei die Zahl der Brandeinsätze – sie machen rund 38 Prozent der Alarme aus – leicht gestiegen. Vor allem Wald- und Vegetationsbrände machten den Kameraden zu schaffen. „Da spüren wir eindeutig die Folgen des Klimawandels“, sagt Greif. So sei der Juli 2019 mit 90 Einsätzen der „heißeste Monat“ für die Stadtwehr gewesen. Zum Vergleich: In den übrigen Monaten wurden die Kameraden jeweils rund 50 Mal gerufen.

Um sich für die steigende Zahl der Feuer in Feld und Flur besser zu wappnen, plant die Stadtwehrleitung, dünnere einlagige Schutzkleidung anzuschaffen. „Damit wollen wir die Gefahr von Überhitzung und Erschöpfung für die Kameraden verringern“, berichtet Greif. Bei der Ausrüstung seien die Blankenburger Brandschützer ohnehin Vorreiter in Land Sachsen-Anhalt. „Wir sind stolz darauf, alle unsere Ortsfeuerwehren schon jetzt mit Wärmebildkameras ausgestattet zu haben“, so der Stadtwehrleiter. Diese sind im Land ab nächstes Jahr Pflicht für die Brandschützer.

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Mehr Ausbildung für Rettung von Wanderern

Ein weiteres perspektivisches Anliegen von Werner Greif: „Wir wollen mehr Ausbildung am und im Seil anbieten.“ Immer mehr Einsätze wegen Wanderern an den Steilhängen der Teufelsmauer machten die Gründung einer speziellen Rettungstruppe erforderlich. „Damit wollen wir nicht zu bestehenden Organisationen in Konkurrenz treten, sondern den Rettungsdienst unterstützen“, erläutert der Stadtwehrleiter.

Für all diese Aufgaben können Blankenburg und seine Ortsteile auf 579 Wehrmitglieder zählen – Stand Jahreswechsel 2019/20. Davon gehören 234 zur Einsatzabteilung, 17 mehr als noch vor einem Jahr. „15 davon kommen aus unseren Jugendwehren, zwei Kameraden sind Quereinsteiger“, so Greif. Mit diesem „erfreulichen Trend“ behaupte sich die Wehr gegen den Landestrend. Der Frauenanteil liege knapp über 20 Prozent – und damit leicht über dem bundesweiten Schnitt.

Greif hofft, dass von den 107 Mitgliedern der Jugend- und 103 Mitgliedern der Kinderfeuerwehr möglichst viele den Brandschützern „weiter die Stange halten“. „Ein Problem ist, dass viele Jugendliche für Lehre oder Studium dem Harz den Rücken kehren. Zudem brauchen die jungen Leute mehr Wohnraum in der Region – da sind wir mit der Stadtverwaltung aber auf einem guten Weg.“

Generell funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Rathaus. Dank einer Finanzspritze der Stadt sei 2019 wieder die „heiße Ausbildung im Brandübungscontainer“ möglich gewesen. „Dabei erleben unsere Atemschutzgeräteträger, was sie in direktem Kontakt mit Feuer erwartet“, erläutert der 54-Jährige. Ebenso habe es erneut ein Seminar des Kreisfeuerverbandes Harz zu Wald- und Vegetationsbränden in der Blütenstadt gegeben.

Landesweit bekannt dank Spezialeinheiten

„Das muss unser Anspruchsdenken sein: Die Kameraden wollen eine interessante und anspruchsvolle Ausbildung“, erläutert der Stadtwehrleiter. Er wolle den Brandschützern die Faszination von Technik und Kameradschaft bieten. 139 Mitglieder der Einsatzabteilung – als fast die Hälfte – hätten 2019 eine Weiterbildung absolviert.

Sie alle trügen dazu bei, dass sich Blankenburgs Wehr „landesweit einen Namen gemacht hat“: Sei es durch die hochspezialisierten ABC- und Dekontaminationsgruppen oder das Mantrailing-Team mit Spürhund, das zu 13 Sucheinsätzen gerufen wurde.