Wernigerode l Punkt 1.13 Uhr heult in der Nacht zum Freitag die Feuersirene. Kurz darauf ein zweiter Alarm. Feuerwehren rasen durch Wernigerodes Innenstadt über die Nöschenröder Straße ins Mühlental. Dort steht die Pension „Am Zillierbach“ in Flammen.  Das Feuer hat sich durch den Dachstuhl gefressen. Funken stieben in den Nachthimmel. Als die Brandschützer eintreffen, haben sich die Gäste der Pension schon selbst in Sicherheit gebracht. Nur der Betreiber der Unterkunft ist noch im Haus. Bis zuletzt versucht er, den Brand zu löschen. Die Kameraden retten ihn schließlich aus dem Gebäude. Mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung wird er ins Harzklinikum eingeliefert – zwei Pensionsgäste ebenso.

Auch die Bewohner des Nachbarhauses müssen ihre Wohnungen verlassen. „Ich bin wach geworden, weil ich draußen Stimmen gehört habe“, sagt Jacqueline Nagler der Harzer Volksstimme. „Das war ungewöhnlich. Dann habe ich Blaulicht und Polizei gesehen.“ Zusammen mit Ehemann Kai habe sie ihre beiden Kinder geweckt. „Im Schlafanzug haben wir sie ins Freie gebracht.“ Draußen sei es „unglaublich laut“ gewesen, berichtet Kai Nagler. „Ziegel sind runtergefallen, Scheiben geplatzt. Und dann dieses Knistern.“

Die Kameraden versuchen, den Brand unter Kontrolle zubringen – auch um zu verhindern, dass das Nachbarhaus Feuer fängt. 80 Mann sind im Einsatz. Unterstützung erhalten die Wernigeröder aus Benzingerode, Minsleben, Reddeber, Darlingerode, Elbingerode und Ilsenburg sowie vom Arbeitersamariterbund Thale. Gegen 4.30 Uhr schließlich Entwarnung. Das Feuer ist gelöscht. 

Löschen bis zum Freitagmittag

Doch der Einsatz ist für die Helden der Nacht noch lange nicht beendet. Bis zum Mittag dauern die Nachlöscharbeiten an. „Wir sind auf der Suche nach Glutnestern in dem Fachwerkgebäude“, sagt Wernigerodes stellvertretender Stadtwehrleiter Marco Söchting. Eine mühselige Arbeit. „Wir müssen jede Wand aufmachen und ablöschen, bis die Wärmebildkamera nichts mehr findet.“

Eines hat Marco Söchting nach der anstrengenden Nacht noch auf dem Herzen: „Ich möchte mich bei allen Einsatzkräften für die reibungslose Zusammenarbeit bedanken.“

Brandursache noch nicht geklärt

Was Auslöser für das Feuer war, kann am Freitag nicht abschließend geklärt werden, informiert Polizeisprecher Uwe Becker auf Nachfrage. Die Spurenuntersuchung sei noch nicht abgeschlossen und werde „am Montag von den Kriminaltechnikern für Brandursachenermittlung fortgesetzt“, so Becker.

Hintergrund: Der Großeinsatz der Wernigeröder Feuerwehr war nicht der erste in diesem Jahr. Erst Ende Februar hatte es mitten in der Innenstadt im Hotel- und Restaurantkomplex zwischen Grüner Straße und Mauergasse gebrannt. Ursache für das Feuer war damals ein technischer Defekt an einer Elektroleitung im Küchenbereich der Gaststätte.