Wernigerode l Dicke Rauchschwaden steigen in der Grünen Straße auf, als die Kameraden der Wernigeröder Feuerwehr eintreffen. Um 2.09 Uhr sind sie alarmiert und zu einem Hausbrand gerufen worden. Die Meldung bestätigt sich, schnell ist klar: Es brennt in der Fachwerkstadt, Menschen sind in Gefahr, „Verstärkung muss her“, entscheidet Einsatzleiter Torsten Breiting.

Katze erkennt Gefahr

Eine Katze hat vermutlich der jungen Familie, die das Hotelrestaurant „Zur grünen Straße“ gepachtet hat, das Leben gerettet. Die Samtpfote erkennt die Gefahr, im gleichen Augenblick piepsen die Brandmelder. Die Eltern bringen sich und ihre beiden Söhne rechtzeitig in Sicherheit, die Feuerwehr lässt das Parkhotel und ein angrenzendes Wohnhaus evakuieren. Längst liegt beißender Qualm in der Luft. Ein Kleinkind aus einem Nachbarhaus wird vorsichtshalber zur Untersuchung in das Krankenhaus gebracht.

Löschwasser gefriert zu Eis

Laut Andreas Gebhardt, Diensthabender vom Polizeirevier Harz, sind rund 30 Personen betroffen gewesen. Die meisten kommen in Räumen des Hotels, die außerhalb der Gefahrenzone liegen, unter. Der Schreck sitzt allen in den Gliedern. Draußen kämpfen die Kameraden mit dem Brand - bei Minus 10 Grad Celsius für sie und auch die ihre Technik eine Herausforderung. In Windeseile gefriert das Löschwasser und überzieht Gegenstände, Wege, Straßen und Einsatztechnik mit einer Eisschicht.

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Große Hilfsbereitschaft

Die Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Thale hat in der Breiten Straße ein Wärmezelt aufgestellt, die DLRG Benneckenstein ist zur Unterstützung eingetroffen. Im großen roten Zelt suchen die Brandbekämpfer in den Pausen Schutz vor der Kälte und werden versorgt. Die Hilfsbereitschaft ist enorm, stellen Vize-Wehrleiter Marco Söchting und die Kameraden fest. Auch als bekannt wird, dass eine Familie ihr Hab und Gut verloren hat. Aus der Nachbarschaft wird Kinderbekleidung zur Verfügung gestellt. Vom Ordnungsamt der Stadt sind der Chef Volker Friedrich und Leiterin Anja Münzberg vor Ort. Sie informieren sich, wo sie helfen können. Neben der jungen Familie hat es auch die Hotelbetreiber schwer getroffen. Ihre Nerven liegen blank, dennoch kümmern sie sich aufopferungsvoll um ihre Gäste. Zum Glück: Keine Person ist zu Schaden gekommen.

162 Einsatzkräfte und 41 Fahrzeuge

Am Mittag rückt das THW aus Quedlinburg an. Die 19 Männer bauen ein Gerüst im Innenhof auf, ziehen Bohlen in den ausgebrannte Hausteil ein. Nur so kommen die Kameraden an die aufflammenden Glutnester heran.

Bis in die Abendstunden dauern die Aufräum- und Sicherungsarbeiten. Bei dem Großbrand im Einsatz sind am Ende insgesamt 162 Brandbekämpfer mit 41 Fahrzeugen. Beteiligt sind alle Feuerwehren in Wernigerode einschließlich Elmo, die Wehren aus Benzingerode, Silstedt, Minsleben, Schmatzfeld, Langeln, Darlingerode, Ilsenburg und Elbingerode. Zur Schadenshöhe und Brandursache gibt es noch keine Angaben.