Schierke l Wenn Schierkes Brandschützer in diesen Tagen alarmiert werden, müssen sie einmal mehr überlegen. Am Ortsausgang gegenüber der Jugendherberge befindet sich jetzt ihr Domizil. Und nicht mehr hinterm Rathaus. „Wir müssen echt aufpassen, dass keiner beim alten Gerätehaus landet“, scherzt Schierkes Feuerwehrchef Ronny Schuck, um dann gleich hinterherzuschieben: „Nein, nein. Bisher ist da alles gut gelaufen.“

Dennoch: Vieles ist neu und noch ein bisschen ungewohnt für die Feuerwehr-Kameraden des 570-Seelen-Ortes unterhalb des Brockens. Neue Parksituation, andere Spindanordnung, längere Wege. Das erste Ausrücken nach dem Umzug habe deshalb etwas länger gedauert, blickt Schuck zurück. „Wir waren natürlich trotzdem rechtzeitig draußen, mussten uns aber erst einmal ein bisschen orientieren.“

Erst vor wenigen Wochen sind die Kameraden in ihr modernes Gerätehaus gezogen. Dabei sind einige Teile des 3,5 Millionen-Euro-Komplexes noch Baustelle. Die Bereiche für Bergwacht und den Bauhof werden erst in den kommenden Monaten fertig gestellt.

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Unerträgliche Bedingungen

Für die Feuerwehrleute ist die Zeit des Wartens aber nun vorbei. Lange hatte sie den Umzug in ihre neue Einsatzzentrale herbeigesehnt. Denn die Bedingungen in ihrem alten Quartier waren inzwischen unerträglich. Das Haus hinter dem Rathaus war so baufällig, dass Teile davon gesperrt werden mussten. „Von drei Toiletten konnten wir noch anderthalb nutzen“, sagt Schuck. Dazu kam, dass die Fahrzeughalle viel zu klein für die Einsatzfahrzeuge war. „Wir mussten immer die Seitenspiegel anklappen, um unbeschadet rein und raus zu kommen.“ Und Umkleiden? Fehlanzeige. „Wir haben uns neben den Fahrzeugen umgezogen.“ Deshalb hatten die Kameraden schon vor Jahren Alarm geschlagen. Bis zum notwendigen Stadtratsbeschluss, dem Baustart und schließlich dem Umzug war es ein langer Weg.

Aber das gehört nun der Vergangenheit an. „Wir haben uns inzwischen gut eingewöhnt“, versichert Ortswehrchef Schuck. Fremd fühle sich hier keiner mehr. Der Umzug habe sich über mehrere Wochen hingezogen. „In der Zeit waren wir täglich hier.“ Jeder Kamerad habe mit angepackt. Und das sei auch notwendig gewesen. „Wir mussten viel durchgucken, aussortieren und zusammenräumen.“

Wehmut beim Packen

113 Jahre lang, also seit ihrer Gründung, hat Schierkes Feuerwehr das alte Gebäude genutzt. „Da hat sich einiges angesammelt.“ Schläuche, Einsatztechnik und Büromaterial haben die Brandschützer zusammengepackt und ins neue Gerätehaus geschafft. Die Ausstattung, Mobiliar und Garderoben sind dagegen nigelnagelneu. Ein bisschen Wehmut habe er beim Packen empfunden, gibt Ronny Schuck unumwunden zu. „Wir waren da so lange drin.“

Das alte Gerätehaus war so etwas wie das Herz der Feuerwehr. Und die Feuerwehr selbst das Rückgrat des Brockenortes. Das hat Schierkes Ortsbürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) bei vielen Gelegenheiten betont. Und auch, wie wichtig eine moderne Ausstattung und gute Einsatzbedingungen für die Kameraden sind.

Bereits 26 Einsätze in 2020

Denn wenn es in Schierke oder in den Wäldern rund um den Brocken brennt, zählt jede Sekunde. Bis die Kameraden aus dem rund 18 Kilometer entfernten Wernigerode angerückt sind, vergehen auf der kurvenreichen Strecke wertvolle Minuten. Da ist es umso wichtiger, dass die Schierker schnell zur Stelle sind. 56 Mal wurden sie 2019 alarmiert. In diesem Jahr hat die 31 Mitglieder starke Truppe bereits 26 Einsätze gemeistert.

Und die Schierker Kameraden werden längst nicht nur gerufen, um Brände zu löschen. Auch wenn Wanderer rund um den Brocken verunglücken oder Sturmschäden und umgeknickte Bäume zu beräumen sind, sind die Schierker im Einsatz.

Dringend neue Mitglieder gesucht

Die Arbeitsbedingungen haben sich mit dem Umzug in die neue Einsatzzentrale für die Kameraden deutlich verbessert. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Ronny Schuck. Die Kameraden seien wieder motiviert. Herzstück des Holz-Ständer-Baus ist die geräumige Fahrzeughalle, in der drei Löschfahrzeuge Platz finden. Getrennter Sanitär-Bereich und Umkleiden für Frauen und Männer. Jeder hat einen eigenen Spind mit verschließbarem Fach. Werkstatt, Küche, Büros für Jugendwart und Wehrleiter - und dazu einen großen Schulungs- und Versammlungsraum.

Was Ronny Schuck besonders freut: Die Jugendwehr hat endlich wieder einen eigenen Bereich - mit Tischen, Stühlen, Kühlschrank für Getränke und sogar einem Kickertisch. Was für eine Verbesserung: Aus dem alten Domizil mussten die Kinder schon vor Jahren aus Sicherheitsgründen ausquartiert werden. Die Theorie wurde seither im Rathaus vermittelt, die praktische Übungen fanden nur draußen statt. Aktuell sind neun Mädchen und Jungen bei der Nachwuchstruppe dabei. „Wir hatten jetzt schon zwei Ausbildungen im neuen Haus“, informiert der Wehrleiter.

Neue Facebook-Seite

Dass auch die Kinder und Jugendlichen mit Feuereifer bei der Sache sind, ist für Schierkes Feuerwehr Gold wert. Denn wie überall bei der ehrenamtlichen Arbeit in den Vereinen fehlt es auch bei den Brandschützern des Brockenortes an Nachwuchs. „Wir brauchen mehr Mitglieder, das ist unser Wunsch“, sagt Ronny Schuck. Gerade unter der Woche seien viele der freiwilligen Kameraden durch die Arbeit verhindert. „Da rücken wir manchmal nur zu dritt oder viert aus.“ Deshalb bemühen sich die Schierker aktiv um mehr Mitglieder. Eine neue Facebook-Seite ist am Start, um auf die Arbeit der Brandschützer aufmerksam zu machen. Darüber hinaus wollen sie am 17. Oktober Anwohner und hoffentlich viele Interessierte zu einem Tag der offenen Tür willkommen heißen.