Ehrenamt

Freiwilliger Einsatz für das Schmuckstück Kurpark Tanne

Vor 60 Jahren ist der Tanner Kurpark eröffnet worden. Bis zur Wende wurde die Pflege in der Gemeinde organisiert, danach kamen Umbau und Erweiterung – und die Wildnis. Seit Jahren pflegen Ehrenamtliche die Grünanlage.

Von Katrin Schröder
Haben jahrelang mitgeholfen, den Kurpark Tanne wieder in ein Schmuckstück zu verwandeln (von links): Irmtraud Daffend, Lisa Herfurth, Marita Puse, Christian Resow und Jutta Reimann.
Haben jahrelang mitgeholfen, den Kurpark Tanne wieder in ein Schmuckstück zu verwandeln (von links): Irmtraud Daffend, Lisa Herfurth, Marita Puse, Christian Resow und Jutta Reimann. Foto: Katrin Schröder

Tanne - Von den beiden Bänken schweift der Blick tief ins Tal hinein, vorbei an dem frisch gepflanzten persischen Eisenholzbaum, über die orangefarbenen Blüten einer kleinen Rabatte hinweg. So gepflegt hat sich der Kurpark in Tanne nicht immer präsentiert – dass er 60 Jahre nach der Einweihung geordnet blüht und grünt, ist engagierten Einwohnern des Oberharz-Ortsteils zu verdanken.

Der Kurpark hat den Tannern von Anfang an viel Einsatz abverlangt. Angelegt wurde er auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Fritz Simon, berichtet sein Nachfolger Christian Resow (parteilos). 1956 begannen die Planungen, ab 1958 wurde auf dem Gelände im Rahmen des „Nationalen Aufbauwerks“ gearbeitet. Mit der feierlichen Einweihung 1961 wurde nicht nur das – inklusive Festplatz – rund 20.000 Quadratmeter große Areal seiner Bestimmung übergeben, sondern auch der Musikpavillon, die Liegehalle und die Lufthalle. „Die Hälfte der Tanner hat dort die erste Zigarette geraucht“, sagt Resow.

Mit dem Kurpark verbinden sich viele Erinnerungen – auch weil dort früher immer etwas los war. „Wenn der Männerchor gesungen hat, das war immer schön“, sagt Marita Puse. Die 79-Jährige erinnert sich an Chortreffen, Konzerte mit Blasmusik und Parkfeste – ebenso wie Jutta Reimann, Lisa Herfurth und Irmtraut Daffend. Das Quartett hat über Jahre hinweg den Kurpark hergerichtet und gepflegt, bis es aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr ging.

Mit gutem Beispiel voran

Zu DDR-Zeiten wurde dies noch zentral organisiert. „Jedem Vermieter wurde ein Beet zugeteilt, das einmal in der Woche gepflegt werden musste“, berichtet Christian Resow. Auch die Ratsmitglieder mussten ran, weiß Jutta Reimann, die damals schon im Kurpark mitgearbeitet hat. Wer nicht rechtzeitig aus den Federn kam, wurde mitunter von Bürgermeister Simon persönlich geweckt. „Er ist aber auch immer mit gutem Beispiel vorangegangen“, sagt Lisa Herfurth.

Der Erfolg gab ihm recht: „In der Volksstimme stand immer, er sei Tannes Schmuckstück“, sagt Christian Resow. Nach der Wende wurde die Anlage, die schon zuvor rund 450 verschiedene Pflanzenarten beherbergte, in großem Stil ausgebaut. Rund 4,5 Millionen D-Mark flossen in den Umbau zum Botanischen Garten – inklusive Asien- und Amerika-Abteilung, Alpinum und Pilzgrund mit zwei Teichen. Rund 40 ABM-Kräfte waren zeitweise dort beschäftigt, erledigten Gärtnerarbeiten, errichteten Wildzäune und installierten eine aufwendige Beleuchtung.

2004 kam dann der vorläufige Schlussakkord: Bänke wurden aufgestellt, der marode Musikpavillon abgerissen, dafür eine Sichtachse ins Tal geschaffen. Diese wuchs mangels Pflege langsam, aber sicher zu. Die Gemeinde hatte nicht die Kraft, um die Anlage zu unterhalten. Gemäht wurde nur noch sporadisch, der Park verwilderte. „Die Natur hat sich das Gelände zurückgeholt“, sagt Christian Resow.

Zwei Motorsensen eingebüßt

Er selbst hat dann 2014 Hacke und Spaten in die Hand genommen und gemeinsam mit einer Gruppe von Freiwilligen den Kurpark aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Das war keine leichte Aufgabe. „Es war alles zugewachsen“, erinnert sich Marita Puse. Die Wege waren nicht mehr zu erkennen. Der Harzklub-Zweigverein übernahm die Organisation, die Stadtverwaltung stellte hin und wieder Benzin bereit und fuhr Grün- und Strauchschnitt weg. Zirka 250 Kubikmeter schafften die bis zu zehn Helfer im ersten Jahr aus dem Park – ein Kraftakt, erinnert sich Christian Resow, der zwei Motorsensen wegen Überbeanspruchung einbüßte. Neben den vier Damen waren regelmäßig auch Susanne Reimann, Brunhilde Kuhn und Felix Wolf im Einsatz.

Die Arbeit war durchaus hart, zum Beispiel das Rasenmähen am steilen Berghang, sagt Jutta Reimann. „Aber mir hat es Spaß gemacht, etwas zu bewegen, damit dieser Park erhalten bleibt.“ Das sehen ihre Mitstreiterinnen ähnlich – auch wenn sie sich einig sind, dass die Parkpflege eigentlich eine Aufgabe der Verwaltung ist. „Die Stadt entzieht sich ihrer Verantwortung“, sagt auch Christian Resow. Seit 2018 hat er alleine für Ordnung im Kurpark gesorgt: Die Helferinnen, die körperlich an ihre Grenzen gegangen waren, sahen sich dazu nicht mehr in der Lage.

Seit Mai hat Resow wieder eine Mitstreiterin: Belinda Chocoua kenne den Kurpark wie ihre Westentasche und sei eine große Hilfe. Die Anlage werde von vielen besucht und geschätzt, Einheimischen wie Urlaubern. Gerade letzteren sei aber oft nicht klar, dass der Kurpark nur durch ehrenamtliche Arbeit erhalten werde. Diese habe sich aber gelohnt, sagt Jutta Reimann: „Das ist ein Fleck, den ich nicht missen möchte.“