Wernigerode l Die ersten 100 Tage sind längst ins Land gegangen. Was gibt es Neues auf der Harburg? „Einiges“, sagt Thorsten Ahrend. Der Wernigeröder begrüßt mit Ehefrau Marita, Familie und Freunden sowie einem Hüttenkoch seit August 2018 wieder Wanderer in der Ausflugsgaststätte. Mit Erfolg ist die Lücke auf der Wanderroute Salzbergtal-Armeleuteberg-Harburg-Zwölfmorgental geschlossen worden.  

„Unser Konzept ist besser als erwartet angenommen worden“, sagt der neue Burgherr, der viel Geld und Kraft in den Um- und Ausbau der jahrelang brachliegenden Hüttenwirtschaft auf 435 Meter Höhe gesteckt hat. Die Mühen, die gut drei Jahre andauerten, haben sich gelohnt, wie der 54-Jährige rückblickend feststellt. „Es ist schon etwas dran, dass die Harburg nach wie vor ein beliebtes Wanderziel ist, und nicht nur bei den Wernige­rödern.“ 

Gasthaus lebt wieder

Das Gasthaus, das 1871 erbaut und später mit Anbauten erweitert wurde, lebt wieder. Vorbei die Zeit des ruinösen Zustands. Bei Getränken und Speisen verweilen Besucher aus nah und fern in der kleinen Hüttenstube mit dem originalen Kanonenofen sowie im gemütlichen Gastraum mit der tollen Aussicht und im Kaminzimmer mit dem barrierefreien Zugang vom Biergarten ins Haus.  

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Vom Wechsel in der Küche hat kaum jemand etwas bemerkt. Nahtlos sei der Übergang gewesen, als Mitte Dezember Achim Helmecke die Harburg im Harz verließ. „Er hatte einfach zu große Sehnsucht nach den Bergen in Österreich“, sagt Thorsten Ahrend und zeigt Verständnis, dass es den Koch zurück auf ein Alpengasthaus „getrieben hat“.  

Mit dem Nachfolger ist der Wirt „sehr glücklich“. Es ist Mathias Beutner, ein gebürtiger Wernigeröder, der sein Handwerk in Österreich gelernt hat. So sind die Spezialitäten der Hauses - allen voran Spinatknödel und Schnitzel „Wiener Art“ - für den 34-Jähigen kein Problem. Auch nicht, dass harztypischen Produkten wie zurzeit Bärlauch oder Fleisch vom Roten Höhenvieh verarbeitet werden - „bei der Zubereitung nach Tiroler Art, versteht sich“, sagt Mathias Beutner. Dem Koch zur Seite steht bei großem Andrang Karin Dittmann. „Sie ist unser Bindeglied zwischen Küche und Service und die gute Seele des Hauses“, fügt Marita Ahrend hinzu.

300 Meter Zufahrt

Die zweite Neuerung ist von den Gästen bemerkt und schon vielfach gelobt worden. Die letzten, gut 300 Meter der Zuwegung zur Harburg, sind saniert. „Auf eigene Kosten“, sagt Thorsten Ahrend, obwohl nur 50 Meter zu seinem Grundstück gehören. Doch die schmale Anliegerstraße ist in einem derart desolaten Zustand gewesen, dass sie „für Radfahrer und Wanderer eine echte Fallgrube war“, erläutert Ahrend. Die Holpertortur habe er zudem den Stoßdämpfern seiner Fahrzeuge nicht mehr zumuten wollen. Deshalb habe Thorsten Ahrend auch den städtischen Straßenteil von etwa 250 Meter aus seiner Tasche finanziert. Den Auftrag habe die Fachfirma Kemna übernommen.  

Gern möchte der Burgherr noch weitere 500 Meter Zufahrt bis zur Höhe der Liftstation sanieren. Da der letzte Teil bis zur Schanze schon vor Jahren ausgebessert wurde, „ist dann die Zuwegung nicht nur ordentlich, sondern könnte im Winter für kleine sportliche Wettbewerbe genutzt werden“, sagt Thorsten Ahrend. Nur einen Haken habe die weitere Sanierung von 500 Meter Zufahrt. „Ich wünsche mir dafür eine finanzielle Unterstützung der Stadt“, sagt Ahrend. 

Auf Volksstimme-Nachfrage im Rathaus ist die Reaktion, was die bisherige Sanierung betrifft, positiv. Ob die Verwaltung den Wunsch des Eigentümers erfülle kann, soll in einem persönlichen Gespräch mit dem Ehepaar Ahrend geklärt werden, denn bislang habe es zur finanziellen Unterstützung bei der weiteren Zufahrtssanierung keine Anfrage gegeben.  Unabhängig vom Ausgang des Gesprächs, „werden wir am Konzept festhalten und es noch ausbauen“, sagt Marita Ahrend. Bewährt habe sich der Anbau von Küchenkräutern und Gemüse im Hausgarten. „Er ist ein Highlight und wird immer wieder bestaunt“, so die Chefin, die für die Hege und Pflege dem befreundeten Ehepaar Conny und Martin Eckert sehr dankbar sei. Gern angenommen werden auch die Führungen unter Leitung von Klaus Sittka, der unermüdlich die Geschichte der Harburg weiter erforscht.

Stolz auf tolle Truppe

„Wir sind schon eine tolle Truppe“, sagt Thorsten Ahrend und möchte sie um Helfer erweitern. Konkret sucht er Mitstreiter, die am Wochenende im Service helfen. „Möglichst aufgeschlossene Rentner oder Vorruheständler“, sagt der Wirt aus gutem Grund: „Die Zusammenarbeit wie mit dem Burgbusfahrer Bernd Mittag habe uns bestärkt, auf zuverlässige ältere Mitstreiter zu setzen.“ Wer sich angesprochen fühlt, kann sich bei Marita und Thorsten Ahrend melden, auf der Harzburg oder unter Burg-Mobiltelefon: 0151 55 83 54 04.