Wernigerode l Der Nicolaiplatz ist am Sonnabend fest in den Händen der Fußballfans gewesen. Der DFB-Pokal-Bus hat auf dem Nico Station gemacht. In dem mobilen Museum sind Erinnerungsstücke aus 75 Jahren DFB-Pokalgeschichte ausgestellt – darunter Spielertrikots und Fußballschuhe berühmter Spieler. Höhepunkt aber war der originale DFB-Pokal. Anfassen durften ihn die Besucher zwar nicht, aber immerhin ein Erinnerungsfoto schießen, kurz bevor am 25. Mai das Finale zwischen RB Leipzig und Bayern München im Berliner Olympiastadion steigt.

Fans begeistert

„Das ist die Gelegenheit, den Pokal mal live und in Farbe zu sehen“, so Heike Härtel-Dressel. Die Wernigeröderin und Ehemann Wolfgang gehörten zu den vielen Fußballfans auf dem Nico, die ein Foto mit dem Pokal ergattern wollten. „Und vielleicht kann ich den Leipzigern dadurch ein bisschen Glück fürs Finale bringen“, sagte der bekennende RB-Fans. Steffen Bohun war mit seinem kleinen Sohn Johann gekommen. Der Fünfjährige harrte geduldig in der Schlange aus. Sein Lieblingsteam? „Dortmund“, so Johann wie aus der Pistole geschossen.

Präsentiert wurde die Tour des fahrenden DFB-Museums vom Versicherungskonzern Ergo. Agenturleiter Michael Baumgarten hatte sich für Wernigerode beworben und Glück gehabt. Die Stadt wurde aus mehr als 300 Bewerbern als Standort für den dreistöckigen Bus ausgewählt – sehr zur Freude der Wernigeröder Fans.

Treffen der Legenden

„Ich bin mit der Resonanz sehr zufrieden“, sagte Michael Baumgarten. Um 11 Uhr sollte es auf dem Nico losgehen. Aber schon halb 11 habe sich eine Warteschlange gebildet. „Deshalb haben wir etwas eher angefangen“, so der Fußballfan und Chef des Wernigeröder Tennis-Clubs.

Auch Wernigerodes Fußball-Legenden ließen es sich nicht nehmen, den Pokal in Augenschein zu nehmen. Lothar Jänicke hatte seine alten Spielerfreunde zusammengetrommelt. Das sei eine spontane Idee gewesen. „Ich habe in der Volksstimme gelesen, dass der DFB-Bus kommt und dann einige Leute angesprochen.“ Alle seien sofort begeistert gewesen. Für die Kicker von einst wie Klaus Hoppe, Reinhard Bilsing, Herbert Reulecke, Ulrich Deparade, Klaus Walther, Peter Havekost, Arno Henke und Bernd Meyer Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen. Mit dabei auch zwei richtige Stars: Axel Tyll und Hans-Bert Matoul. Im Gespräch mit Trainer-Legende Georg Mewes verrieten sie einige Anekdoten aus ihrer Karriere. Tyll, der 1974 beim Europapokal-Finale für den 1. FC Magdeburg das 2:0 vorbereitete und damit Fußballgeschichte schrieb: „Der AC Mailand hat uns damals total unterschätzt. Die dachten, sie gewinnen sowieso.“ Das 2:0 sei mehr als verdient gewesen. Die Mannschaft von damals halte immer noch zusammen. „Wir treffen uns einmal im Jahr.“ Von Hans-Bert Matoul wollte Mewes wissen, was man als Fußballer damals so verdient hat. „Es hat gereicht“, so der Oberliga-Torschützenkönig von Lok Leipzig im WM-Jahr 1974. „Ich wollte damals gar nicht mehr. Heute würde man viel mehr verdienen.“

Und welches Team nimmt den Pokal am 25. Mai mit nach Hause? „Das ist schwierig“, sagte Lothar Jänicke gegenüber der Volksstimme. Er gönne es Leipzig, wenn die Bayern Meister werden. „Aber vielleicht schaffen die Bayern das Double.“ Michael Baumgarten drückt dagegen den Leipzigern die Daumen. „Sie sind aus der Region. Das wäre das erste Mal.“

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