Elbingerode l Dienstag, 15. Oktober 2019, ist Tag der Sternenkinder. Für Mädchen und Jungen, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben, ist auf dem Elbingeröder Friedhof am Abend zuvor eine neue Gedenkstätte eingeweiht worden. Volksstimme-Reporter Holger Manigk sprach mit Pfarrer Ernst Wachter darüber.

Volksstimme: Was war der Auslöser dafür, die Sternenkinder-Gedenkstätte einzurichten?
Ernst Wachter: Immer wieder bin ich in vertraulichen Gesprächen dem Thema Fahlgeburt, Todgeburt, ja, auch Abtreibung, begegnet. Dieser Schmerz, sein Kind zu verlieren, betrifft viel mehr Menschen als uns präsent ist, gerade bei Kindern, die nicht beerdigt wurden, von denen es kein Foto oder für die es kein Grab gibt. Oft entsteht nach einer Weile der Druck, das Thema nicht mehr anzusprechen. Mit unserem Trauerort wollen wir gesellschaftliches Schweigen brechen und Betroffenen zeigen: Euer Schmerz ist auch nach Jahren nicht vergessen.

Wie konnte das Projekt realisiert werden?
Dahinter steckt ganz viel Ehrenamtsinitiative. Wir sind dankbar für allein mehr als 1500 Euro an Bargeld-Spenden. Dazu kommen Arbeitsstunden von Freiwilligen beim Aufbau und Einrichten der Gedenkstätte.
Im Zentrum steht eine Eichenstele. Aus dem großen Block löst sich ein kleiner Kegel, der von einer Hand aufgefangen wird – als Symbol dafür, dass die Kinder nicht ins Bodenlose fallen, sondern Geborgenheit bei Gott finden. Der Entwurf dazu stammt von meiner Frau Annerose, umgesetzt hat ihn Hendryk Scharun von der Tischlerei Edert. Rundherum wächst eine Hecke aus acht Straucharten, von denen immer mindestens eine blühen soll. Dazu kommen Bänke zum Innehalten und persönliche Erinnerungsstücke von Eltern und Angehörigen an ihre Kinder, mit denen sie nur eine kurze gemeinsame Zeit verbringen durften.

Gibt es Vorbilder für diesen Gedenkort?
Die Idee ist nicht ganz neu. In Quedlinburg etwa ist auf dem Friedhof eine besondere Stelle für Gemeinschaftsbeerdigungen von Fehlgeburten aus dem Harzklinikum vorgesehen. Die Bestattung von Frühchen soll auch bei uns möglich sein.

Wie soll die Gedenkstätte genutzt werden?
Wir planen, uns am Gedenktag für trauernde Eltern am zweiten Sonntag im Dezember zu beteiligen. Dann werden um 19 Uhr weltweit Kerzen für verstorbene Kinder angezündet. Mit der Gedenkstätte finden Angehörige von Himmelskindern, wie wir sagen, nun einen ständigen Ort zum Erinnern.