Schierke/Pirna l Der Dresdner Rick M. legte besonderen handwerklichen Fleiß an den Tag. Dies allerdings nur im kriminellen Bereich. Zumindest geht das so aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hervor. Der 49-jährige Deutsche soll in Schierke, in der Sächsischen Schweiz und im Dresdner Umland 32 Parkautomaten aufgebohrt haben, um an das Geld in den Kassetten zu gelangen.

Obwohl der Täter professionell vorging, Überwachungskameras ausschaltete und genau wusste, wie und wo man den Bohrer ansetzt, waren seine Bemühungen nur in weniger als der Hälfte aller Fälle von Erfolg gekrönt. Oft waren die Automaten schon leer oder es ließen sich nur ein paar Münzen erbeuten.

Doch die Masse macht es: Alles in allem nahm der mutmaßliche Täter 2018 und 2019 fast 17.300 Euro ein – und verursachte dabei einen Schaden von schätzungsweise 30.000 Euro.

Spektakulärster Fall im Harz

Spektakulärster Fall war das Plündern der drei großen Blechkästen im Schierker Parkhaus „Am Winterbergtor“. Ganze 6 500 Euro sind dort Anfang 2019 gestohlen worden. Wernigerodes Rathausspitze musste sich danach viel Spott und Häme gefallen lassen. Viel früher, so die Kritiker, hätten die Automaten regulär geleert werden müssen.

Weitere Fälle aus Moritzburg, Nünchritz, Bad Schandau, Hohnstein, Rosenthal-Bielatal und Altenberg in Sachsen wurden ebenfalls Teil der Anklage. Eine ansehnliche Beute gab es mit 5300 Euro am letzten Tag des Jahres 2018 im Parkhaus der Festung Königstein. Die 262 Euro, die der Kriminelle am Basteiparkplatz mitgehen ließ, waren dagegen nur Peanuts.

Nicht die Observierung durch die Polizei, sondern eine Blutspur auf ebendiesem Parkplatz überführte schließlich den mutmaßlichen Dieb. Offenbar hat er sich beim Aufbohren des Automaten verletzt und tupfte die Wunde mit einem Wattepad ab. Dieses blieb am Tatort zurück und lieferte den Ermittlern ein starkes Indiz. Die DNA-Prüfung brachte sofort einen Treffer, weil der 49-Jährige einschlägig vorbestraft ist. Seit 1994 ist er 15 Mal zu Freiheitsstrafen verurteilt worden – ausschließlich wegen Diebstahls.

Besonders schwerer Diebstahl in 18 Fällen

Zuletzt bekam der gelernte Bergbautechniker in einem Berufungsverfahren von dem Landgericht Dresden ein Jahr und vier Monate aufgebrummt. Die Anklage wegen besonderen schweren Diebstahls in 18 und des Versuchs in all den anderen Fällen nahm der großgewachsene, sportliche Mann mit den kurzen Haaren im Pirnaer Gerichtssaal ohne Regung auf.

Mit der Justiz wollte er während der Untersuchungshaft nicht kooperieren. Wohl wissend, dass ihm die meisten in den Akten stehenden Taten nur schwer nachzuweisen wären, schwieg er zu den Vorwürfen. Daran änderte auch nichts, dass ihm für ein Geständnis eine Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren in Aussicht gestellt wurde.

Angeklagter erfindet abenteuerliche Ausreden

Erst wenige Tage vor der Verhandlung schickte der Angeklagte ein langes Schreiben ans Gericht. „Mit abenteuerlichen Ausreden“, wie Richter Andreas Beeskow sagt. So räumte er zwar ein, vor der angeblichen Tat in Königstein gewesen zu sein, aber nur um mal kurz Aushänge anzuschauen oder ein Flyer abzuholen. Auch konnte der ALG-II-Empfänger nicht schlüssig erklären, wieso er zweimal hintereinander für kurze Zeit in den Harz gefahren ist. Zugegeben hat er lediglich den Diebstahl am Basteiparkplatz – den er ja wegen der Blutspur ohnehin kaum hätte leugnen können.

Das Pirnaer Schöffengericht sah zumindest in den drei Fällen Schierke, Königstein und Bastei die Schuld des Angeklagten als erwiesen an und verurteilte ihn unter Einbeziehung der Strafe vom Landgericht zu drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis – ohne Bewährung. Die Strafe ist noch nicht rechtskräftig.