Achtfache Mutter

Großfamilie zwischen Harz und Irland

Die Reise von Irland in den Harz wird für Johannes und Katharina Hamecher immer eine besondere sein: Denn in Wernigerode kam mit ihrer Tochter Oonagh ihr achtes Kind zur Welt.

Katharina Hamecher (mit hinten von links: Schwester Jacqueline Stieglitz, von links,  Dr. Carmen Aschka, Dr. Andreas Gerhardt und Hebamme Silvana Buch) hält Töchterchen Oonagh im Arm.
Katharina Hamecher (mit hinten von links: Schwester Jacqueline Stieglitz, von links, Dr. Carmen Aschka, Dr. Andreas Gerhardt und Hebamme Silvana Buch) hält Töchterchen Oonagh im Arm. Foto: Tom Koch/Harzklinikum

Wernigerode (ue). Oonagh – gesprochen Una – ist ein gälischer Mädchenname, der so viel wie „die Einzigartige“ bedeutet. Dass sich Katharina und Johannes Hamecher für diesen Vornamen entschieden, kommt nicht von ungefähr, lebt doch die nunmehr zehnköpfige Familie, die ihre Wurzeln in der Harz-Region hat, seit mehreren Jahren in Irland.

Aktuell verbringt die gesamte Familie Hamecher ein halbes Jahr im Harz, um – soweit in der Corona-Pandemie möglich – Angehörige zu besuchen und Geschäftliches zu erledigen. Damit er bei der Geburt seiner Tochter dabei sein konnte und den Zeitpunkt nicht verpasste, habe er im Auto auf dem Parkplatz des Klinikums übernachtet, erzählt Johannes Hamecher.

Oonagh erblickte am 26. April im Harzklinikum Wernigerode das Licht der Welt, mit einer Größe von 54 Zentimetern und einem Gewicht von 4030 Gramm, teilt Klinikumsprecher Tom Koch mit. Sie kann sich auf eine große Familie freuen – auf fünf Schwestern im Altern von 13, elf, zehn, acht und sechs Jahren sowie zwei Brüder im Alter von fünf und drei Jahren.

Ursprünglich, so wird die gebürtige Bernburgerin Katharina Hamecher (38) in der Mitteilung des Harzklinikums zitiert, gehörten zu ihren Lebensplänen ein gemütliches Haus zum Leben, ein großes Büro zum Arbeiten und zwei Kinder… Der Fokus mit Blick auf ihre Familien- und Lebensplanung hat sich offensichtlich geändert.

Familie gründete Internet-Firma und Verlag

Die Hamechers sind Inhaber einer vor mehr als 20 Jahren in Wernigerode gegründeten Internet-Firma. Sie entwickeln individuelle Software-Lösungen, betreuen zunehmend häufiger auch Internet-Start-Ups. Als eigenes Start-Up hat die Familie 2020 einen Verlag gegründet. Das Roman-Debüt der nunmehr achtfachen Mutter, der mittelalterliche Kinder-Roman „Der Fall von Rabeneck“, kann übrigens in der Wernigeröder Kinderbibliothek und in der Stadtbibliothek Ilsenburg kostenlos ausgeliehen werden.

Bei allen Tätigkeiten arbeiten Katharina und Johannes Hamecher von Zuhause, heißt es weiter. Das ermögliche es ihnen, ortsunabhängig zu sein. Mit der Schulpflicht ihrer ältesten Tochter im Jahr 2014 sind sie zum Leben und Arbeiten zunächst nach Frankreich, später nach Irland gezogen. Besonders wichtig bei dieser Entscheidung – so Katharina Hamecher, die, wie auch ihr Mann Johannes, Teile ihrer Schulzeit am Wernigeröder Landesgymnasium für Musik verbracht hat – sei das irische Bildungsangebot beim „Home-Schooling“, also beim Unterricht zu Hause, gewesen.

Bewusst habe sich die Familie für diese Lernform entschieden. Auf der Insel in Europas Nordwesten werde das gemeinsame Lernen aus der häuslichen Distanz mit einer völlig anderen Qualität umgesetzt, als das derzeit anhand deutscher Erfahrungen vorstellbar ist. „Wir sind ,Home-Schooler’ aus Überzeugung, verstehen uns dabei als aktive lernbegleitende Eltern“, sagt Katharina Hamecher. Und während sie das sagt, ist plötzlich laut und vernehmbar das Stimmchen von Oonagh zu hören. Die Kleine denkt wohl gerade gar nicht an Schule, sie hat Hunger.