Corona-Krise

Harte Zeiten für Bergbaufreunde im Harz

Sechs Wochen konnte das Schaubergwerk Büchenberg wieder erkundet werden, dann kam die Notbremse. Doch nicht nur unter Tage bewegt sich bei Elbingerode trotzdem viel.

Von Holger Manigk
Wegen der Corona-Notbremse muss das Schaubergwerk Büchenberg geschlossen bleiben. Annemarie Müller und Ralf Melzer von den Bergbaufreunden Elbingerode hoffen, dass bald wieder Besucher unter Tage dürfen.
Wegen der Corona-Notbremse muss das Schaubergwerk Büchenberg geschlossen bleiben. Annemarie Müller und Ralf Melzer von den Bergbaufreunden Elbingerode hoffen, dass bald wieder Besucher unter Tage dürfen. Fotos (4): Holger Manigk

Elbingerode - Wanderer und Tagesausflügler stehen vor verschlossenen Türen am Schaubergwerk Büchenberg. „Wegen der Corona-Notbremse mussten wir zum wiederholten Male schließen“, erläutert Betreiber Ralf Melzer. Dabei sei das Interesse an Heimat- und der Montangeschichte in der Region zuletzt spürbar gewachsen. „Der Parkplatz am Trecktal ist immer gut gefüllt, doch viele Ausflügler fahren enttäuscht wieder nach Hause“, pflichtet ihm Annemarie Müller bei.

Beide sind Mitglieder der Bergbaufreunde Elbingerode und hoffen, dass nun mehr Gäste den Lehrpfad durch das Revier rund um Büchenberg erkunden. „Das sind 1000 Jahre Bergbaugeschichte in gut drei Stunden zu Fuß auf rund sechs Kilometern“, sagt die 61-Jährige. Neben rekonstruierten Stollen-Mundlöchern, Pingen, Schächten sowie Porphyritsteinbruch erwarten Wanderer viele interessante Details am Rand des Rundweges, wie Müller erläutert.

Bergbau-Lehrpfad wird ständig gewartet

Wenige Meter weiter westlich der Bundesstraße 244 hebt sie einen Stein auf: „Da kann man prima Eiseneinschlüsse erkennen“, sagt sie und deutet auf rote Flecken auf dem Klumpen. Dieses Wissen würden sie und andere Vereinsmitglieder gern wieder bei geführten Touren vermitteln. „Doch damit müssen wir wohl warten, bis die Corona-Krise halbwegs überstanden ist.“

Die Pandemie habe die ohnehin schon anspruchsvolle Betreuung und Instandhaltung Lehrpfades zusätzlich erschwert. „Wir können uns nur in Kleingruppen – meist zu zweit – zu Arbeitseinsätzen treffen“, so Annemarie Müller weiter. Trotzdem hätten sie diesen Frühling bereits einiges geschafft: So hat der Augustenstollen direkt an der Weißkopfchaussee eine neue Absperrung erhalten. Das 2019 eingestürzte Mundloch des Franzstollens konnte im vergangenen Jahr ebenfalls wieder hergerichtet werden. Bald stünde die Rasenmahd an – „die brauchen wir einmal vor dem Sommer und einmal Ende August – sonst ist binnen kürzester Zeit alles zugewuchert“, sagt die Wernigeröderin.

Trotz Corona 23.000 Gäste im Schaubergwerk

Doch eine Prognose, wann Besucher wieder in das Schaubergwerk als Herzstück des Lehrpfades dürfen, gleiche „einem Blick in die Glaskugel“, sagt Ralf Melzer. Von Mai vergangenen Jahres bis zum Juni 2021 seien ihm und seinem Team wegen zwangsweiser Stornierungen Einnahmen von rund 80.000 Euro entgangen.

Dabei sei er 2020 mit einem blauen Auge davongekommen. So hätten in den Öffnungsmonaten 23.000 Gäste das Bergwerk erkundet – „dank des Ansturms in dieser Zeit ein fast normales Jahr“, kommentiert Melzer. „Das reicht aber gerade so, um unsere Unkosten zu decken.“

Neue Exponate unter Tage

Denn mit den Untertage-Veranstaltungen wie dem Tzscherperessen sei das wichtigste Standbein des Schaubergwerks weggebrochen. „Damit erzielen wir sonst 60 Prozent unserer Einnahmen“, erläutert der Betreiber. Er will die erneute Schließzeit aber nicht ungenutzt lassen. „Wir haben mit umfangreichen Erneuerungen im Berg begonnen“, sagt der Betreiber. Unter anderem würden neue Bohrgeräte aufgestellt.

Die sollen möglichst bald von Besuchern bestaunt werden – „zunächst in Kleingruppen ohne Führung, aber mit fachkundiger Betreuung“, umreißt Melzer das Hygienekonzept, das bereits im vergangenen Jahr gut funktioniert habe. „Der Sommer ist die Zeit, in der wir uns einen finanziellen Winterspeck anfuttern müssen – deshalb warten wir sehnsüchtig auf den Neustart.“

Dass Büchenberg noch eine Perspektive in der Corona-Krise habe, sei vor allem der unbürokratischen Hilfe von zwei Akteuren zu verdanken: „Die Stadt Oberharz als Eigentümer hat seit April 2020 die Pacht für das Bergwerk ausgesetzt.“ Dazu seien die Informationen und Tipps der Industrie- und Handelskammer etwa zu Kurzarbeitergeld Gold wert.