Hasselfelde l Mit Hilfe von Fördermitteln möchte die Oberharz-Stadt zwei Gebäude in Hasselfelde aufwerten. Für das Projekt direkt an der Grundschule steht der Start kurz bevor. Über einen zweistöckigen Anbau, der jeweils von den beiden ersten Etagen aus zugängig ist, soll den Kindern künftig der Weg zu den Toiletten verkürzt werden.

Derzeit befinden diese sich im Keller. Und das ist gleich in mehrerlei Hinsicht ein Problem. „Vom obersten Stock aus müssen die Kinder vier Etagen überwinden, um auf Toilette zu gehen“, beschreibt Schulleiterin Elke Prill. Das sei unpraktisch und koste Zeit. „Zudem müsste die Treppe neugemacht werden, weil die Stufenhöhe nicht für Grundschulkinder geeignet ist.“

Anbau ist praktischer

Das war früher kein Grund zur Sorge. Denn wo heute Grundschülern lernen, war früher eine Sekundarschule. Diese wurde 2007 durch einen 470.000 Euro teuren Umbau an die Bedürfnisse der jüngeren Kinder angepasst. Allerdings nicht im 118 Jahre alten Kellerbereich. „Der alte Bruchsteinkeller ist zudem feucht. Als die Toiletten eingebaut worden sind, wurde er nicht trockengelegt“, bemängelt Elke Prill. Allein aus hygienischen Gründen habe eine andere Lösung gefunden werden müssen. „Und die Kosten für die Sanierung wären teurer als der Anbau gewesen.“

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Dieser schlage dennoch mit rund 120.000 Euro zu Buche, weiß Frank Quittschorr, der kommissarisch das Bauamt der Oberharz-Stadt leitet. 100 000 Euro davon können über eine Schulbauförderung für finanzschwache Kommunen abgedeckt werden. Das Land reicht dafür Geld vom Bund an ausgewählte Projekte weiter. Der entsprechende Bewilligungsbescheid flatterte bereits im März ins Rathaus. Dennoch hat sich noch immer nichts getan.

Kritik

Das regt vor allem Ortsbürgermeister Heiko Kaschel (FWG) auf. „Wir waren soweit, dass wir hätten vergeben können. Eine Hasselfelder Firma hätte das gemacht. Es hätte lange erledigt sein können“, sagt er. „Ich verstehe nicht, warum man da noch ein Planungsbüro dazwischen schalten muss, das nochmal extra Geld kassiert. Nur, weil alles seinen bürokratischen Weg laufen muss.“

Aber genau so sei es, bekräftigt Quittschorr auf Nachfrage. „Das vorliegende Angebot damals war nur ein Pauschal­angebot. Soetwas können wir nicht annehmen“, sagt er. „Das ist ein denkmalgeschütztes Gebäude und ohne Bauantrag geht das nicht. Da sind vergaberechtliche Abläufe einzuhalten.“

Genehmigung steht aus

Auf die Baugenehmigung des Landkreises würde die Stadt noch warten, erst dann könne die Ausschreibung erfolgen. „Ich denke, dass wir im Frühjahr anfangen können. Mit dem Rohbau sollten wir dann im Sommer fertig sein“, zeigt sich Quittschorr optimistisch. Anschließend werde die Toilettenanlage eingebaut. Bis Ende 2021 solle der Anbau spätestens nutzbar sein.

Dieser wird über zwei Etagen an die zum Schulhof hin zeigende Fassade gesetzt. Dafür fallen je zwei Fenster pro Stockwerk weg und werden als Zugang in die Toilettenräume umfunktioniert. Damit können sich die Kinder den langen Weg bis in den Keller sparen.

Veralteter Standard

Während für den Anbau an die Grundschule die Weichen gestellt sind, ist die Zukunft der für den Schul- sowie Vereinssport genutzten Turnhalle gegenüber noch unklar. Dabei sei hier einiges zu tun, wie der kommissarische Bauamtsleiter erklärt. „Die Turnhalle ist um die 1930er Jahre als Kombinationsgebäude für Feuerwehr, öffentliche Wannenbadanlage und Einliegerwohnungen gebaut worden. Und dann ist eine ganze Weile gar nichts gemacht worden“, sagt er.

Zwar seien die Umkleiden der Mädchen und Jungen aufgewertet worden, doch ansonsten entspreche die Halle keinem Standard mehr. „Die Fenster müssen ausgetauscht werden, weil sie sich nicht öffnen lassen. Die Balken im Deckenbereich sind angefault, der Boden ist jahrzehntealt und gibt an manchen Stellen nach“, zählt Frank Quittschorr auf.

Energiekosten

Auch die für den Vereinssport genutzten Umkleiden und Duschen müssten dringend saniert werden, das Dach müsse neu gedeckt und besser gedämmt werden und die Heizungssteuerung zugunsten weniger Energiekosten ausgewechselt werden.

Da die Wunschliste lang, die Stadt aber klamm bei Kasse ist, wurden die Arbeiten in zwei Bauabschnitte geteilt und jeweils gesonderte Förderanträge geschrieben. Über die ELER-Sportstättenförderung in Sachsen-Anhalt erhofft sich die Stadt 100.000 Euro und damit eine 90-prozentige Deckung der Kosten für den Austausch der 22 Fenster und eine energetische Teilsanierung der 130 Quadratmeter großen Deckenverkleidung.

Oben auf der Liste

„Den Antrag haben wir im letzten Jahr gestellt, waren damals in der Förderperiode aber noch nicht dabei. Mittlerweile stehen wir auf der Prioritätenliste weit oben“, verrät Quittschorr. Daher rechne er sich hohe Chancen aus, im April eine Zusage zu bekommen. Dann könnte 2021 und 2022 gebaut werden.

Für den wesentlich größeren Part an notwendigen Sanierungen, für den laut Bauamtsleiter rund 540 000 Euro angesetzt sind, sollen die Möglichkeiten über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ ausgeschöpft werden. Für Kommunen in Haushaltsnotlage werden 90 Prozent der Kosten als Übernahme in Aussicht gestellt. Hier heiße es allerdings weiterhin abwarten.