Corona

Hat es sich im Landkreis Harz bald ausgeimpft?

An manchen Tagen steht in Impfzentren des Landkreises Harz mehr Impfstoff zur Verfügung, als Nachfrage besteht. Das sind die Gründe dafür und das die Konsequenzen.

Von Sandra Reulecke
Einer Frau wird im Impfzentrum Quedlinburg die erste Dosis Moderna verabreicht. Während sie ihren Termin wahrgenommen hat, kommt es auch im Landkreis Harz immer wieder vor, dass Leute unentschuldigt ihre Spritze schwänzen.
Einer Frau wird im Impfzentrum Quedlinburg die erste Dosis Moderna verabreicht. Während sie ihren Termin wahrgenommen hat, kommt es auch im Landkreis Harz immer wieder vor, dass Leute unentschuldigt ihre Spritze schwänzen. Foto: Sandra Reulecke

Halberstadt/Wernigerode/ Quedlinburg - Immer mehr Bundespolitiker wie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordern Strafzahlungen für das Schwänzen von vereinbarten Impfterminen (die Volksstimme berichtete am Montag). Auch im Landkreis Harz komme es immer wieder vor, dass Leute ihre Termine ungenutzt verstreichen lassen, berichtet Impfzentrenleiter Karsten Fischer. Die Zahl der Schwänzer variiere von Tag zu Tag, von Ort zu Ort. „Es wäre unseriös, eine exakte Zahl oder einen Prozentsatz zu nennen.“

Das Verhalten der Impfschwänzer sei ärgerlich und unfair dem Team gegenüber. „Die Schwestern und Ärzte sind da und wollen arbeiten, können es aber nicht“, beschreibt Karsten Fischer. Es entstünden so trotz penibler Planung und Taktung Leerzeiten – in denen andere ihre ersehnte Spritze erhalten könnten.

Dennoch spricht sich der Impfzentrenleiter gegen Strafzahlungen für diejenigen, die ihre Termine nicht wahrnehmen, aus. Viel zu langwierig sei das Prozedere, diese zu ermitteln und abzustrafen. „Der bürokratische Aufwand wäre größer als der Nutzen“, sagt Fischer. Dafür müsste er Personal abstellen. „Und das sehe ich nicht ein.“

So verfällt kein Impfstoff

Zumal kein Impfstoff im Landkreis Harz aufgrund von Impfschwänzern „verfalle“, wie er betont. Notfalls würden Termine verschoben, damit nicht Ampullen angebrochen und nicht aufgebraucht werden. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung enthält etwa eine Durchstechflasche mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer sechs Einzel-Impfdosen, bei Moderna sind es zehn Impfdosen. „Wenn absehbar ist, dass wir nicht alle Dosen einer Ampulle verimpfen können, fragen wir die Leute, ob sie am nächsten Tag noch einmal wiederkommen. Die meisten reagieren verständnisvoll“, so Fischer.

Andersherum hat er – bedingt – Verständnis für die Menschen, die ihre Termine unentschuldigt schwänzen. Denn dafür gebe es manchmal objektive Gründe. „Wer einen Termin über die Hotline 116 117 vereinbart hat, kann unter dieser Nummer auch seinen Termin umlegen oder absagen. Wer über einen anderen Kanal einen Termin erhalten hat – uns zum Beispiel einen Brief geschrieben hat – hat es da schwieriger“, räumt Fischer ein. Die Registrierungssysteme seien für solche Fälle nicht ausgelegt.

Was sind aus Fischers Sicht Gründe dafür, dass Termine nicht wahrgenommen werden? Ein kompletter Rückzieher von der Impfung sei es im seltensten Fall, sagt er. Vielmehr hätten diejenigen über den Hausarzt, den Arbeitgeber oder in einem anderen Impfzentrum meist schon eher einen Termin erhalten. „Manche wollten zum Beispiel noch vor ihrem Urlaub die zweite Spritze bekommen und haben alles daran gesetzt, das auch zu erreichen“, sagt Fischer.

Nachfrage nach Impfterminen deutlich zurückgegangen

Während zu Beginn der Impfkampagne Schwänzen die Ausnahme war, komme es nun häufiger vor. Doch nicht nur das hat sich geändert: „Die Nachfrage nach Impfterminen ist stark rückläufig“, berichtet Karsten Fischer. Durchschnittlich rund 400 Personen seien es aktuell, die sich pro Tag im Quedlinburger Impfzentrum eine Spritze geben lassen. Zum Vergleich: Am Spitzentag wurden 1085 Pikser verteilt. „Ich gehe aber davon aus, dass die Quote in dieser Woche wieder steigt“, so Fischer. Es werde mehr Impfstoff geliefert. Deshalb könnten in Quedlinburg neben den Zweit- nun auch wieder mehr Ersttermine vergeben werden.

Anders sieht es in den dezentralen Impfzentren im Landkreis Harz aus. 14 Stück sind eingerichtet worden. Doch diese werden nun nach und nach geschlossen, sobald die jeweils letzten Zweittermine absolviert sind. „Elf der 14 Zentren schließen schon bis zum Monatswechsel, weil kein Bedarf mehr für sie besteht“, so Fischer. In absehbarer Zeit werde nur das Impfzentrum in Quedlinburg geöffnet bleiben.

Wernigeröder Impfzentrum schließt Ende Juli

Das in Wernigerode hat voraussichtlich schon nach dem 23. Juli ausgedient. Für diesen Tag seien die letzten Zweitimpfungen geplant, informiert Rathaussprecherin Kristin Dormann auf Volksstimme-Nachfrage. Mitte März ist das Impfzentrum Am Kupferhammer – betreut von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Wernigerode – eröffnet worden. Da zu wenig Impfstoff zur Verfügung stand, lief der Betrieb eher schleppend an. Nun sei es die Nachfrage, die schleppend sei, sagt Kristin Dormann. Aktionen, um Impfwilligen unkompliziert ein Impfangebot zu unterbreiten, seien nicht so gut angenommen worden, wie von der Stadt erhofft. „Wir haben zum Beispiel alle Eltern von Kita-Kindern angeschrieben.“ Zudem gab es Mitte Juni zwei Tage lang die Möglichkeit für alle Wernigeröder, sich spontan ohne Termin impfen zu lassen. „Am ersten Tag war die Resonanz noch gut, am zweiten schon deutlich geringer“, fasst Kristin Dormann zusammen. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass nun jeder, der wollte, eine Chance auf einen Impftermin erhalten hat.“

Bis zum Monatsende sollen deshalb die als Impfzentrum genutzten Räumlichkeiten an den Vermieter übergeben werden. „Wir hatten von Anfang an ein sehr faires Mietverhältnis und die Absprache, dass es endet, sobald kein Bedarf mehr besteht“, betont Kristin Dormann. Im Klartext: Für die Stadt fallen nach Ende der Nutzung keine Kosten an.

Darum fallen keine Mietkosten an

Ähnlich ist es in Halberstadt. „Wir sind in der komfortablen Lage, dass wir Gebäude nutzen können, die sich in städtischer Hand befinden – wenn auch indirekt“, sagt Timo Günther, der Justiziar der Stadt Halberstadt. Zunächst standen Räume im Bahnhof, die zur kommunalen Tochtergesellschaft Nosa gehören, als Impfzentrum zur Verfügung. Ende April zog das Impfteam in das Sport- und Freizeitzentrum (FSZ).

Miete sei für die Verwaltung in beiden Fällen nicht angefallen, informiert Günther. „Die Reinigungskosten werden von der Stadt getragen. Außerdem beteiligen wir uns an den angefallenen Betriebskosten und werden ein angemessenes Nutzungsentgelt entrichten“, kündigt der Justiziar an.

Auch in den Fällen der anderen Impfzentren im Landkreis Harz sei nicht zu erwarten, dass durch sie große Lücken im Haushaltsplan der jeweiligen Kommune gerissen werden. „In den meisten Fällen konnte auf Räumlichkeiten wie Turnhallen zurückgegriffen werden, die entweder der Kommune oder dem Landkreis gehören“, informiert Impfzentren-Leiter Karsten Fischer. Kommentar

Karsten Fischer leitet das Kreis-Impfzentrum Harz in Quedlinburg.
Karsten Fischer leitet das Kreis-Impfzentrum Harz in Quedlinburg.
Foto: Kreisverwaltung
Kristin Dormann ist Rathaussprecherin in Wernigerode.
Kristin Dormann ist Rathaussprecherin in Wernigerode.
Foto: Ivonne Sielaff
Timo Günther ist Justiziar der Stadt Halberstadt.
Timo Günther ist Justiziar der Stadt Halberstadt.
Foto: Sandra Reulecke