Das Teufelsloch

Der Regenstein ist seit jeher ein Ort mystischer Erzählungen. Sein Name soll von „Raginstet“ kommen und „Sitz der Götter“ oder „Thron der weisen Seelen“ bedeuten. Alle seine Geheimnisse würde der blanke Felsen aber nur Eingeweihten, Zauberern und Hellsichtigen offenbaren. So ist bis heute eine rätselhafte Sage erhalten geblieben, die so manchen Freund alter Erzählungen in seltsame Geisteszustände taucht: Von rätselhafter Verwunderung bis hin zu nervenaufreibender Verwirrung ist alles dabei. Was soll sie nur bedeuten?

„Geh hinein in den Berg - viele Stufen - verweil dort drei Tage, die wie einer sind, reife heran vom Greise zum Kind, bist du vom Stummen wirst gerufen. Doch gehst du erst, wenn du verstehst: Im Teufelsloch liegen tausend Steine - ganz gleich, wie viele du herausnimmst und sie ins Tal hinunterträgst, ein Geist trägt sie zurück, so wirds nie leer. Das andre Becken wird nie voll, ganz gleich wie toll und womit man‘s befüllt.“

(aufgeschrieben nach Grässe)

Blankenburg l Der Harz und dessen mystische Sagenwelt haben es Carsten Kiehne angetan. Seit Jahren forscht er mit viel Herzblut nach alten Erzählungen, die einst von Generation zu Generation weitergetragen wurden. Rund 400 Bücher, das älteste um 1780, hat er durchforstet, um solche Sagen aufzuarbeiten, aufzuschreiben und für die Nachwelt zu erhalten. Und dabei stieß er auch auf Dutzende „sehr wunderbare und sonderbare“ Geschichten über den Regenstein, über Michaelstein, Heimburg und natürlich Blankenburg. Für den Sagenforscher und Sagenerzähler kein Wunder: „Kaum eine Gegend ist so sagenumwoben, wie Blankenburg. Und kaum ein Fleck in Deutschland gibt Heimatforschern und Archäologen mehr Rätsel auf“, sagt Carsten Kiehne, den besonders der Regenstein begeistert. Allein über diese Felsformation hat er 26 Geschichten zusammengetragen, die er im elften Band seiner „Beiträge zur Heimatkunde“ nun veröffentlicht hat.

In seinem 168 Seiten starken und reich illustrierten Buch „Die schönsten Sagen aus Blankenburg - Von Burgen, Klöstern und versunkenen Heiligtümern“ geht Kiehne auch immer wieder auf vorchristliche Kultstätten ein, von denen es in der Region nur so zu wimmeln scheint. Davon zeugen nicht zuletzt die Felsen von Regenstein und Teufelsmauer, ist sich der Autor sicher, der in seinen Erzählungen einem Teufelsloch, Kalender- und Orakelfelsen, einem Wetterzauber am Thorstein, einer Weißen Frau, einer Stummen Braut und sogar einem Kopflosen Reiter nachspürt.

Rezepte fürs Glück

Einen ganz besonderen Bezug zu dem im wahrsten Sinne „sagenhaften Harz“ stellt Carsten Kiehnes Lebenspartnerin Manuela Petri her. „Sagen erzählen ganz viel davon, was man machen kann, um ein glückliches Leben zu führen“, sagt die Quedlinburgerin. Und sie muss es schließlich wissen. Denn Manuela Petri ist ausgebildete Glückstrainerin. Anhand von 30 Harzer Sagen beschreibt sie gemeinsam mit Carsten Kiehne, wie die Menschen früher dem Glück auf die Sprünge geholfen haben, welche Kraftorte sie aufsuchten, um ihr Glück zu finden. Vieles von dem ist bis in die heutige Zeit übertragbar, meint Manuela Petri. „Denn Glück haben und Glücklich sein ist ein großer Unterschied“, sagt sie. Dies zeige sich gerade in Krisenzeiten wie diesen: „Da bleiben traurige Phasen nicht aus. Entscheidend ist aber: Wie gehe ich damit um? Bade ich in meinem Leid oder überlege ich, was ich positiv verändern kann“, erläutert sie. Mit ihrem Buch gibt sie ihr „Glückswissen“ weiter - so wie übrigens sonst auch beim „Glücksunterricht“ in Schulen und - wie passend - bei Vorträgen wie in der Teufelsbad-Fachklinik.

„Sagenhafter Harz“ - ISBN: 978-3-7504-1834-9 und „Sagenhaftes Glück - ISBN 978-3-7494-8571-0, mehr online gibt es hier