Katastrophenhilfe

Hilfe aus der Oberharzstadt für Flutopfer in Westdeutschland

Das Mitgefühl für die Menschen in den westdeutschen Flutgebieten ist groß. Zahlreiche Helfer aus der Stadt Oberharz am Brocken haben Unterstützung für Betroffene geleistet – auf privater Basis und mit der Feuerwehr aus dem Fachbereich West.

Von Katrin Schröder
Mit drei Lkw und sechs Fahrern ist Spediteur Klaus Borsch aus Königshütte zu einer Hilfslieferung ins Hochwassergebiet aufgebrochen.
Mit drei Lkw und sechs Fahrern ist Spediteur Klaus Borsch aus Königshütte zu einer Hilfslieferung ins Hochwassergebiet aufgebrochen. Foto: Klaus Borsch

Oberharzstadt/Ahrregion - Die Spannung blieb bis zum letzten Moment. „Ich war mir nicht sicher, ob wir die Sachen wirklich abgeben können“, sagt Klaus Borsch. Der Spediteur aus Königshütte hatte drei Lkw voller Hilfsgüter für die Hochwasserbetroffenen im Westen Deutschlands gesammelt und suchte nach Ansprechpartnern im Katastrophengebiet (die Volksstimme berichtete).

Das gestaltete sich alles andere als einfach. „Ich habe die ganze Woche zuvor ständig telefoniert“, berichtet Borsch. Das Problem: Überall füllten sich die Lager mit Hilfsgütern, die Verteilung hielt aber offenbar nicht mit dem Tempo der Zulieferungen Schritt. Über einen Magdeburger Motorradclub bekam Borsch dann aber Kontakt zu einem befreundeten Verein in der Nähe von Linz am Rhein.

Die Mitglieder seien zwar nicht selbst betroffen – das Örtchen Kretzhaus liege rund 20 Kilometer vom Brennpunkt des Hochwassergeschehens entfernt, berichtet der Spediteur. Doch die Motorradbruderschaft organisiert auf eigene Faust Hilfe für die Menschen aus den Nachbarorten. Ihnen war das Hilfsangebot aus dem Harz hoch willkommen.

Sechs Stunden Fahrzeit

Daher begaben sich sechs Fahrer um Klaus Borsch mit den drei Lkw am Freitagabend gegen 23 Uhr auf den Weg Richtung Westen. Nach sechs Stunden Fahrzeit plus Pause kamen sie am frühen Morgen wohlbehalten im Rheinland an. Die Sachspenden – Kleidung, Lebensmittel, Hygieneartikel, Spielzeug und vieles mehr – wurden in einer Halle auf dem Privatgrundstück der Motorradfreunde abgeladen.

Diese koordinieren die Abgaben an Hilfebedürftige. „Die ersten Familien sind bereits dort gewesen und haben sich mit dem Nötigen versorgt“, berichtet Klaus Borsch, der sich mit seiner Mannschaft am Sonnabend nach kurzer Pause wieder auf den Heimweg begab. Geholfen hätten die Königshütter Feuerwehr, die Mitarbeiter des eigenen Unternehmens „Bärenstarke Transporte“, die Speditionen Otto aus Benneckenstein und Bursa aus Wernigerode sowie die Kfz-Werkstatt Gebhardt aus Tanne, betont Borsch, der den Fahrern Marcel, Carsten, Martin, Sebastian und Tino dankt.

Nicht weit entfernt, auf der linken Rheinseite, waren zahlreiche Oberharzer Feuerwehrleute im Einsatz, die in der vergangenen Woche mit dem Fachdienst West ins Katastrophengebiet ausgerückt waren (die Volksstimme berichtete).

Bild der Verwüstung

Unter der Leitung von Fachdienstführer Mario Kulp aus Elbingerode waren 86 Feuerwehrleute in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Heimersheim und Heppingen im Einsatz. Hilfe war dort bitter nötig. „Es war ein Bild der Verwüstung“, so Kulp. „Ich mache das seit fast 40 Jahren, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen.“ Unter den Kameraden, die von früh bis spät gearbeitet haben, waren auch Feuerwehrleute aus Benneckenstein und Elbingerode. „Aber der Dank gilt allen Harzer Kameraden“, betont Mario Kulp.

Ein Schwerpunkt der Oberharzer ist die Logistik. „Wir haben zum überwiegenden Teil die Versorgung unserer Einsatzkräfte übernommen“, sagt der Fachdienstführer Logistik, Jost Freystein aus Tanne. Darin arbeiten seit Jahren Feuerwehrleute aus verschiedenen Oberharz-Ortsteilen sowie Kameraden aus Rohrsheim zusammen. „Da weiß jeder, was er zu tun hat. Das passt“, so Freystein. Zehn Logistiker versorgten die Harzer Helfer in den Einsatzorten – auch wenn diese wegen zerstörter Straßen und Brücken mitunter schwer erreichbar waren. Der Wiederaufbau werde lange dauern, so Freystein.

Die Betroffenen vor Ort seien über die Hilfe glücklich gewesen, sagt Feuerwehrmann Steven Pilz. Ihm fehlten die Worte für das Ausmaß der Zerstörung. „Die Menschen dort hat es richtig hart getroffen“, so der Hasselfelder.

Früh morgens kamen die sechs Fahrer in Kretzhaus an. Nach dem Entladen und kurzer Pause ging es zurück.
Früh morgens kamen die sechs Fahrer in Kretzhaus an. Nach dem Entladen und kurzer Pause ging es zurück.
Foto: Klaus Borsch