Benneckenstein l Sie alle engagieren sich ehrenamtlich, sie alle retten Leben und sie alle stecken viel Zeit in die Kinder- und Jugendarbeit. Dennoch gehen die Blaulichtorganisationen im Harz getrennte Wege. Das soll sich nun ändern. Wie genau eine Zusammenarbeit der jeweiligen Jugendabteilungen aussehen kann, wurde beim ersten Arbeitstreffen im Dezember besprochen. Gastgeber war die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Benneckenstein.

Neben der DLRG sind das Technische Hilfswerk (THW), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Malteser Hilfsdienst und die Freiwilligen Feuerwehren (FFW) dabei. Von Elend bis Halberstadt, von Wernigerode bis Ballenstedt sind die Hilfsorganisationen tätig. Trotz der räumlichen Entfernung wollen sie nun gemeinsame Sache machen.

„Die Idee geisterte schon länger herum und ich wusste, dass das THW Quedlinburg auch interessiert ist. Beim Sachsen-Anhalt-Tag bin ich dann einfach rumgegangen und habe auf der Blaulicht-Meile bei den Kreisverbänden nachgefragt und schnell gemerkt, dass alle wollen“, berichtet Lars Meißner von den Anfängen. Der Stadtjugendwart der Oberharz-Stadt hat sich als einer der Initiatoren auch der Organisation verschrieben, hat alle möglichen Verbündeten angeschrieben und zu einem ersten Treffen eingeladen.

Aktionstag für Jugendliche geplant

„Wir waren 18 Teilnehmer. Es waren von fast allen Organisationen Vertreter da, nur wenige haben sich entschuldigt“, freut sich der Feuerwehrmann über den regen Zuspruch. Erste Arbeitsergebnisse liegen auch schon vor: Jährlich soll ein Aktionstag unter dem Motto „Jugend unter Blaulicht“ auf die Beine gestellt werden.

„Erstmal wollen wir das im kleinen Rahmen machen, nur intern für die Hilfsorganisationen. Wir wollen uns gegenseitig bei Mitmachaktionen und Vorführungen unsere Arbeit vorstellen, uns erstmal kennenlernen“, erklärt Lars Meißner. Festgesetzt als erster „Jugend unter Blaulicht“-Tag ist der 27. Juni, Treffpunkt ist der Halberstädter See. „Das Ziel ist es aber, den Tag für Interessierte zu öffnen. Dann soll es ebenfalls Aktionen geben, wir wollen Mitglieder werben und auch dem Landkreis und den Behörden zeigen, was wir leisten.“

Denn obwohl die Mitstreiter ihre Freizeit für das Wohl anderer einsetzen, seien die Wertschätzung und das Verständnis nicht immer da. „Da bekommt man schon mal einen Vogel gezeigt oder wird beschimpft, wenn ein Anwohner nicht zur Arbeit kommt, weil wir den Weg absperren mussten“, berichtet der 39-Jährige von seinen Erfahrungen als Feuerwehrmann. „Wir haben alle einen Haupterwerb und machen das ehrenamtlich, weil wir anderen helfen wollen.“

Unterstützung der Arbeitgeber gefragt

Deshalb seien nicht nur die Mitmenschen, sondern auch die Arbeitgeber gefragt. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die zu Notfällen gerufen werden, müssen von den Arbeitgebern freigestellt werden. Nicht selten sei das ein Problem bei der Jobsuche. „Ich habe zum Glück einen tollen Arbeitgeber, meine Chefin unterstützt mich. Wenn der Alarm losgeht, fragt sie gleich, ob ich nicht los müsse“, lobt Lars Meißner. „Arbeitgeber sollten es als Ehre ansehen, wenn jemand von der Feuerwehr, dem THW oder anderen Blaulicht-Organisationen bei ihm arbeitet.“ Zudem tragen sie durch die Unterstützung dazu bei, Leben zu retten. „Und jeder, der sich unterm Blaulicht engagiert, hat Zusammenhalt gelernt. Es ist eine super Sache für einen Arbeitgeber, wenn er sich einen solchen Teamplayer ins Haus holt.“

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei ein Weg, das Bewusstsein für dieses wichtige Ehrenamt nach Außen zu tragen. Und um die Ehrenamtler von Morgen auszubilden. Allein beim Kreisfeuerwehrverband engagieren sich 1000 Kinder und Jugendliche, zusammen mit den anderen Blaulichtorganisationen im Harz seien es knapp 2000, überschlägt Lars Meißner. „Die Generation heute fragt immer, was sie für ihre Arbeit bekommt. Aber wenn man einmal jemandem geholfen hat, ist das ausreichend Motivation. Wenn man nach einem Autounfall hört, dass die Beteiligten überlebt haben, ist das Lohn genug“, bekräftigt der Feuerwehrmann. Und genau diese Einstellung gelte es, zu vermitteln.

Gefragt seien hier alle Blaulichtorganisationen, eine Zusammenarbeit sei daher sehr sinnvoll. Das nächste Arbeitstreffen steht auch schon kurz bevor. Am 22. Januar sind die Lebensretter beim THW Quedlinburg zu Gast. „Jeder hat im Dezember eine Hausaufgabe bekommen. Welche Station soll angeboten werden, welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es und wie kann die Verpflegung realisiert werden“, zählt der Ehrenamtler auf. An dem Konzept werde, darauf aufbauend, weitergearbeitet.

Langfristig größere Ziele in Zusammenarbeit

Neben dem „Jugend unter Blaulicht“-Aktionstag sollen auch langfristige Ziele besprochen werden. So sei unter anderem ein eigenes Logo angedacht. „Wir wollen auch auf andere Weise von den Fähigkeiten der anderen profitieren. So könnte die DLRG für unsere Kinder Schwimmkurse anbieten, wir Feuerwehren könnten dafür zum Thema Brandschutz informieren“, überlegt der Stadtjugendwart weiter.

Letztendlich wolle man die gemeinsamen Stärken besser verbinden. „Es ist einfach leichter, wenn wir als gebündelte Kraft agieren und nicht jeder für sich selber kämpft“, erklärt der 39-Jährige. „Wir machen alle dasselbe, arbeiten unter Blaulicht. Und jeder hat die gleichen Probleme, weil er Mitglieder sucht.“ Die Treffen sollen zudem dazu beitragen, dass die Hilfsorganisationen die Angst verlieren, sich gegenseitig die Mitglieder abzuwerben. „Wir haben alle eine Blaulicht-Macke. Und wenn sich jemand engagiert, egal in welcher der Organisationen, haben wir doch alles richtig gemacht. Nur gemeinsam sind wir stark.“