Wernigerode l Die Flut von 2017 hat es gezeigt: Wenn es hart auf hart kommt, ist jede helfende Hand ein Segen. Für das nächste Hochwasser ist Wernigerode nun etwas breiter aufgestellt. OB Peter Gaffert (parteilos) hat die Mitglieder der Wasserwehr berufen. Sechs Männer und eine Frau bilden die neue Einsatzgruppe. Geleitet wird sie von Volker Friedrich, Wernigerodes ehemaligem Ordnungsdezernenten.

„Vordringliche Aufgabe“ der Wasserwehr sei es, Flüsse und Bäche im Blick zu haben, und zwar nicht nur wenn Hochwasser droht, sondern das ganze Jahr über, informiert Rathaussprecherin Ariane Hofmann in einer Mitteilung. Ganz konkret bedeutet das: die regelmäßige Überprüfung von Pegelständen und Gefahrenstellen, erläutert Wasserwehr-Chef Volker Friedrich auf Volksstimme-Nachfrage. Solche seien beispielsweise Kruskabrücke, Schöne Ecke und weitere Brücken in Nöschenrode und Hasserode. Darüber hinaus Gewässer zweiter Ordnung wie Sturzbach, Schmuckgraben und Kuhborn/Himmelpforte.

Bei Hochwasserwarnstufe 3 wird es ernst für die Wasserwehr. Dann fährt der mobile Wachdienst der Wasserwehr eine Reihe von Beobachtungsposten ab, meldet die aktuelle Lage an den Krisenstab beziehungsweise an die Feuerwehr. Unterstützung kommt von den sogenannten Pegelbeobachtern, die die Hochwassersituation in ihrem Wohnumfeld überwachen. „Bedarfsweise holen wir Treibgut aus dem Wasser und halten Brückendurchflüsse frei - solange wir es für uns vertreten können“, so Friedrich weiter. Wird es zu gefährlich, kommen Feuerwehr und Bauhof mit entsprechender Technik zum Einsatz.

Domizil der Wasserwehr ist das Feuerwehr-Gerätehaus in Reddeber, wo Auto und Werkzeuge bereitstehen. Künftig sollen dort auch Schulungen und Dienstabende stattfinden. Der erste Termin steht bereits fest. „Am 3. September treffen wir uns zum Dienstabend“, informiert Volker Friedrich. Erste Aufgabe für die Einsatztruppe: „Wir wollen gemeinsam alle Gefahrenstellen abfahren und inspizieren - auch um abzuchecken, wie sie am günstigsten zu erreichen sind.“

Eine Bitte in Sachen Hochwasserschutz kommt von Ordnungsamtschefin Anja Münzberg. „Wir appellieren an die Gewässeranlieger, Gartenabfälle und Rasenmahd nicht in Ufernähe zu lagern oder gar in das Gewässer zu kippen“, so die Amtschefin in einer Pressemitteilung. Die Gewässer könnten sonst am freien Abfluss gehindert werden. „Im Ernstfall kommt es zu Aufstauungen, die auch Überflutungen zur Folgen haben können.“

Hintergrund: Die Einrichtung von Wasserwehren ist gesetzlich vorgeschrieben. Tätig werden müssen die Kommunen, die erfahrungsgemäß von Hochwasser bedroht sind. Bereits im Sommer 2018 hatte der Stadtrat grünes Licht für die Bildung der Einsatztruppe und die erforderliche Satzung gegeben. Seither wurden im Rathaus Organisationsplan und Ausstattung der Wasserwehr vorbereitet.