Wernigerode l Die Anwohner rund um Mönchstieg, Am Auerhahn und Kruskastraße haben Angst – Angst vor der Holtemme und vor der nächsten Flut. Zu wach sind die Erinnerungen an das Hochwasser vom Juli 2017, als das Wasser des Flüsschens über die Straßen und ihre Grundstücke hinein in ihre Häuser strömte. Keller in Hasserode standen metertief unter Wasser, Schlamm ergoss über Fahrbahn und Gärten. Gabionenwände –mit Steinen gefüllte Drahtkörbe – in Ufernähe wurden unterspült und umgerissen.

Drei Schwachstellen begünstigen das Hochwasser in dem Bereich: Die Brücke an der Kruskastraße sitzt zu tief. Bei jedem Hochwasser staut sich hier nicht nur Wasser, sondern auch Sediment und angeschwemmtes Holz. Die Uferbegrenzung ist zu niedrig, kann das Flüsschen ab einem bestimmten Pegelstand nicht mehr fassen. Dazu kommt, dass das Wasser, ist es einmal über das Ufer getreten, nicht schnell wieder abfließen kann und sich zwischen Mönchstieg und Kruskastraße wie in einer Wanne sammelt.

„Hier muss sich etwas tun, und zwar schnell“ - darauf dringen die Anwohner und die Mitglieder der Bürgerinitiative Hochwasserschutz. Bei einem Treffen in der Flut-Gefahrenzone mit Vertretern von Stadt, Kreis und zuständigem Landesbetrieb haben sie ihrer Forderung erneut Ausdruck verliehen.

Bangen und Hoffen im Harz

Harsleben/Derenburg/Wernigerode (dt) l Am Tag nach der Hochwasser-Situation bleibt die Lage in Harsleben bei Halberstadt weiter kritisch. Währenddessen beginnen vierlerorts im Harz, zum Beispiel in Derenburg und Wernigerode, die Aufräumarbeiten nach der Katastrophe.

  • In Harsleben sind beim Hochwasser des Goldbaches Schlauchboote im Einsatz. Foto: Dennis Lotzmann

    In Harsleben sind beim Hochwasser des Goldbaches Schlauchboote im Einsatz. Foto: Dennis Lotzmann

  • Den Einwohnern von Harsleben steht das Wasser bis zur Hüfte. Foto: Dennis Lotzmann

    Den Einwohnern von Harsleben steht das Wasser bis zur Hüfte. Foto: Dennis Lotzmann

  • Der Goldbach überflutet am Donnerstag ganze Grundstücke in Harsleben bei Halberstadt. Foto: Dennis Lotzmann

    Der Goldbach überflutet am Donnerstag ganze Grundstücke in Harsleben bei Halberstadt. F...

  • Einsatzbesprechung in Harsleben mit Gemeindechefin Christel Bischoff (Mitte) und Feuerwehrleuten. Foto: Dennis Lotzmann

    Einsatzbesprechung in Harsleben mit Gemeindechefin Christel Bischoff (Mitte) und Feuerwehrleuten....

  • Dieser Junge beteiligt sich bei den Aufräumarbeiten in Derenburg. Foto: Matthias Strauß

    Dieser Junge beteiligt sich bei den Aufräumarbeiten in Derenburg. Foto: Matthias Strauß

  • Nach dem Dauerregen und dem folgenden Hochwasser im Harz sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange - so wie in Derenburg. Foto: Matthias Strauß

    Nach dem Dauerregen und dem folgenden Hochwasser im Harz sind die Aufräumarbeiten in vollem ...

  • Erst befüllen und dann wieder entladen: Helfer und THW holen den Sand aus den Säcken. Foto: Matthias Strauß

    Erst befüllen und dann wieder entladen: Helfer und THW holen den Sand aus den Säcken. F...

  • In Harsleben musste am Donnerstag noch geschippt werden. Foto: Dennis Lotzmann

    In Harsleben musste am Donnerstag noch geschippt werden. Foto: Dennis Lotzmann

  • Helfer reichen am Donnerstag in Langenstein (Sachsen-Anhalt)  mithilfe einer Menschenkette Sandsäcke weiter. In dem Ort droht ein Hang abzurutschen. Die Sandsäcke sollen den Hang beschweren und stabilisieren. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

    Helfer reichen am Donnerstag in Langenstein (Sachsen-Anhalt) mithilfe einer Menschenkette Sands&...

  • Etwas hilflos aber mit viel Zusammenhalt kämpfen die Menschen am Donnerstag gemeinsam gegen das Hochwasser in Harsleben. Foto: Dennis Lotzmann

    Etwas hilflos aber mit viel Zusammenhalt kämpfen die Menschen am Donnerstag gemeinsam gegen ...

  • Die Wassermassen drückten durch den Hang an der Dorfstraße. Mit Sandsäcken haben Feuerwehrleute und Helfer den Hang und die dortigen Wohnhäuser gesichert. Es besteht die Gefahr, dass der Hang abrutscht. Foto: Jörg Endries

    Die Wassermassen drückten durch den Hang an der Dorfstraße. Mit Sandsäcken haben F...

  • Mensch und Tier mussten am Donnerstag in Harsleben in Sicherheit gebracht werden. Foto: Dennis Lotzmann

    Mensch und Tier mussten am Donnerstag in Harsleben in Sicherheit gebracht werden. Foto: Dennis Lo...

  • Helfer vom THW bringen Sandsäcke zu den Häusern, um das Wasser vorm in die Häuser laufen zu stützen. Foto: Regine Glaß

    Helfer vom THW bringen Sandsäcke zu den Häusern, um das Wasser vorm in die Häuser ...

  • Mitarbeiter der Feuerwehr stellt Straßenschild wieder auf. Foto: Regine Glaß

    Mitarbeiter der Feuerwehr stellt Straßenschild wieder auf. Foto: Regine Glaß

  • Helfer schleppen Sandsäcke durch die Innenstadt. Foto: Regine Glaß

    Helfer schleppen Sandsäcke durch die Innenstadt. Foto: Regine Glaß

  • Nach dem Hochwasser in Wernigerode: Wassermassen haben in der Holtemme ein Wehr samt Fischtreppe weggerissen, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch, die Stützmauer hat sich gesenkt. Foto: Regina Urbat

    Nach dem Hochwasser in Wernigerode: Wassermassen haben in der Holtemme ein Wehr samt Fischtreppe ...

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr laden BigBags in Silstedt ab um einen Deich zu stabilisieren. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr laden BigBags in Silstedt ab um einen Deich zu stabilisieren. ...

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode. Foto: Uta Müller

  • Gemeinsames Aufräumen nach der der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Gemeinsames Aufräumen nach der der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • In Harsleben steht nach dem Hochwasser des Goldbaches immer noch Wasser in den Straßen. Foto: Matthias Strauß

    In Harsleben steht nach dem Hochwasser des Goldbaches immer noch Wasser in den Straßen. Foto...

Beton statt Gabionenwänden

„Die Engstellen sind uns bekannt“, versucht Flussbereichsleiter Christoph Ertl die Wogen zu glätten. Wichtig sei vor allem, dass der „Abflussquerschnitt frei bleibt“, so der Mitarbeiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). Deshalb sei kurz nach der Flut das Flussbecken freigeschnitten worden. Zudem habe der LHW die Planungen für den Wiederaufbau der unterspülten Gabionenwände beauftragt. Diesmal werde nicht auf Gabionen, sondern auf Beton gesetzt. „Wir wollen keine billige Variante, sondern eine Lösung, die lange hält“, so Ertl. Die Planung sei durch. „Jetzt muss nur noch unser Haushalt freigegeben werden.“ Auch für die Verstärkung der Ufermauer entlang der Straße Am Auerhahn gebe es Ideen. Um diese zu erhöhen, sollen an beiden Seiten Bleche angebracht werden.

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Nadelöhr bleibt die Brücke. Für diese ist aber nicht der Landesbetrieb, sondern die Stadt Wernigerode zuständig. Doch die Brücke an der Kruskastraße ist nicht die einzige, die Jörg Völkel Sorgenfalten ins Gesicht treibt. „An der Holtemme sind es drei Brücken, die wir ganz dringend instand setzen müssten“, sagt Wernigerodes Bauamtsleiter. Allein dafür erwarte er Kosten in Millionenhöhe. Im Rathaus werde derzeit an einem Gesamtkonzept für Hochwasserschutz gearbeitet. Ziel sei eine Prioritätenliste, die in Abhängigkeit von den Finanzen abgearbeitet werden soll. „Geld darf dabei kein Gegenargument sein“, so Völkel. Jedoch müsse der Stadtrat zuvor jedes Projekt abnicken. An der Brücke müsse gearbeitet werden. „Das geht aber leider nicht von heute auf morgen.“

Die Anwohner dringen indes auf eine gemeinsame und zeitnahe Lösung. „Es nützt uns nichts, wenn nur die Ufermauer erhöht wird“, sagt Juliane Beese. Auch die Brücke muss erneuert werden. „Hier geht es nicht um Zuständigkeiten, sondern um Zusammenarbeit.“ Die Initiatorin der Bürgerinitiative regte weitere gemeinsamen Treffen in regelmäßigen Abständen an. „Schön wäre es, wenn nächstes Mal ein Ingenieurbüro dabei sein könnte.“