Wernigerode l Der Abriss der Kruskabrücke ist beschlossene Sache. Nur wann genau das Hochwasser-Nadelöhr wegkommt, steht noch nicht fest. Bis die Brücke an der Kruskastraße tatsächlich abgerissen werden kann, sind noch einige bürokratische Hürden zu überwinden. Die Verwaltung habe sofort, nachdem der Stadtrat Anfang Juli grünes Licht für den „schnellstmöglichen“ Abriss gegeben hatte, alle notwendigen Schritte eingeleitet, versichert Rathaussprecher Tobias Kascha. Aber es wird dauern.

Hürde Nummer 1: Bekanntmachung

Der Abriss der Brücke muss angekündigt und ausgelegt werden. Laut Gesetz ist für den Abriss die Einziehung der Straße für die Teilstrecke der Brücke erforderlich. Das heißt, dass Stückchen steht dann nicht mehr als öffentliche Straße zur Verfügung, was eine Bekanntmachung notwendig mache. „Die Ankündigung wird im Amtsblatt für September veröffentlicht“, so der Rathaussprecher.

Hürde Nummer 2: Öffentlichkeitsbeteiligung

Zudem müsse eine drei Monate währende Möglichkeit für Einsprüche eingehalten werden. Das heißt, Träger der öffentlichen Belange und jeder der sich vom geplanten Abriss betroffen fühlt, hat Gelegenheit, seine Einwände vorzubringen, welche dann abgewogen werden. In Vorbereitung dessen sei die Kreisverwaltung als untere Straßenaufsichtsbehörde informiert worden.

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Höchstwahrscheinlich können sich die Mitarbeiter im Rathaus dann auf eine wahre Flut von Einsprüchen einstellen. Das Thema Kruskabrücke hatte in den vergangenen Wochen hohe Wellen geschlagen und eine hitzige öffentliche Diskussion entfacht. Etliche Anwohner hatten protestiert. Mehr als 700 Unterschriften wurden gegen den übereilten Abriss gesammelt. Gleichzeitig wurde eine Ersatzbrücke gefordert, um die Wegebeziehungen im Quartier zu erhalten. Andere Wernigeröder sprachen sich für einen schnellen Abriss aus, um das Viertel künftig vor schweren Überflutungen zu bewahren. Die Brücke selbst sei überflüssig, da es in der Nähe zwei weitere gebe.

Das Problem: Die Brücke sitzt zu tief im Flussbett. Wie sich beim Hochwasser 2017 gezeigt hat, staut sich hier nicht nur Wasser, sondern auch Sediment und angeschwemmtes Holz. Die Uferbegrenzung ist zu niedrig, kann die Holtemme ab einem bestimmten Pegelstand nicht mehr halten. Dazu kommt, dass das Wasser, ist es einmal über das Ufer getreten, nicht schnell wieder abfließen kann und sich zwischen Mönchstieg und Kruskastraße wie in einer Wanne sammelt. Deshalb waren Abriss und der Bau einer deutlich höher liegenden Brücke schon lange Thema. Aber mit den Planungen tat man sich im Rathaus schwer. Der Platz ist begrenzt, eine neue Brücke kostet Geld. Etliche Varianten schieden aus. Weil der Stadtrat aber akuten Handlungsbedarf in Sachen Hochwasserschutz sah, wurde nun erst einmal der schnelle Abriss besiegelt.

Hürde Nummer 3: Genehmigung

Die Stadt braucht eine Genehmigung von der unteren Wasserbehörde des Harzkreises. Bauordnungsrechtlich müsse der Abriss nicht beantragt werden, da die Brücke eine Anlage des öffentlichen Verkehrs sei, informiert Kascha. „Sie ist demnach wie eine Straße zu behandeln.“ Aber die Brücke sei auch eine Anlage am Gewässer. Deshalb sei die Stadt gesetzlich zur Beantragung verpflichtet. Laut Kascha sei inzwischen alles in die Wege geleitet.

Der Antrag sei bereits in Abstimmung mit dem Landkreis Harz als untere Wasserbehörde und dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz eingereicht worden. Die Genehmigung steht derzeit allerdings noch aus. Aufgrund der geltenden Rechtlage seien die nächsten Schritte erst nach Abschluss des laufenden Verfahrens möglich.

Hürde Nummer 4: Baustoffentsorgung

Die Stadt muss vor dem Abriss klären, ob das Material, aus dem die Brücke einst gefertigt wurde, in irgendeiner Weise belastet ist. In dem Zusammenhang gibt es gute Nachrichten. Wie Tobias Kascha informiert, seien bereits drei Bohrkerne aus dem Bauwerk entnommen und auf chemische Belastungen hin untersucht worden. „Das Ergebnis zeigt keine nennenswerten Schadstoffbelastungen“, so der Rathaussprecher. „Besondere Vorkehrungen durch den Abriss und die Entsorgung des Materials sind daher nicht zu erwarten.“

Alternativen für Ersatz geprüft

Parallel zu den Abrissplanungen werden im Rathaus Alternativen für eine Ersatzbrücke geprüft, so Kascha weiter. Der Stadtrat hatte die Verwaltung nämlich gleichzeitig beauftragt, „schnellstmöglich und bis spätestens“ zum 31. März 2021 Vorentwürfe und Kostenschätzungen für eine neue barrierefreie Brücke vorzulegen. Ob dann tatsächlich eine neue Brücke gebaut wird, entscheidet der Stadtrat.