Immaterielles Kulturerbe

Hüttenröder feiern nach Corona-Pause wieder Grasedanz im Harz

Seit gut 130 Jahren übernehmen Frauen zum Grasedanz das Kommando in Hüttenrode. Das Brauchtumsfest wird erstmals mit dem Titel Immaterielles Kulturerbe gefeiert.

Von Holger Manigk
Wer werden ihre Nachfolgerinnen? Als die Hüttenröder 2019 letztmals ihren Grasedanz feiern konnten, wurden  Ann-Kathrin Kadur (links) und Ronja Parth als Hoheiten gekrönt.
Wer werden ihre Nachfolgerinnen? Als die Hüttenröder 2019 letztmals ihren Grasedanz feiern konnten, wurden Ann-Kathrin Kadur (links) und Ronja Parth als Hoheiten gekrönt. Archivfoto: Harzklub-Zweigverein Hüttenrode

Hüttenrode - Schausteller-Familie Richter hat schon Autoscooter, Karussell, Trampolin und Schießbude aufgebaut, das Zelt von Festwirt Rolf Kumpf steht ebenfalls: In Hüttenrode steigt die Vorfreude auf den Grasedanz am Wochenende. Schließlich musste das Dorf zwischen Blankenburg und Rübeland zwei Jahre auf die nächste Auflage des Brauchtumsfestes warten.

Die Corona-Pandemie machte im Sommer 2020 die Austragung des Grasedanzes unmöglich – ausgerechnet in dem Jahr, in dem die nur noch in Hüttenrode und Neuwerk gepflegte Tradition den Sprung auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland schaffte. „Wir freuen uns riesig, dass wir diesen lange ersehnten Erfolg nun feiern können, mit allen Hüttenrödern und vielen Gästen“, sagt Katrin Kunzelmann, die als „Frau Hauptmann“ wieder das Zepter – beziehungsweise die Sichel – schwingt.

Gast aus Magdeburg kündigt sich für Umzug an

Um den Erfolg bei der Deutschen Unesco-Kommission zu würdigen, hat sich für den Festumzug vom Deutschen Haus zum Festplatz in der Meine am Sonntag, 1. August, Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Gunnar Schellenberger (CDU) angekündigt. Darüber informiert Andreas Pawel, Chef des Bergvereins zu Hüttenrode. Der Buchautor hatte die gemeinsame Bewerbung für den Kulturerbe-Titel mit den Neuwerkern mit angeschoben. Wichtige Unterstützung lieferten dabei seine Tochter Claudia Schreiter, Kathrin Pöge-Alder vom Landesheimatbund und Brauchtumsforscher Lutz Wille.

Zum Start in den Grasedanz gibt es am Freitag, 29. Juli, ab 21 Uhr eine Party mit Harz-Beats. Am Sonnabend, 31. Juli, werden um 13 Uhr Birken ausgefahren, bevor DJ Toni Bader für 21 Uhr zur Open-Air-Party lädt. Für die Veranstaltung gilt die 3-G-Regel: Zutritt haben nur Geimpfte, Getestete und Corona-Genesene. Dazu stellt die Apotheke im Nordharz-Center ein Testzelt am Festgelände. „Wer negativ ist, bekommt ein Armbändchen“, erläutert Kunzelmann. Um Zeit am Einlass zu sparen, können sich Besucher bereits vorab zwischen 14 und 17 Uhr an der Apotheke in der Lerchenbreite testen lassen. Die Organisatoren bitten dafür um Anmeldung unter Telefon (0 39 44) 3 69 46 60 oder im Internet.

Grasekönigin und Heuprinzessin gesucht

Die neue Grasekönigin und Heuprinzessin werden am Sonntag, 1. August, um 10 Uhr unter jungen Frauen und Mädchen aus Hüttenrode ausgelost. Die Nachfolgerin von Ann-Katrin Kadur, die das Amt seit 2019 bekleidet, wird um 13 Uhr mit einem Festumzug abgeholt, bevor für 14.30 Uhr zu Kaffee und Kuchen mit dem Spielmannszug Gernrode geladen wird. „Ihnen sind wir genauso dankbar wie dem Spielmannszug Neuwerk, der uns seit Jahren unterstützt“, sagt Katrin Kunzelmann von den Grasedanzfrauen des Harzklub-Zweigvereins Hüttenrode. Um 16 Uhr steht die witzige Heuversteigerung an, ab 20 Uhr spielt Rosi Music zum Tanz auf.

Montag, 2. August, beginnt mit einem musikalischen Frühschoppen mit Harz-Beats. Ein weiterer Festumzug führt um 13 Uhr durch Hüttenrode. Kinder können ab 16 Uhr in der Meine spielen und toben. Den gemütlichen Ausklang im Festzelt begleitet erneut das DJ-Team von Harz-Beats aus dem Blankenburger Ortsteil.