Derenburg l Neue Hoffnung für ein repräsentatives Gebäude in Derenburg. Am Sonnabend, 16. März, wird beim Auktionshaus Karhausen in Berlin die einstige Verwaltung der Elektrizitätsgenossenschaft Elektrizitätswerk Überlandzentrale Derenburg am Harz GmbH versteigert. Laut einer Mitteilung des Auktionshauses wird die Immobilie im freiwilligen Auftrag des privaten Eigentümers dort angeboten.

„Das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus in der Wernigeröder Straße 38 wartet auf einen kreativen Investor“, umschreibt Matthias Knake, Vorstand und leitender Auktionator der Auktionshaus Karhausen AG, die Offerte. Der imposante Bau wurde demnach als Büro- und Verwaltungsgebäude mit Versammlungssaal genutzt. Im Obergeschoss sind zwei Wohnungen vorhanden. Insgesamt verfügt das derzeit leerstehende Objekt über eine Wohn- und Nutzfläche von rund 812 Quadratmetern. Das Mindestgebot für dieses Objekt mit einem über 1500 Quadratmeter großen Grundstück liegt bei 49.000 Euro - zuzüglich Courtage.

Bei dem markanten Gebäude lohnt sich auch ein Blick in die Derenburger Chronik. Wie Hannelore Langer vom Arbeitskreis Stadtgeschichte informierte, reicht die Historie des Hauses bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück. Bereits im Jahr 1900 begann der Müller Friedrich Peters in seiner Wassermühle mit der Elektrizitätserzeugung. Dort, wo sich heute die Glasmanufaktur Derenburg befindet, startete am 25. September 1900 die regelmäßige elektrische Beleuchtung Derenburgs mit 65 Straßenlampen. Am 12. Juli 1907 fand schließlich die Gründungsversammlung der Elektrizitätsgenossenschaft Elektrizitätswerk Überlandzentrale Derenburg am Harz GmbH statt.

Verwaltungsgebäude 1910 bezogen

 „Im August 1907 kaufte die Genossenschaft für die Stromerzeugung die Petersche Wassermühle an der Holtemme und übernahm zugleich die Stromlieferung für die Stadt Derenburg“, heißt es in der Chronik. Laut Hannelore Langer wurde an der Wernigeröder Straße – unmittelbar am Bahnhof – 1909 das Verwaltungsgebäude errichtet und im Frühjahr 1910 bezogen. Später gehörte der Betrieb zur Landeselektrizitäts GmbH Halle und entwickelte sich zu einem leistungsstarken Netzbetreiber mit weit mehr als 100 Beschäftigten. Im Zuge der Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Überlandwerk Derenburg im April 1946 der Verfügungsgewalt des Präsidenten der Provinz Sachsen unterstellt. Mit der Umwandlung der Energieversorgung in Volkseigentum hörte es 1948 ganz auf zu bestehen.

Im Verwaltungsgebäude zog später eine Betriebsberufsschule der Energieversorgung ein. „Die Lehrlinge wurden hier ausgebildet und internatsmäßig untergebracht. Damals entstand auch der heutige Saalanbau“, so die Derenburger Heimatforscherin. Der Anbau diente als Lehrwerkstatt und war mit Maschinen bestückt. Nach der Auflösung des Lehrbetriebs wurde das Gebäude Sitz der Direktion des Volkseigenen Gutes Derenburg. Nach der Wende ging es schließlich in Privatbesitz über.

Der Eigentümer aus Derenburg, der, wie er sagt, aus gesundheitlichen Gründen die ursprünglich geplante Sanierung des Hauses nicht mehr umsetzen könne, habe nun das Angebot des Berliner Auktionshauses zur Versteigerung angenommen.

Besichtigungstermine vor Auktion

Ein ausführliches Exposé erhalten Interessenten beim Auktionshaus. Für Bieter, die nicht persönlich an der Versteigerung teilnehmen können, besteht noch bis zum 7. März die Möglichkeit, einen schriftlichen Bietungsauftrag zu erteilen oder sich als Telefonbieter registrieren zu lassen. Auch Besichtigungstermine können vor der Auktion vereinbart werden.