Wernigerode l Der Wernige­röder Automobilzulieferer MWG Alutec ist in eine Krise geschlittert. Ursache der wirtschaftlichen Schieflage der GmbH sei die Insolvenz eines Hauptkunden, teilt die Geschäftsführung auf Volksstimme-Anfrage mit.  Dieser Abnehmer hätte rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes ausgemacht, die nun fehlten. Für das Unternehmen sei dies ein herber Rückschlag nach der Aufbauarbeit des 2014 eröffneten Eloxalwerkes an Wernigerodes Nordrand.

„Die Anstrengungen, das Unternehmen erfolgreich am Markt zu platzieren, und die Bereitschaft unserer Mitarbeiter, diesen Prozess zu begleiten, waren enorm“, berichtet Geschäftsführer Falko Saalfeld. Umso enttäuschter sei er, dass äußere Einflüsse das Unternehmen in Not gebracht hätten. „Wir werden dennoch weiter zielgerichtet daran arbeiten, den Standort zu erhalten und erfolgreich auf- und auszubauen“, zeigt sich Saalfeld zuversichtlich.

Insolvenzplanverfahren zur Sanierung

Um weiterhin ein zuverlässiger Dienstleister zu bleiben, will sich die Gesellschaft mit einem Insolvenzplanverfahren sanieren, welches den dauerhaften Fortbestand des Unternehmens vorsieht. Für die aktuell 65 Mitarbeiter bestehe derzeit kein Grund zur Sorge. Geschäftsführung und der vorläufige Insolvenzverwalter hätten die Belegschaft bereits auf einer Mitarbeiterversammlung Anfang Oktober informiert.

Beide zeigten sich positiv gestimmt, dass die Sanierung Aussicht auf Erfolg hat: „Der Geschäftsbetrieb läuft ohne Einschränkungen und stabil weiter. Unsere Kunden müssen nicht befürchten, dass Qualität und Quantität unserer Leistungen beeinträchtigt werden“ so Dr. Katja Loderstedt, weitere Geschäftsführerin des Unternehmens.

Mit dem Sanierungsprozess soll die erhebliche Verschuldung der Gesellschaft geordnet und verbindlich abgebaut und diese den aktuellen Umsatzerwartungen angepasst. Der vorläufige Insolvenzverwalter sieht dafür sehr gute Chancen: „Ein Insolvenzplan ist das geeignete Instrument, um die MWG Alutec zu sanieren“, so Diplom-Betriebswirt Heiko Rautmann.

Kunden und Lieferanten stünden zum Bestandteil der MWG-Gruppe. Von den Personalkosten werde die GmbH bis Ende November entlastet. „Es sind fundierte Sanierungsansätze vorhanden. Dies ist eine gute Ausgangslage, um den Prozess erfolgreich gestalten zu können.“ erläutert der Partner der Insolvenzverwaltung Müller & Rautmann mit Sitz in Magdeburg seine Sicht.

Werk für zehn Millionen Euro gebaut

Weitere Unternehmen der mittelständischen Gruppe, die sich seit über 90 Jahren auf die hochwertige Veredlung von Oberflächen spezialisiert hat, seien nicht betroffen, so die Geschäftsführung. Die MWG Alutec GmbH sei ein zentraler Bestandteil der MWG-Gruppe, die neben zwei Standorten in Wernigerode zwei in Osterwieck und einen im pfälzischen Landau betreibt. Das neue Eloxalwerk im Gewerbegebiet Smatvelde kostete rund zehn Millionen Euro. Seit vier Jahren werden dort die Oberflächen von bis zu 8,20 Meter langen Aluminiumbauteilen industriell veredelt.

Zu den Kunden der MWG Alutec GmbH gehören insbesondere Unternehmen aus der Automobilbranche. Zunächst habe es von 2015 bis 2017 ein starkes Wachstum gegeben. Die MWG-Gruppe ist aus dem DDR-Betrieb VEB Galvano sowie der nach der Wende gegründeten Metallveredlung Wernigerode GmbH hervorgegangen und gilt mit insgesamt rund 230 Mitarbeitern als einer der bundesweit größten Oberflächenveredler.