Silstedt l Die Zeit drängt. Bis Ende Oktober müssen die Arbeiten am neuen Sanitärtrakt auf dem Silstedter Sportplatz abgeschlossen sein. Bis dahin muss das Fördergeld vom Land verbaut werden. Das Problem: Es wurde noch nicht einmal begonnen zu bauen.

Für 280 000 Euro soll auf dem Sportplatz des Wernigeröder Ortsteils ein zehn mal zwölf Meter großes Sozialgebäude entstehen – mit vier Umkleiden, zwei Sanitärbereichen mit Duschen und Toiletten - getrennt für Frauen und Männer, Besuchertoiletten sowie Umkleide und Sanitärraum für den Schiedsrichter. Eine Fördergeldzusage liegt vor, lediglich mit der Umsetzung hapert es. Denn trotz mehrfacher Ausschreibung fand sich lange Zeit kein Unternehmen, das das Bauprojekt zu den von der Stadtverwaltung angedachten Konditionen übernehmen wollte.

Im Sommer 2019 seien die Arbeiten zum ersten Mal ausgeschrieben worden, informiert Wernigerodes Rathaussprecher Tobias Kascha auf Volksstimme-Nachfrage. „Die Ausschreibung wurde aufgehoben, weil kein wirtschaftliches Angebot eingegangen war.“ Nur eine Firma hatte sich damals um den Auftrag bemüht. Deren Preisvorstellungen seien aber „extrem überteuert“ und „weit mehr als zehn Prozent“ über den Vorstellungen der Stadt gewesen, hieß es damals aus dem Rathaus.

Nach drei Versuchen Firma gefunden

Daraufhin wurde erneut ausgeschrieben. Um einen größeren Bieterkreis anzusprechen, habe die Stadt die Kalkulations- und Ausführungsfristen verlängert, so Kascha. Ohne Erfolg. Beim dritten Versuch ließ die Stadt den Bietern „ausdrücklich“ Spielräume in der Konstruktion und Ausstattung offen. Auch diese Ausschreibung musste mangels eines wirtschaftlichen Angebotes aufgehoben werden.

Mit dem einzigen Bieter sei dann aber erfolgreich nachverhandelt worden, so Tobias Kascha. Allerdings übersteigen die Kosten für die Modulbauten einschließlich aller Nebenleistungen das vorgegebene Budget um 70.000 bis 80.000 Euro, sagt der Rathaussprecher.

Trotz vorläufiger Haushaltsführung sei der Zuschlag erteilt worden, „so dass die mit langen Lieferzeiten angebotenen Module noch in diesem Monat beauftragt werden können“. Aus welchem Topf die Mehrkosten beglichen werden sollen, werde gerade intern diskutiert.

Viele Mängel am Sportplatzgebäude

Sicherlich sehr zur Erleichterung der Silstedter, die schon seit langem auf ihr neues Sanitärgebäude warten. Erst in der jüngsten Finanzausschusssitzung hatte sich Ortsbürgermeister Karl-Heinz Mänz (CDU) über die ständigen Verzögerungen empört. „Das kann ich in Silstedt keinem mehr verkaufen.“ Die Fördermittelzusage stehe bis zum 31. Oktober. „Ich bitte darum, dass es realisiert wird.“

Die Ungeduld der Silstedter ist durchaus nachvollziehbar. Seit Jahren mahnen die Sportler die Zustände in dem alten Flachbau an. Im gesamten Gebäude gibt es nur einen Gemeinschaftsduschraum mit sechs Duschköpfen, der über den Flur erreichbar ist. Den Umkleiden selbst sind keine Waschräume zugeordnet. Soll heißen: Es können sich entweder nur männliche oder weibliche Sportler umziehen und duschen.

Ein Umstand, der die Nutzungsmöglichkeiten der Sportstätte erheblich einschränkt. Um ein gleichzeitiges Umkleiden von Männern zu vermeiden, wurden die Trainingszeiten gestaffelt. Dazu kommt, dass die Gästekabinen im alten Gebäude viel zu klein sind und der Bereich des Schiedsrichters nicht den Anforderungen der Spielordnung des Landesfußballverbandes entspricht. Auch die drei Gästetoiletten im Außenbereich sind in einem schlechten Zustand.

Bereits 2014 wurden Varianten wie ein kompletter Neubau oder ein moderner Anbau diskutiert. Diese wurden aber wegen zu hoher Kosten wieder verworfen. Stattdessen wurde auf die deutlich günstigere Modulbauweise gesetzt.

Nun aber soll es endlich vorangehen. Es sei geplant, sofort nach Erteilung der Baugenehmigung mit den Arbeiten am Sanitärtrakt zu beginnen und diese bis September 2020 fertig zu stellen, versichert Tobias Kascha.