Wernigerode l Ob die Seilbahn am Schierker Winterberg jemals gebaut werden darf, steht momentan in den Sternen. Das Millionenprojekt, das ein Ganzjahres-Erlebnisareal mit Seilbahn, Spielplatz, Luchs-Erlebniswelt und Skipiste umfasst, hängt weiter an der ersten Hürde fest - dem im Magdeburger Verkehrsministerium geführten Raumordnungsverfahren (ROV). Das seit Sommer 2016 laufende Verfahren liegt aktuell auf Eis, und wird es auch weiter tun.

Das Ministerium hatte das ROV im Juni ruhend gestellt – hauptsächlich deshalb, um Stadt und Investor Gerhard Bürger Zeit zu geben, ergänzende Unterlagen vor der Entscheidungsfindung einzureichen. Die geforderten Nacharbeiten hatten sich aus einem Erörterungstermin im Mai 2019 ergeben. Dort hatten Träger der öffentlichen Belange naturschutzrechtliche Bedenken angemeldet, die es auszuräumen gilt. Für die Realisierung des Projektes müssen etwa 20 Hektar Wald gerodet werden. Dazu kommt, dass die geplante Seilbahntrasse Lebensräume in geschützten FFH-Gebieten (Fauna-Flora-Habitaten) tangiert.

Unterlagen fehlen

Im Oktober hatten Stadt und Investor ihre Nacharbeiten eingereicht. Die Unterlagen wurden im Ministerium inzwischen auf Vollständigkeit geprüft, um im Falle eines positiven Ergebnisses das Raumordnungsverfahren wieder unverzüglich aufzunehmen. Die Prüfung fiel allerdings negativ aus, wie Ministeriumssprecher Peter Mennicke auf Volksstimme-Nachfrage informiert. „Nicht alle der im Erörterungstermin geforderten Unterlagen wurden vorgelegt“, begründet Mennicke.

Es fehle unter anderem der Nachweis über eine Kooperation mit dem niedersächsischen Wander- und Skigebiet am benachbarten Wurmberg. Die Zusammenarbeit gelte als Grundvoraussetzung für die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit des Vorhabens, so der Sprecher. Für die Stadt ist es ein schwieriges Unterfangen, einen solchen Nachweis zu erbringen. Denn bislang war in Braunlage eine Zusammenarbeit in Sachen Winterberg politisch nicht gewollt.

Erhebliche Beeinträchtigungen

Nicht der einzige Mangel: So beanstandet das Ministerium zudem die fehlende fachliche Auseinandersetzung mit der „nicht auszuschließenden erheblichen“ Beeinträchtigung der geschützten Lebensräume.

Für die Stadt Wernigerode kommt das Ergebnis der Prüfung keineswegs überraschend. So wurde seitens der Stadt schon vorab darauf hingewiesen, dass die geäußerten naturschutzfachlichen Bedenken aufgrund ihrer vermeintlichen Unkonkretheit nicht umfassend beantwortet werden können. Mehr noch, Stadt und Investor haben das Ministerium Ende Dezember formal gebeten, das Raumordnungsverfahren auf unbestimmte Zeit ruhend gestellt zu lassen. Wernigerodes Rathaussprecher Tobias Kascha bestätigt das. Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) habe die Stadträte bereits Ende 2019 über die jüngsten Entwicklungen informiert.

Gaffert sucht Dialog

In dem Schreiben an die Stadträte heißt es unter anderem, dass die Beantwortung der Fragenstellungen zur Beeinträchtigung der geschützten Lebensräume problematisch sei. Grund sei die aktuelle Waldentwicklung. Gaffert: „Eine der Voraussetzungen für die Lösung der Zulassungsprobleme des Gesamtvorhabens ist die Klärung, welche Auswirkungen die extremen Veränderungen des Waldzustands der letzten Jahre auf die Lebensraumtypen und deren Erhaltungszustand im FFH-Gebiet haben.“ Zuständig für die Klärung sei das Landesamt für Umweltschutz. Der aktuelle Waldzustand sei bisher aber „nicht in hinreichender Qualität“ aufgenommen und bewertet worden.

Die Stadt Wernigerode ergreift nun – gut ein dreiviertel Jahr nach dem Erörterungstermin und den dort geäußerten Bedenken – die Initiative. Laut Gaffert wolle man die zuständigen Fachbehörden zu einem Gespräch einladen, um eine Einschätzung bitten und diese dokumentieren. „Grundlegende fachliche Fragestellungen und diverse fachliche Einzelfragen“ sollen in einem Dialog mit dem Umweltministerium diskutiert werden.

Hintergrund: Das Wander- und Skigebiet am Schierker Winterberg ist politisch wie naturschutzrechtlich umstritten, unter anderem, weil die geplante Seilbahntrasse geschützte Moorwälder tangiert. Umweltverbände haben bereits Klagen angedroht. Weil auch nach dreieinhalb Jahren kein Ergebnis im Raumordnungsverfahren abzusehen ist, hatten Stadträte zuletzt gefordert, als Stadt eine Deadline zu setzen.