Wernigerode l Applaus brandet auf, als die Musiker die Bühne im Hof der Wernigeröder Jugendherberge betreten. Sie ist eigentlich zu klein für die Stern-Combo Meißen. Die fünf ostdeutschen Artrocker füllen normalerweise größere Hallen. Doch zur 20-Jahr-Feier haben die Mitarbeiter sich und ihren Gästen mit dem Auftritt ein besonderes musikalisches Geschenk beschert. Das passt zu dem Haus in Hasserode, das offiziell als Kultur-Jugendherberge firmiert und zahlreiche Musikgruppen anzieht.

Zwischen 45.000 und 47.000 Übernachtungen werden seit 2012 Jahr für Jahr in der Jugendherberge verzeichnet. Damit ist sie die Herberge mit den höchsten Übernachtungszahlen in ganz Sachsen-Anhalt. „Das Haus hält sich auf sehr hohem Niveau“, lobt Burkhard Fieber, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Jugendherbergswerks.

Einen Eindruck von der großen Konstanz im Haus vermittelt auch eine weitere Zahl: 75 Prozent sind Stammgäste. „Das heißt, man macht nicht so viel falsch“, sagt Fieber und lobt das „gestandene kreative Team“, in dem auch nach 20 Jahren viele „Mitarbeiter der ersten Stunde“ vereint sind. Dass die Zusammenarbeit funktioniere, spiele eine große Rolle für den Erfolg, so der Landesverbandschef. „Das strahlt aus, das merken die Gäste.“

Bilder

Schwerpunkt auf Musikgruppen

Diese gehören vor allem zu Schulklassen und Chören, erklärt der stellvertretende Jugendherbergsleiter Jörg Schlosser. Das liegt auch daran, dass das Haus in Wernigerode seit 2008 Musik- und Kulturjugendherberge ist und seinen Schwerpunkt auf die Betreuung von Musikgruppen legt.

Diese finden im Haus beste Bedingungen vor: Acht Probenräume, die zwischen 43 und 160 Quadratmetern groß sind, stehen zur Verfügung. In einem Saal können Chöre proben. Ein Konzertflügel und ein Klavier stehen bereit, ebenso Mikrofone, Chorpodeste, Bühnen für Innenräume und Auftritte im Freien sowie weitere Ausrüstung. In einem eigenen Tonstudio sind CD-Aufnahmen möglich. All dies wurde 2011 und 2012 im Zuge des Ausbaus des Dachgeschosses im Musikhaus installiert. „Wir sind weltweit die einzige Jugendherberge mit Tonstudio“, sagt Jörg Schlosser stolz.

Für die Ausrichtung der Jugendherberge habe sich schon früh Lutz Meier stark gemacht, so Fieber. Als Leiter habe er von der ersten Stunde an die Jugendherberge geprägt. Dass die Musik im Vordergrund steht, kommt nicht von ungefähr. Der Wernigeröder ist selbst Gitarrist und spielt in der Hausband „Meier & Friends“, die sich als Covergruppe im Harz einen Namen gemacht hat.

Passend zur Herberge

Am Sonnabend mussten die Musiker allerdings auf ihn verzichten. Der Herbergschef blieb krankheitsbedingt der Feier fern, auf die er sich auch wegen der Stargäste sehr gefreut hatte. Als begeisterter Fan der Stern-Combo Meißen hatte er die Band nach Wernigerode geholt. „Ihre Musik halte ich für die beste Ostrockmusik, die es gab und gibt“, schreibt Meier per E-Mail an die Volksstimme. Er selbst hat viele Konzerte der „Pink Floyd des Ostens“ besucht. Ihre Musik habe „etwas Festliches“ und passe hervorragend zur Jugendherberge. Wichtig ist ihm eins: „Ich möchte meinen Mitarbeitern und den Mitgliedern meiner Band ganz herzlich danken.“

Von 1927 datiert der Altbau der Jugendherberge in der Straße Am Eichberg. Von 1986 bis 1989 entstand zusätzlich der Neubau, der als Erholungsheim „Florian Geyer“ der Nationalen Volksarmee fungierte. Nach der Wende hatte die Bundeswehr dort ihr Sozialwerk, bis im Juli 1999 die Jugendherberge einzog. Anfangs verfügte sie über 205 Betten und verzeichnete 4700 Übernachtungen pro Jahr.

In den Jahren darauf stiegen die Übernachtungszahlen – von 2000 bis 2006 auf 41 500. 2006 und 2007 wurden 13 neue Gästezimmer geschaffen und die Zahl der Betten auf 245 erhöht. 26 Prozent der Übernachtungen gehen auf das Konto von Musikgruppen, Tendenz steigend. Doch auch andere nutzen die Herberge, zum Beispiel Wanderer und Eltern mit Kindern. Daher sollen in der Villa künftig neue Familienappartments geschaffen werden. Gut so, sagt Wernigerodes Baudezernent Burkhard Rudo, der für die Stadtverwaltung gratulierte. „Die Tourismusstadt braucht ein breites Spektrum an Angeboten.“ Kommentar