Wernigerode l Seit drei Jahren ist die obere Etage des Jugendhauses Center gesperrt. Wegen erheblicher Brandschutzmängel hatte der Landkreis das Obergeschoss mit Räumen für Gruppen, Schulungen, Bastelaktivitäten und Bandproben dicht gemacht.

Warum - das wird beim Besuch des Wernigeröder Jugendhauses mehr als deutlich. Der einzige Rettungsweg aus dem Obergeschoss nach unten ist eine schmale Holztreppe. Zudem ist die Elektrik, die sich in dem Gebäude zum größten Teil verborgen in der Zwischendecke befindet, dringend überholungsbedürftig. „Das würde heute kein Elektriker mehr so machen“, sagt Stadtjugendpfleger Gernot Eisermann beim Gang durch das Haus.

Fördermittel

Die Probleme sind nicht neu – eigentlich. Schon vor zwei Jahren gab der Stadtrat grünes Licht für Optimierung des Brandschutzes und der Elektrik im Center. 800.000 Euro sollten die Sanierungsarbeiten kosten – bei 90-prozentiger Förderung über das Programm „Soziale Integration“, so hoffte man damals im Wernigeröder Rathaus.

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Seither hat sich nicht viel getan, zumindest baulich nicht. Denn Wernigerode musste eine Absage hinnehmen. Das Förderprogramm sei heiß begehrt gewesen, erläutert Gernot Eisermann. Andere hätten den Zuschlag bekommen, Wernigerode nicht. Also habe man sich wohl oder übel nach einer anderen Geldquelle umsehen müssen.

Geringerer Anteil

Diese wurde im Fördertopf „Soziale Stadt“ gefunden – allerdings mit einem deutlich geringeren Förderanteil als vorher. Nur 328.000 Euro wurden bewilligt. Dazu kommt, dass die Baukosten in den letzten drei Jahren gestiegen sind. Inzwischen wird im Rathaus mit 960.000 Euro kalkuliert. Der Eigenanteil der Stadt erhöht sich damit auf 164.000 Euro. Die restliche Summe soll über Straßenausbaubeiträge finanziert werden, die in den letzten Jahren im Fördergebiet erhoben wurden.

Es muss also ein neuer Stadtratsbeschluss her. In den nächsten Wochen wird die Sanierung des Centers deshalb Thema in den Fachausschüssen sein.

Fluchtweg

Am Bauprojekt selbst hat sich nichts geändert. Die vorhandene Treppe soll als Fluchtweg ertüchtigt werden – eine weitere soll von außen an das Jugendhaus gebaut werden. Das Gebäude braucht außerdem Rauchabzug, eine Brandmelde-, Sicherheitsbeleuchtungs- und Blitzschutzanlage. Das Dachgeschoss muss zudem vollständig entkernt und neu ausgebaut werden. Ebenso müssten Heizung und Elektroinstallationen erneuert werden. Letztere stammen noch aus DDR-Zeiten.

Eisermann hofft auf eine baldige Realisierung – auch wenn die Besucher des Centers während der Bauzeit ins kleinere Nebengebäude ziehen müssen. „Aber wir brauchen das Center.“ Zwischen den Wohngebieten Stadtfeld und Burgbreite gelegen sei es die größte und zentralste Einrichtung der Stadtjugendpflege.

Zwangsschließung

Die Zwangsschließung des Obergeschosses habe sich auf die Besucherzahlen des Centers ausgewirkt, hat Eisermann festgestellt. „Das Center ist zwar sehr groß, aber schon mit drei Cliquen ist es besetzt.“ Und das schrecke andere junge Besucher ab. „Das liegt an der großen Altersspanne unserer Gäste“, sagt der Stadtjugendpfleger. Diese seien zwischen sieben und 27 Jahren alt. „Kinder und Jugendliche haben eben andere Vorstellungen, wie sie ihre Freizeit gestalten. Uns fehlen einfach die Gruppenräume oben.“

Auch durch den Wegfall des Bandproberaums im Obergeschoss seien Besucher weggebrochen. „Wir haben jungen Musiker den Raum früher zur Verfügung gestellt. Technik und Instrumente haben sie selbst mitgebracht.“ Durch das Angebot sei ein völlig anderes Klientel als die üblichen Centerbesucher angelockt worden. „Der Kontakt ist nun abgebrochen“, sagt Eisermann. „Das ist schade.“

Besucherrückgang

„Früher waren wir mal bei täglich 50 Besuchern im Schnitt.“ Inzwischen würden pro Tag etwa 30 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene den Jugendclub besuchen. „Das ist allerdings ein Durchschnittswert“, betont der Stadtjugendpfleger. „Manchmal ist gar nichts los. An manchen Tagen sind es deutlich mehr.“ Viele würden nur sporadisch vorbeischauen. Es sei also von einer weitaus größeren Zahl als 30 Besuchern auszugehen.

Jugendarbeit sei wichtig, ist der Stadtjugendpfleger überzeugt. Für viele Besucher sei der Jugendclub wie ein zweites Wohnzimmer – ein zweites Zuhause.

Vertrauen

Dabei würden Einrichtungen wie das Center nicht nur als Treffpunkt für die Jugendlichen dienen. „Unsere Mitarbeiter sind Vertrauenspersonen für sie, mit denen sie über Probleme reden können“, sagt Eisermann. Die Probleme, mit denen die jungen Leute kommen, seien breit gefächert. „Konflikte zu Hause, Probleme mit den Freunden, bei der Arbeits- und Wohnungssuche – und Sucht“, zählt Eisermann auf.

„Nicht jedes Mal können wir helfen. Aber wir haben ein großes Netzwerk und schauen dann, wen wir wohin vermitteln können.“ Die Mitarbeiter der Stadtjugendpflege müssten deshalb „nah dran“ sein, damit die Jugendlichen sich öffnen – und trotzdem professionelle Distanz wahren.

Die Entscheidung über die Sanierung des Jugendhauses Center fällt in der Sitzung des Stadtrats am Donnerstag, 24. September.