Wernigerode l Wenn gut und gern eine Million Euro in einen Erweiterungsbau fließen, darf dessen offizielle Einweihung auch ein bisschen größer gefeiert werden. So am Jugendwaldheim Drei Annen. Dort ließ das Land Sachsen-Anhalt einen Sozialtrakt anbauen. Der Tag des Waldes am 21. März schien allen Beteiligten angemessen, um das Projekt offiziell einzuweihen. Alle – das sind die bündnisgrüne Umweltministerin Claudia Dalbert, ihr Amtskollege aus dem Verkehrsressort Thomas Webel als Aufsichtsratschef der Lotto-Toto GmbH, Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (beide CDU) sowie diverse Vertreter aus Forstbehörden des Landes. Außerdem Vertreter der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) sowie Mädchen und Jungen aus Kitas, die am Waldfuchs-Pädagogik-Projekt – maßgeblich getragen von der SDW – teilnehmen. Nun aber hat Ministerin Dalbert den Termin platzen lassen, weil zwischen ihr und der SDW tiefe Gräben klaffen.

Anlass für das Zerwürfnis ist ein vom SDW via Facebook geteiltes Video. Darin werden Waldschäden dargestellt, die Orkan „Friederike“ im Januar 2018 auch im Harz verursacht hat. Das Video endet mit einer von „Deinen Förstern“ unterzeichneten Todesanzeige, mit der die Schuld für die Waldschäden mit Dank „dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie“ von Claudia Dalbert zugeschoben werden.

Dieser zynische Seitenhieb hat Dalbert derart verärgert, dass sie den Abteilungsleitern ihres Ministeriums am 18. Februar weitere partnerschaftlichen Kooperationen mit dem SDW untersagt hat. Zumindest, wie Dalberts Sprecherin Jenny Schwarz am Montag gegenüber der Volksstimme präzisiert hat, öffentlichkeitswirksame Termine. Daher, so die Sprecherin, „hat die Ministerin auch den Termin am 21. März abgesagt“.

Programm mit Kindern aus Wernigerode geplatzt

Vor Ort sorgt das für einige Verwunderung und bei den eigentlich beteiligten Partnern für Irritationen. Schließlich, so SDW-Landesgeschäftsführer Robert Klose, seien die Planungen schon weit gediehen gewesen. Die Waldfuchs-Kita-Kinder aus Wernigerode und Schierke sollten ein Programm präsentieren. Dann wollten Brakebusch, Dalbert und Webel das Waldfuchs-Projekt als UN-Projekt auszeichnen. Als Höhepunkt war das Pflanzen einer Flatterulme geplant. Daraus wird jetzt nichts mehr. Weil Dalbert öffentlich wahrnehmbare Kontakte mit SDW-Vertretern verboten hat.

Deshalb hat sie den Termin am 21. März absagen lassen. Am 1. März wurde SDW-Geschäftsführer Robert Klose vom Landeszentrum Wald in Halberstadt per Mail mitgeteilt, dass „eine Zusammenarbeit mit der SDW auf dienstlicher Ebene nicht erwünscht ist. Das Personal des Jugendwaldheims steht dementsprechend nicht für die geplante Veranstaltung zur Verfügung.“ Und weiter: „Im Betreuungsforstamt Harz werden Jugendwaldheime nicht vermietet.“ Konsequenz: Die Halberstädter stellten der SDW den Stuhl vor die Tür.

Womöglich notgedrungen. Denn eigentlich, heißt es in unteren Abteilungen und Forstbehörden des Landeszentrums Wald, sei die Zusammenarbeit mit dem SDW in vielen Jahren gewachsen und gut. Was SDW-Chef Klose bestätigt.

Deshalb, ließ Ministerin Dalbert nach ihrem öffentlichen Bruch mit dem SDW wissen, werde die Kooperation bei pädagogischen Projekten wie den Waldfüchsen fortgesetzt. Soll heißen: Während auf oberster Ebene diplomatische Eiszeit herrscht und jegliche Kontakte auf Biegen und Brechen vermieden werden, wird vorausgesetzt, dass die Kooperation an der Basis weitergeht.

Rätselraten im Harz über Verhalten

„Wir wissen“, kommentiert das Robert Klose, „auch nicht so ganz, wie das funktionieren soll“. Schließlich zögen hier die SDW und örtliche Förster an einem Strang – und das eben oft im Beisein der Presse.

Dalberts Sprecherin Jenny Schwarz kann darin keinen Widerspruch erkennen. Die SDW sei bei waldpädagogischen Projekten seit Jahren ein akzeptierter Partner – „diese Arbeit muss natürlich weiterlaufen. Die Waldpädagogik ist völlig außer Frage.“ Außerdem, so Jenny Schwarz, sei nicht das von SDW verbreitete Video das Problem, sondern die Traueranzeige.“

Doch warum löscht die SDW das Video nicht einfach? Quasi als Zeichen der Kompromissbereitschaft. Auch Robert Klose räumt ein, dass man auf die Todesanzeige hätte verzichten können. Letztlich sei das vom Holzimpulszentrum (HIZ) in Rottleberode (Kreis Mansfeld-Südharz) erstellte Video auch als Kritik an Dalberts Plänen, im Forstbereich zu verstehen. Angesichts der immensen Schäden jetzt umstrukturieren zu wollen, sei der falsche Weg.

Strei um Veröffentlichungsdatum

Letztlich sei das Video ein alter Hut, so Klose. Es werde seit August 2018 verbreitet. Was HIZ-Geschäftsführer Christian Schiffner bestätigt: „Das Video gibt es seit Juli 2018, es wurde zigfach geklickt – es jetzt als Vorwand zu nutzen, um die Kooperation mit der SDW zu kippen, ist schon schwierig.“ Zumal er Informationen habe, wonach das Video dem Ministerium seit Herbst 2018 bekannt sei. Das stimme nicht, kontert Schwarz. Es sei am 14. Februar erstmals von der SDW auf Facebook hochgeladen worden. Da habe die Ministerin reagiert.

Wie auch immer. Im Harz sorgt die diplomatische Eiszeit für skurrile Bilder: Ministerin Dalbert hat den Einweihungstermin am Jugendwaldheim mal eben eine Woche vorgezogen. Sie reist morgen an, der Termin findet ohne Kinder statt – quasi Eröffnung im XS-Format. Die SDW hat derweil umgeschwenkt. Die zum Tag des Waldes geplante Veranstaltung findet nun am 21. März an der Jagdhütte am Försterplatz am Armeleuteberg in Wernigerode statt. Mit Minister Webel, Landtagspräsidentin, Kindern, Urkunden und Spendenscheck.