Tierschutz

Kleiner Luchs im Harz wiegt nur sechs Kilo

Ein kleiner Luchs, der in Heimburg für Aufregung gesorgt hat, ist eingefangen. Unklar ist, ob eine zweite Katze durch das Harzdorf streift.

Heimburg l Die Halter von Hühnern, Ziegen und Kaninchen in Heimburg können wohl erst einmal aufatmen. Der kleine Luchs, der in der vergangenen Woche eine junge Ziege verletzt und darüber hinaus vermutlich auch mehrere Hühner gerissen hatte, ist am Mittwochabend, 27. Januar, eingefangen worden. Er war gegen 19 Uhr in die extra dafür aufgestellte Falle getappt, wie Ole Anders informierte. „Gegen 22 Uhr haben wir das Tier verladen und eine Blutprobe gezogen“, erläuterte der Koordinator des Luchsprojektes der Harzer Nationalparkverwaltung.

Bei dem Jungtier handelt es sich demnach um ein Weibchen. Allerdings haben sich auch die Vermutungen des Luchs-Experten bestätigt: „Es ist ein ganz winziges Tier. Es wiegt gerade einmal sech Kilogramm“, erklärte Anders. Normalerweise müsste ein Luchs in diesem Alter - etwa acht Monate - locker das doppelte auf die Waage bringen. Bereits nach den ersten Sichtungen hatte Anders vermutet, dass das Tier wohl ums Überleben kämpft und auf der Suche nach Futter eben den schützenden Wald verlässt und Hühnerställe und Katzennäpfe im Ort aufsucht, um etwas zu fressen zu finden.

Aufgrund des geringen Gewichts sei es auch schwer eine Prognose zu stellen, ob das Tier wieder aufgepäppelt werden kann. „Wir hatten schon einmal ein Tier mit einem solch geringen Gewicht. Das hat es nie wieder aufgeholt. Es ist immer so mager geblieben. Andere hatten sogar schon Organschäden“, berichtet Anders über weitere Fälle verwaister Luchse.

Am Donnerstag, 28. Januar, hat seine Kollegin das eingefangene Tier erst einmal in die Wildtier- und Artenschutzstation nach Sachsenhagen bei Hannover gebracht, wo es nun versorgt wird. „Wir hoffen, dass wir nächste Woche nähere Infos haben, wie es um den Luchs bestellt ist.“ Wenn es gut laufe, so Ole Anders, könnte die kleine Luchsin später in die „Dreier-WG“ aufgenommen werden, wie er das Gehege für die drei Luchs-Waisen nennt, die im Sommer vergangenen Jahres im Harz gefunden und seither in der Wildtier-Station aufgepäppelt werden.

Unklar ist derweil noch, ob in Heimburg tatsächlich noch ein zweiter Jungluchs unterwegs ist. Dafür gebe es aktuell keine gesicherten Hinweise. „Das werden wir aber weiter beobachten“, kündigt Ole Anders an, der nach seinem Einsatz in Heimburg gleich noch nach Schierke weiterfahren konnte. Dort war am Donnerstagmorgen ein totes Stück Rotwild entdeckt worden. „Ich werde erstmal einen Blick darauf werfen, ob es tatsächlich von einem Luchs gerissen wurde, um nicht die Gerüchteküche weiter anzuheizen“, so Anders.