Charity-Auktion

Kleiner Olm trifft großen Olm

Ein Wernigeröder hat bei einer Charity-Auktion von Hans-Werner Olm ein Herz ersteigert. Der Komiker soll die Rübeländer Olme besuchen.

Von Regina Urbat

Wernigerode l Es klingt wie ein Märchen. Markus Mende und Thomas Schult – die Chefs der Rübeländer Tropfsteinhöhlen – reiben sich die Augen und sagen beeindruckt: „Ist das ein schönes Herz.“ Das große knallrote Herz aus Gips hat Nils Appelt, Geschäftsführer der PSFU Wernigerode GmbH, gemeinsam mit seiner Ehefrau Katja den Leitern des Tourismusbetriebes Oberharz als Ausstellungsstück übergeben. Das Besondere: Das überdimensionale, originelle Objekt wurde gestaltet, bemalt und signiert vom Kabarettisten, Schauspieler und Musiker Hans Werner Olm – und es wurde für einen guten Zweck über die Auktion von United Charity versteigert.

Nils und Katja Appelt freuen sich, dass ihr „gutes Stück“ so großen Anklang findet. „Wir haben in diesem Jahr auf Weihnachtspräsente für Kunden und Geschäftspartner verzichtet und uns für diese Aktion entschieden“, sagt Nils Appelt. Er hätte das Herz auch in der Firma aufstellen können, doch sich bewusst für die Höhlen entscheiden. Der 45-Jährige: „Die Idee stammt aber von Anke Duda.“

Mit der Inhaberin des Büros für Kommunikationsdesign Tasha Bynz arbeitet der Wernigeröder Unternehmer regelmäßig zusammen. Anke Duda selbst befasst sich seit einigen Monaten thematisch mit den Höhlen in Rübeland und deren tierischen Bewohnern. So steht der Grottenolm, von denen sieben in der Hermannshöhle leben und die einzigen in Deutschland sind, im Fokus ihres Vermarktungskonzepts. Die Grafikerin und Illustratorin Sabine Riemenschneider, mit der Anke Duda seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitet, fertigte Zeichnungen für Postkarten an, auf denen der „Olmich“ herzlich grüßt. „Ich kannte den Olm vorher nur als ein Tier, dass in einem Glas mit Formalin eingelegt ist“, so die Grafikerin. Durch die Zusammenarbeit mit den Höhlen habe sie von der Einzigartigkeit der „ganz merkwürdigen Tiere“ erfahren.

Bei einer Recherche im Internet unter dem Suchbegriff „Olm“ tauchte nicht nur die Amphibie auf, sondern auch das Kunst-Herz des 61-jährigen Künstlers. „Es leuchtete mir in Knallrot auf dem Bildschirm entgegen“, erinnert sich Anke Duda. Spontan sei ihre mutige Idee geboren, eine Strategie zu erarbeiten, um das Herz in die Höhlen nach Rübeland zu holen. „Ich war regelrecht verbissen in diese Chance, damit der Grottenolm, der auf der Artenschutzliste steht, mehr Aufmerksamkeit bekommt“, so die Wernigeröder Designerin.

Sie erzählte Nils Appelt von ihrem Vorhaben, der sofort bereit war, dieses Herz zu ersteigern. Zum einem, weil das Spendengeld eins zu eins der Kinderkrebshilfe zugute kommt, zum anderen, weil eine touristische Einrichtung im finanziell gebeutelten Oberharz Nutznießer sein kann. „Die Hermanns- und Baumannshöhle sind mir seit Kindertagen bekannt. Beide Tropfsteinhöhlen haben mich wegen ihrer Historie und ihrer uneingeschränkten Präsenz immer interessiert.“

Gesagt, getan, die Teilnahme an der europaweiten Versteigerungsaktion von United Charity, bei der es übrigens sehr ausgefallene Angebote von Prominenten gibt, wurde gestartet - die Aufregung stieg. Mit 2200 Euro war das Familienunternehmen PSFU, das knapp 100 Mitarbeiter im Bereich Automobilzulieferindustrie beschäftigt, dabei. Die Freude über den Zuschlag und somit gelungenen Feldzug war bei allen riesig. „Es ist für alle eine Win-Win-Situation“, sagt Nils Appelt. Anke Duda fügt hinzu: „Dass ein Verein für krebskranke Kinder das Geld bekommt, steigert die Freude über den Erfolg unseres wagemutigen Weges und ist vielleicht die eigentliche Freude.“

Und wer den QR-Code, der groß auf dem Herzen steht, bedient, wird zu einem Song von Hans Werner Olm nebst weiblicher Begleitung geführt und spürt, wie das Herz höher schlägt, sagt Thomas Schult. Er und sein Kollege Markus Mende seien begeistert vom Objekt des Prominenten, das zunächst in der Baumannshöhle steht und ab 1. Mai, wenn die Hermannshöhle wieder öffnet, dorthin – zur Heimstätte der Grottenolme – wechselt. Mit der Übergabe des Herzens ist das „Märchen“ aber noch nicht zu Ende.

Die Höhlen-Chefs waren nicht tatenlos und haben Hans Werner Olm für eine Veranstaltung in Rübeland gewinnen können. „Es sieht gut aus, dass er im Sommer 2017 kommt“, sagt Markus Mende. Der Künstler habe sogar zugesagt, mit einem Extra-Olm-Kabarettprogramm im Goethesaal der Baumannshöhle aufzutreten. „Prima, dann trifft der kleine Olm den großen und Hans Werner wird womöglich noch Pate“, sagt Nils Appelt.