Blankenburg l Es ist ein faszinierender Anblick: Auf einem beleuchteten Fußboden, der den Eindruck einer türkisfarbenen Lagune vermittelt, werden auf Knopfdruck drei Wasserräder in Gang gesetzt. Die Eichenräder treiben lederne Blasebälge an, die eine Orgel mit 64 Pfeifen zum Klingen bringen - gesteuert von einer großen Stiftwalze. Zur Melodie des von Peter Philips 1615 bearbeiteten Madrigals „Chi farà fed‘al cielo“ setzt sich wie von Geisterhand eine Nymphenfigur in Bewegung. Die in einer Muschel sitzende und von zwei Delfinen gezogene Galatea wird über einen Kettenantrieb in einem Wasserbecken hin- und hergezogen. Die gesamte Konstruktion stammt ursprünglich von Salomon de Caus (1576-1626), einem französischen Ingenieur und Gartenarchitekten, dem es aufgrund des ausbrechenden 30-jährigen Krieges nicht vergönnt war, seine Musikmaschine jemals in Aktion zu erleben.

In diesen Genuss kamen dafür am Dienstag Dutzende geladene Gäste im Kloster Michaelstein. Nach zehnjähriger Pause durften sie dort erstmals wieder die Musikmaschine erleben. Und das in einem eigens für dieses Wunderwerk der Technik geschaffene Gebäude, in das außerdem eine multimediale Ausstellung eingebaut worden war.

Christian Philipsen, Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, erinnerte in seiner Begrüßung an die lange Zwangspause. Zehn Jahre lang war die Musikmaschine nicht in Betrieb, nachdem sie wegen des Neubaus der Musikscheune in ein Depot ausgelagert worden war. Und dies hatte ihr doch mehr zugesetzt als erwartet. So mussten die Wasserräder aus Eichenholz von Denkmalpflegern aufbereitet, die Nymphenfigur restauriert und die Orgel überarbeitet werden. Hinzu kam der Neubau eines Pavillons, in dem die Maschine nun in moderner Form präsentiert werden kann.

Informationen über Entstehung und Erfinder

Ute Omonsky war es vorbehalten, den Premierenbesuchern die neue Ausstellung zu präsentieren. So werden die Gäste von einer Personenstele zu Salomon de Caus empfangen, der sich zu Lebzeiten als Experte für hydraulische Konstruktionen in ganz Europa einen Namen gemacht hatte. Zwei Ausstellungstafeln informieren über seine Idee zur Musikmaschine, deren Entstehungsgeschichte und ihre Rekonstruktion an der Technischen Hochschule Aachen 1998. Als Vorlage diente einzig de Caus` Buch „Von Gewaltsamen Bewegungen. Beschreibung etlicher, so wol nutzlichen alß auch lustigen Machinen“ von 1615.

Ein Film, der auf Knopfdruck eingeschaltet werden kann, lässt den Besuchern die Maschine außerhalb des Führungsbetriebs in Funktion erleben. Über eine Medienstation werden außerdem die einzelnen Teile im wahrsten Sinn näher beleuchtet sowie mit Texten, Bildern und Simulationen erläutert. Ein besonders Highlight für die Musikkenner: Sie können sich das Originalwerk anhören, das von der Orgel gespielt wird - und zwar in einer Einspielung des Kammerchors Michaelstein.

Diese Neupräsentation der Musikmaschine ist am Sonntag, 7. April, erstmals öffentlich zugänglich. Es werden um 11, 13 und 15 Uhr Vorführungen angeboten. Bis Oktober wird die Galatea dann jeden ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr in Bewegung gesetzt.