Hüttenrode l Der Grasedanz im Harz ist gemeinsam mit dem Birkenblattblasen und dem Questenfest für die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen worden. Wie das Landesverwaltungsamt mitteilte, wurde damit dem Votum der von der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur eingesetzten Expertenkommission gefolgt. Die Vorschläge werden nun von der Deutschen Unesco-Kommission zur Aufnahme in die Bundesliste geprüft. Der Minister für Kultur, Rainer Robra (CDU), und die Vertreter der Expertenkommission seien davon überzeugt, dass die drei Bewerbungen im bundesweiten Vergleich gute Chancen haben, in die Bundesliste aufgenommen zu werden.

Die Expertenkommission mit Susanne Kopp Sievers, Geschäftsführerin des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt, Dr. Annette Schneider-Reinhardt, Geschäftsführerin des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt und Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus, hätten grundsätzlich nicht die Qualität der vorgelegten Anträge bewertet. Die Kommission prüfte nach inhaltlichen und formalen Aspekten, ob und inwiefern die Bewerbungen die Vorgaben der Deutschen Unesco-Kommission erfüllen, heißt es.

Über diese Nachrichten aus Magdeburg freute sich besonders Andreas Pawel, der gemeinsam mit seiner Tochter Claudia und Christine-Luise Pust aus Neuwerk die Initiative ergriffen und sich für den Grasedanz stark gemacht hat. „Wir haben damit eine erste große Hürde genommen“, so der Vorsitzende des Bergvereins zu Hüttenrode, der als „Berghauptmann“ eine besondere Beziehung zum Grasedanz pflegt und in seiner „Hüttenröder Edition“ gemeinsam mit Christine Kinsky und Günther Stöckicht sogar ein Büchlein darüber herausgebracht hat.

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Frauen begründeten Harzer Brauch

„Laut alten Chroniken ist dieses Brauchtumsfest allein von Frauen ins Leben gerufen worden, was seinerzeit eigentlich ein Unding gewesen sein muss“, erklärt Andreas Pawel. „Im 19. Jahrhundert war es unerhört, ein eigenständiges Fest mit ausschließlichem Frauenrecht in einer männerdominierten Welt zu initiieren.“

Dass es hier trotzdem geschah, erklärt sich aus der besonderen wirtschaftlichen Situation damals in den Harzdörfern: „Seit Jahrhunderten hing dort alles am Eisenerz. Das war der Grund für die Besiedlung. Davon lebte die Region. Als der Herzog 1869 seinen Bergwerks- und Hüttenbesitz an einen Investor verkaufte, war es mit dem Jahrhunderte alten Eigenlehner-Bergbau schlagartig vorbei. Somit auch die Erwerbsmöglichkeit für den männlichen Bevölkerungsteil.“ Die neugegründete bergbautreibende Aktiengesellschaft „Harzer Werke“ stellte diese arbeitslosen Männer als Bergmänner ein. Aber nun waren sie Lohnarbeiter, die bis zu zwölf Stunden in den Bergrevieren arbeiten mussten.

Fest als Ausgleich zu Plackerei

Die Ehefrauen waren nun mit Haus und Hof, Kindern und kleinen Landwirtschaften nahezu auf sich allein gestellt. „Sie, die jetzt den Laden allein zu schmeißen gezwungen waren, begehrten auf. Als gerechten Ausgleich ihrer Plackerei nahmen sie sich das Recht heraus, ein eigenes Fest zu feiern. In Neuwerk und Hüttenrode tun sie das bis heute“, erläutert Andreas Pawel.

„Mit der Empfehlung der sachsen-anhaltischen Expertenkommission bekommt dieses bergbauinduzierte, einzigartige Frauenfest die lange überfällige, verdiente Würdigung. Darauf kann unsere Region wahrlich stolz sein“, erklärte er.

zum Nachlesen: „Traditionen, Tanz und Trachten. Das Buch zum Hüttenröder Grasedanz.“ ASIN: B00M29B0FG