Wernigerode l Das Papier ist gewellt, ist noch feucht von der frischen Farbe. Bild an Bild ist an die Tafel gepinnt. Die Mädchen und Jungen beäugen kritisch ihre eigenen Werke. „Das hier ist toll“, sagt Korvin Reich und deutet auf eines der nigelnagelneuen Kunstwerke. „Das sind abstrakte Farbimpressionen. Ich finde es super, wie du mit den Farben experimentiert hast.“ Für jedes der Gemälde hat der Künstler einige Worte übrig. Meist lobende Worte, weil er die Fantasie und die Ausdauer der Kinder schätzt. Oftmals hat er auch Tipps parat.

Die Bildbesprechung ist das kleine Ritual am Ende jeder Malstunde im Kinderatelier Harz. Zwischen 10 und 15 Mädchen und Jungen kommen einmal wöchentlich in den Kunsthof in Wernigerode, um sich kreativ mit Pinsel, Farben, Stiften und Zeichenkohle zu betätigen. Angeleitet werden die Kinder seit einem guten Jahr von Korvin Reich. Der Niedersachse, der seit einiger Zeit in Wernigerode lebt und arbeitet, hat das Zepter von Karl Oppermann übernommen. Der bekannte Harzer Maler stand den jungen Besuchern des Kinderateliers über zehn Jahre lang mit Rat und Tat zur Seite.

Gegründet wurde der Verein Kinderatelier Harz 2007, um interessierten Mädchen und Jungen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten und ihnen einen Zugang zur Kunst zu ermöglichen. Ohne Leistungsdruck und strenge Bewertung, wie Oppermann immer wieder gern betont. „Wir wollen keine Meister kreieren.“ Es gehe um der Freude am Malen und Zeichnen. „In fröhlicher Atmosphäre“, so Karl Oppermann, der sich im vergangenen Jahr aus Altersgründen zurück gezogen hat. „Mit dem Herzen bin ich aber immer noch dabei“, sagt der Künstler.

Bilder

Einspannte Atmosphäre mit Kakao und Keksen

Wie einst Karl Oppermann macht auch dem neuen Leiter Korvin Reich die Arbeit mit den Kindern viel Spaß. Für ihn sei es immer wieder beeindruckend, „mit wieviel Kraft, Aktivität und Freude sie ihre Werke schaffen“. Die Schüler könnten hier im Atelier alles ausprobieren, ihrer Fantasie freien Lauf lassen. „Und es ist toll zu sehen, wie unterschiedlich jedes Kind die Dinge umsetzt.“ Korvin Reich betreut die Kinder übrigens nicht allein. Brigitte Bartels ist die gute Seele im Kinderatelier. Die Rentnerin hilft nicht nur wo sie kann, sie versorgt die jungen Künstler auch mit Kakao und Keksen.

Das Künstleratelier Harz hat sich längst zu einer Institution für kreativ interessierte Schüler entwickelt. Und das ist auch den Mitgliedern der Wernigeröder Stadtwerkestiftung nicht verborgen geblieben. In dieser Woche statteten sie Korvin Reich und seinen Schützlingen einen Besuch ab – und hatten dabei eine Überraschung dabei: einen Scheck über 450 Euro. Für die Stiftung sei es „eine Selbstverständlichkeit gewesen“, das Künstleratelier zu unterstützen, so Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), gleichzeitig Chef der Stadtwerkestiftung. „Hier werden Kinder an Kunst und Kultur herangeführt.“ Aufgabe der Stiftung sei es, solche Ansinnen zu fördern. Das Geld haben die Vereinsmitglieder schon verplant. Es soll ein Satz Wechselrahmen angeschafft werden, um die Werke der jungen Künstler in Zukunft angemessen präsentieren zu können.