Wernigerode l Der Goldene Bär bei der Berlinale – für viele Filmemacher kommt diese Ehrung einem Ritterschlag gleich. Für Florian Fischer und Johannes Krell ist dieser Traum wahr geworden. Die Jury kürte ihr Werk „Umbra“ bei dem Filmfestival in Berlin zum besten Kurzfilm.

Seither ist das Duo in aller Munde. Interview-Anfragen kommen aus der ganzen Welt. Was viele nicht wissen: Die beiden Filmemacher fühlen sich dem Harz und vor allem Wernigerode verbunden. Und nicht nur das. Ein wichtiger Teil ihres 20-minütigen Streifens entstand auf dem Brocken.

Nun ist „Umbra“ kein herkömmlicher Film mit Handlung und Schauspielern. Vielmehr ist „Umbra“ eine Aneinanderreihung von Naturaufnahmen. „Eine filmische Meditation über die An- und Abwesenheit der Dinge“, heißt es in der Beschreibung des Films. „Flirrendes Licht, das Rauschen der Blätter, kreisrunde Lichtflecken im Schatten eines Baumes. Die Sonne spiegelt sich im Wasser, sie ist Teil und Gegenüber. Betrachtet die Natur sich selbst?“

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Drehorte im Harz und in Oregon

Material und Inspiration fanden die beiden Filmemacher unter anderem in Oregon (USA) und im Harz. Im Herbst 2017 mieteten sie sich im Brocken-Hotel ein. Ihre Hoffnung: das Brockengespenst auf Film zu bannen. Jenes Lichtphänomen, das sich zeigt, wenn sich ein menschlicher Schatten durch den Wind auf einer Nebelwand bewegt. Goethe hatte das Wetterphänomen einst beschrieben und ihm den Namen Brockengespenst gegeben.

Die Erscheinung ist äußerst selten. Der Betrachter muss sich zwischen der aufgehenden Sonne und der Nebelwand befinden. Krell und Fischer wollten sich nicht auf den Zufall verlassen, hatten für ihren Dreh Nebelmaschine und eine Lampe dabei. Dennoch sei es schwierig gewesen. „Wir waren zwei Tage oben“, erinnert sich Johannes Krell im Volksstimme-Gespräch. „Am ersten Tag war wunderbares Wetter. Keine Wolke in Sicht. Und mit der Nebelmaschine hat es nicht funktioniert.“ Um vier Uhr in der Nacht änderte sich das Wetter. „Langsam erschien eine Nebelwand. Durch unsere Lampe haben wir ein echtes Brockengespenst gesehen . Das war überraschend. Wir hatten Glück.“

Nicht das erste Mal, dass Krell und Fischer im Harz drehen. „Umbra“ ist der letzte Teil einer Trilogie. Die Bilder für „Still Life“ entstanden am Blauen See bei Hüttenrode. „Kaltes Tal“ wurde nahe eines Kalkwerks im Oberharz gefilmt.

Harzer Mythen faszinieren Filmemacher

Nicht nur die Natur des Harzes hat es den Filmemachern angetan. „Ich habe bis 2017 als Dozent an der Hochschule Harz gearbeitet“, sagt Florian Fischer, gebürtiger Tübinger. Dadurch habe er noch viele Kontakte in die Region. Was ihn besonders fasziniere, seien die Mythen, die sich um den Harz ranken. „Das ist spannend.“

Johannes Krell stammt aus Halle. „Mein Opa hatte ein Häuschen an der Steinernen Renne in Wernigerode.“ Als Kind sei er oft hier zu Besuch gewesen. Die Aufstiege zum Brocken seien „prägend“ gewesen. „Prägend für unsere Arbeit und für die Auseinandersetzung mit dem Begriff Natur.“

Der Harz mit dem Brocken sei sehr besonders. „Man kann ihn nicht mit anderen Gebieten vergleichen“, sagt Krell. 310 Nebeltage im Jahr – „Das ist für Europa sehr speziell.“ Die Wahrscheinlichkeit, bei Dreharbeiten auf Nebel zu treffen, sei auf dem Brocken am wahrscheinlichsten. „Deshalb war für uns klar, dass wir das weltweit als Brockengespenst bekannte Phänomen dort filmen müssen“, sagt Florian Fischer.

Der Film „Umbra“ ist demnächst auf diversen Festivals zu sehen.