Wernigerode l Ernüchterung und Enttäuschung beim Fußballverein in Hasserode: Die Tribüne des FC Einheit Wernigerode wird abgerissen. Zwar gehören Paukenschläge und frenetische Anfeuerungsgesänge im Stadion an der Mannsbergstraße vom Balkon aus längt der Vergangenheit an, doch Vereinspitze und einige Fans hängen an ihrem „Schmuckkästchen“ oder – um in der Fußballsprache zu bleiben – an ihrem zwölften Mann. „Ich bin nach wie vor der Meinung, die Tribüne sollte bleiben“, sagt Einheit-Präsident Helmut Homann. Vor gut 40 Jahren sind die überdachten Ränge, auf denen 500 Zuschauer Platz haben, gebaut worden. „Wird die Tribüne erst einmal abgerissen, bekommen wir so schnell kein neue wieder“, so Homann.

Für seine Enttäuschung hat Andreas Heinrich Verständnis. Der zuständige Dezernent im Wernigeröder Rathaus sieht aber keine andere Lösung. „Sicher ist das Bauwerk einst mit gutem Stahl errichtet worden.“ Aber das im Mai vorgelegte Gutachten eines Statikers habe klar und deutlich auf Mängel hingewiesen, „die mit gewöhnlichen Reparaturen nicht behoben werden können“. An zahlreichen Trägern seien Verschleißerscheinungen registriert worden. Außerdem würden die Betonfundamente nicht mehr den heutigen Vorschriften gerecht werden. „Sie sind abgängig“, zitiert Heinrich aus dem Gutachten, was soviel bedeutet wie, sie sind nicht mehr standfest. Im Volksstimme-Gespräch nennt der Dezernent entscheidende Gründe für den Abriss.

Sanierung nicht möglich

Eine Sanierung bedeutet Bauen. Rechtlich ist das schwierig, weil bislang nur ein Pachtvertrag mit dem Grundstückseigentümer besteht. Bekanntlich ragen die Sitzränge mehrere Meter auf ein benachbartes Grundstück. „Wir müssten als Eigentümer der Tribüne also eine andere rechtliche Regelung mit dem Nachbarn finden, um zu bauen“, so Heinrich. Zum anderen habe der Grundstückseigentümer im Juni erneut den Pachtvertrag gekündigt und den Rückbau gefordert.

Den ersten Vorstoß seiner Kündigung hatte die Stadtverwaltung per Gerichtsentscheid gewonnen, mit der Auflage, die Statik überprüfen zu lassen. „Wir haben die neue Kündigung diesmal sofort anerkannt.“ Die Chancen, noch einmal den Prozess zu gewinnen, seien wegen des Statik-Gutachtens gering.

Abbriss erfolgt noch 2016

Also kommt die Tribüne, die seit Mai gesperrt ist, nun ganz weg. Ein Planer wurde bereits beauftragt, „damit der Abriss samt Herrichtung des gepachteten Grundstücks in den Originalzustand noch in diesem Jahr erfolgen kann. Laut Volksstimme-Informationen fordert dies der Eigentümer. „Das ist auch sein gutes Recht“, sagt Heinrich.

Da die Stadtverwaltung wusste, dass Handlungsbedarf bei der Tribüne besteht, wurde Geld eingeplant. Rund 100 000 Euro sollen es sein. Noch nicht abzuschätzen ist, wie teuer der fachgerechte Abriss wird, zumal das Dach mit Asbestplatten gedeckt ist. „Dennoch wollen wir die Traversen entlang der Tribünenseite im gleichen Zug erneuern. Sie haben es nötig“, sagt Heinrich. Ob dann später Zuschauerränge überdacht werden, sprich, eine neue, kleine Tribüne entsteht, „das ist noch völlig offen“.

Würde der FC Einheit, der das Mannsberg-Stadion als Pächter betreibt, auf die Abrissarbeiten gern verzichten, fiebert der Verein einer anderen Baustelle regelrecht entgegen. Für rund 1,3 Millionen Euro soll ein neues Funktionsgebäude an der Rosa-Luxemburg-Straße für die gut 300 Mitglieder entstehen. Die Förderung vom Land über 900 000 Euro ist längst bewilligt. Die Stadt hat zugesagt, sich mit 300 000 Euro zu beteiligen. Die restlichen rund 100 000 Euro müssen die Fußballer stemmen. Der Bauplan für das neue Vereinsheim liegt noch immer im Landesverwaltungsamt zur Prüfung. Von dort gibt es nichts Neues.