Kult-Band Keimzeit begeisterte 350Gäste

Marstall besteht auch Pop-Taufe

Im Marstall haben die Musiker von Keimzeit zweieinhalb Stunden vor ausverkauftem Haus gespielt. Vom Vorbereitungsmarathon des Popkonzertes ahnte das Publikum nichts. Volksstimme hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Von Julia Bruns

Wernigerode l Keimzeit hat im Wernigeröder Marstall rund 350Besucher begeistert. Die Kult-Band um die Brüder Leisegang spielte zweieinhalb Stunden lang Hits wie "Kling Klang" und "Irrenhaus", aber auch neue Songs ihres aktuellen Albums "Kolumbus". Die Rocker feiern in diesem Jahr ihr 30.Bühnenjubiläum - und Wernigerode durfte auf dem Tournee-Plan nicht fehlen. Die Gäste, die auch aus Kassel, Göttingen, Braunschweig und Berlin angereist waren, haben ein Konzert voller Stimmung erlebt, dabei jedoch nichts von den Mühen, die in der Planung stecken, geahnt.

Rückblick: Bereits um 9Uhr beginnen Mitarbeiter einer Veranstaltungsagentur am Sonnabendmorgen etwa 400Stühle aus dem Saal zu tragen - das Keimzeit-Konzert ist die erste Steh-Veranstaltung im Marstall überhaupt. Auch Rainer Hochmuth von der Wernigerode Tourismus GmbH (WTG), die die Veranstaltungen in dem jüngst eröffneten Konzertsaal am Lustgarten managt, ist vor Ort. Er dreht die Heizungen in den Künstlergarderoben auf, stellt Getränke für die Musiker bereit, die er am Tag zuvor selbst eingekauft hat. Nicht nur das Publikum, auch die Männer von Keimzeit haben Durst. Er bringt Beleuchtung auf dem Parkplatz an. Abends, wenn die Besucher eintreffen, ist es dort sonst stockfinster. "Im kommenden Jahr muss eine dauerhafte Lösung gefunden werden", sagt er.

Dann der Bühnenaufbau. Für Veranstaltungstechniker Sebastian Berretz geht jetzt die Arbeit los. Aus insgesamt vier Transportern verladen er und neun weitere Mitarbeiter technisches Equipment und Bühnenteile, bauen im Saal alles zusammen. Nachmittags rücken die Keimzeit-Musiker für den Sound-Check an. Neben der Stammbesetzung sind der Jazz-Trompeter Sebastian Piskorz und zwei weitere Blechbläser dabei. Um 18Uhr wird die Bar mit Getränken und Snacks gefüllt. 19Uhr ist Einlass. Eingefleischte Fans positionieren sich in der ersten Reihe. 20.10Uhr der erste Titel. Nach fünf Zugaben endet der Abend gegen 23Uhr im Marstall. Die Bühne wird noch in der Nacht wieder abgebaut und verladen - ein langer Tag für diese Mitarbeiter geht gegen 1Uhr morgens zu Ende.

"Anfang der 1990er haben wir Keimzeit zum ersten Mal mit dem Kulturverein Art(i)schock(e) nach Wernigerode geholt", erinnert sich Rainer Hochmuth. Damals stand für die Musiker noch Bier statt Mineralwasser auf der Bühne. "Und nach den Konzerten haben wir noch bis morgens zusammen gesessen", sagt er und lacht. "Man kennt, schätzt und mag sich", so Hochmuth.

Als Angestellter der Stadtverwaltung hat er von 1991 bis 2011 zahlreiche Veranstaltungen vorbereitet. Im Dezember 2011 wechselte er in die WTG. Künstler wie Comedian Olaf Schubert, Ex-Genesis-Frontmann Ray Wilson und Schlagerstar Micky Krause hat Hochmuth während seiner Arbeit kennengelernt. "Irgendwann kommt die Routine", so der Hobby-Musiker. "Aber es macht immer wieder Spaß, wenn das Publikum und die Künstler zufrieden sind." Und das waren sie am Sonnabend.