Quedlinburg l Die Würfel für die strukturelle Neuausrichtung des kommunalen Harzklinikums mit den Standorten Quedlinburg, Wernigerode und Blankenburg sind gefallen: Demnach werden künftig die Traumatologie (Unfallheilkunde) und die Orthopädie in Quedlinburg sowie die Kinderheilkunde am Klinikum Wernigerode konzentriert. Erklärtes Ziel sei es dabei, die bereits bestehenden Behandlungszentren zu stärken und spezialisierte Mitarbeiter sowie Medizintechnik am jeweiligen Standort zu konzentrieren, um letztlich auch qualitativ bessere Angebote machen zu können, so Kliniksprecher Tom Koch.

Spezielle Wege werden künftig mit der Frauenklinik beschritten. Für die bislang in Quedlinburg und Wernigerode bestehende Fachklinik peilt der Aufsichtsrat eine Zweiteilung an: Während die Geburtshilfe perspektivisch ausschließlich in Wernigerode angesiedelt sein soll, sind gynäkologische Operationen vorrangig in Quedlinburg geplant.

Besagte Zweiteilung beweist, dass bei der abschließenden Entscheidungsfindung auch Sichtweisen und Positionen der Klinikärzte eingeflossen sind. Darauf hatte zuvor auch Landrat Thomas Balcerowski orientiert: Die im Herbst von externen Gutachtern präsentierten Vorschläge zur künftigen Klinikstruktur seien Empfehlungen – letztlich müssten auch die Meinungen der Klinikärzte als Praktiker vor Ort berücksichtigt werden, so der CDU-Politiker.

Geburtshilfe in Wernigerode

Abweichend vom Gutachtervorschlag, der eine Konzentration der Frauenklinik in Wernigerode vorsah, gibt es diesen Komplettwechsel von Quedlinburg nach Wernigerode nicht. Stattdessen sollen stationäre gynäkologische Operationen in Quedlinburg und die Geburtshilfe in Wernigerode konzentriert werden. Dort werde künftig auch das Brustzentrum Harz seinen Sitz haben, so Kliniksprecher Koch weiter.

„Im derzeit errichteten Klinikneubau in Wernigerode sind ein Mutter-Kind-Zentrum mit modernen Kreißsälen in unmittelbarer Nähe zur Neonatologie, der Intensivstation für Früh- und Neugeborene, und eine noch stärker familienorientierte Wochenstation geplant“, skizziert Tom Koch die Pläne. In der Geburtshilfe werde künftig ein höherer Bedarf in der Betreuung von Risikoschwangerschaften erwartet. Mit dem Aufbau einer zentralen Geburtsstation in Wernigerode werde dieser Entwicklung Rechnung getragen.

Zudem gebe es mit Blick auf die angepeilte Zweiteilung der Frauenklinik eine zeitliche Befristung: In drei Jahren solle diese Struktur hinsichtlich des OP-Bereichs in Quedlinburg erneut auf den Prüfstand, um nötigenfalls hinsichtlich einer Konzentration in Wernigerode nachzujustieren.

Ambulante Angebote an beiden Standorten

Laut Beschluss sollen in allen medizinischen Bereichen, die jetzt neu geordnet und an einem Standort konzentriert werden, stets ambulante Angebote auch am jeweils anderen Standort etabliert oder erweitert werden. Soll heißen: Neben dem traumatologischen Fachbereich am Hauptstandort Quedlinburg sollen auch künftig in Wernigerode Patienten traumatologisch erstversorgt werden. Analog werde es eine Notfallbehandlung in der Kinderheilkunde auch in Quedlinburg weiterhin geben.

Landrat Balcerowski hatte nicht zuletzt mit Blick auf die Kostenentwicklung am kommunal getragenen Harzklinikum auf grundsätzliche Weichenstellungen gedrungen, um das Klinikum in solidem Fahrwasser zu halten. „Wir haben jetzt, mit diesem Ziel vor Augen, einen richtigen Beschluss gefasst – für bestmögliche Medizin an unserem kommunalen Harzklinikum“, so Balcerowski.

Bereits in der Vergangenheit hatte das Klinikum konzentriert, um Doppelstrukturen zu vermeiden. So waren die psychiatrischen Fachkliniken Blankenburg und Ballenstedt in Blankenburg konzentriert worden. Die jetzigen Strukturentscheidungen sollen nach Kochs Worten schnellstmöglich umgesetzt werden.