Bauprojekt

Nesseltal: 3500 Tonnen Bauschutt aus alter Gartenanlage in Wernigerode geholt

Nicht wiederzuerkennen ist die einstige Gartenanlage im Nesseltal. Dort, wo früher Blumen wuchsen, liegen jetzt Schuttberge. Bis August soll das Gelände komplett geräumt sein.

Von Ivonne Sielaff
Bäume, Lauben, Beete und Blumen sind weg – nichts erinnert mehr daran, dass hier im Hasseröder Nesseltal  einst Kleingärtner ihrem liebsten Hobby nachgingen. Nach Vorstellung der Stadtverwaltung soll hier Wohnraum entstehen.
Bäume, Lauben, Beete und Blumen sind weg – nichts erinnert mehr daran, dass hier im Hasseröder Nesseltal einst Kleingärtner ihrem liebsten Hobby nachgingen. Nach Vorstellung der Stadtverwaltung soll hier Wohnraum entstehen. Foto: Ivonne Sielaff

Wernigerode - Die einstige Gartenanlage im Nesseltal gleicht momentan einem Trümmerfeld. So gut wie alle Bäume und Sträucher sind verschwunden. Schutt und Steine liegen in großen Haufen auf dem Gelände. Seit Anfang 2021 lässt die Stadt die leerstehenden Parzellen zwischen dem Schmiedeberg und dem Langen Stieg räumen – „eine der größten Umweltschutzmaßnahmen in Wernigerode der letzten Jahre“, so Baudezernent Immo Kramer.

52 Tonnen Asbest, 33 Tonnen Teerabfälle, 3500 Tonnen Ziegel, Beton und Fliesen und vieles mehr seien bei den Abbrucharbeiten bisher geborgen worden. „Das hat schon deponieartigen Charakter“, so Kramer. Auf dem 40.000 Quadratmeter großen Gelände hätten sich 58 verlassene Gartenlauben, 14 Schuppen, diverse Schächte, Brunnen und Sammelgrube befunden.

Ende 2020 hatten die letzten Pächter ihre Gärten aufgegeben. Die Stadtverwaltung hatte die Pachtverträge zum 31. Dezember gekündigt. Auf der freiwerdenden Fläche soll künftig Platz für neuen Wohnraum geschaffen werden, so der Plan der Stadt.

Vandalismus in verlassenen Gärten

Doch zuerst stand die Räumung an – aus Gründen der Gefahrenabwehr, wie man im Wernigeröder Rathaus begründete. Der leerstehenden Lauben seien immer wieder aufgebrochen, Gartenzäune entwendet worden. Unbekannte hätten illegal ihren Müll auf dem Gelände entsorgt. Zudem hätten Obdachlose in den Gartenhäuschen gehaust. Dazu noch die Wildschweine, die sich vor einigen Jahren in der Anlage eingenistet hatten. Da die Stadt verkehrssicherungspflichtig sei, müsse sie handeln.

Im Januar rückten deshalb Arbeiter mit schwerem Gerät an, um in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde zuerst Gehölze zu kappen. Die Rodungs- und Fällarbeiten sorgten in der Nachbarschaft und unter Naturschützern für heftige Verärgerung. Als „radikales Plattmachen“ wurde die Aktion der Stadt kritisiert. Gesunde Bäume seien dem Raupenbagger zum Opfer gefallen, kritisierten die Naturfreunde aufgebracht. Tiere würden aus dem Winterschlaf gerissen, Nistplätze zunichte gemacht, hieß es damals.

Im April startete die Stadtverwaltung dann eine „Bestandsanalyse der Amphibien“ auf dem Gelände. Rund um die verlassene Gartenanlage wurden Krötenzäune aufgestellt. Die Tiere wurden eingesammelt, gezählt und an den Teich am Burghotel gebracht. Zur Laich- und Paarungszeit machen sich für gewöhnlich zahlreiche Kröten aus der Gartenanlage und dem angrenzenden Wald auf den Weg zu ihren Laichgewässern auf. Wie viele Tiere genau nach den Rodungsarbeiten noch unterwegs waren, sollte die Krötenzählung ans Licht bringen.

Nur 300 Kröten gezählt

Diese sei inzwischen abgeschlossen, informiert Dezernent Immo Kramer auf Volksstimme-Nachfrage. Dabei seien „überraschend wenig“ Tiere erfasst worden. „Gezählt worden etwa 300 Kröten in einem Zeitraum von einem Monat während der Wanderbewegung im April.“

Was dann folgte, war der Abriss sämtlicher Aufbauten und die Entsorgung des anfallenden Materials. Die Arbeiten laufen noch und dauern voraussichtlich bis Juli/August an, so Kramer. Und die Arbeiten kosten Geld. Allerdings könnten erst nach dem Abschluss konkrete Angaben über die Kosten der Räumaktion gemacht werden, so Kramer. Er rechne in etwa mit unter 10 Euro pro Quadratmeter – also maximal 400.000 Euro. Nach aktuellem Kenntnisstand würden die Ausgaben den städtischen Haushalt nicht sprengen. „Die vorhandenen Haushaltsmittel reichen aus“, sagt Kramer.

Und wie geht es nun weiter im Nesseltal? Aktuell werden erste Konzeptionen zur zukünftigen Nutzung erarbeitet, so der Dezernent. Die Vorschläge der Initiative „Parents for future“ würden dabei „maßgeblich“ mit einfließen. Detlef Rothert, sachkundiger Einwohner für die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen, hatte bei der Juni-Sitzung des Stadtrats bereits darüber informiert, dass die Initiative zusammen mit der Fraktion einen Entwurf für die Nachnutzung der Gartenanlage entworfen habe. „Das werden wir in den nächsten Wochen in einem gemeinsamen Auftaktgespräch erörtern“, kündigt Kramer an.

Bis es dann tatsächlich zu einer Bebauung des brachliegenden Geländes kommt, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. „Mit Blick auf das notwendige Bauleitverfahren ist mit einem gültigen B-Plan frühestens 2023 zu rechnen“, sagt der Dezernent. Bis dahin soll die einstige Gartenanlage aber frei zugänglich für Spaziergänger sein. Zudem ist vorgesehen, Schafe auf der Fläche weiden zu lassen. Dafür werde dann befristet ein Stromzaun aufgestellt.

Das sind die Reste alter Gartenlauben und anderer Aufbauten in der einstigen Gartenanlage im Hasseröder Nesseltal.
Das sind die Reste alter Gartenlauben und anderer Aufbauten in der einstigen Gartenanlage im Hasseröder Nesseltal.
Foto: Ivonne Sielaff