Rübeland l Den Kampf um ein Tempolimit vor der Rübeländer Kita haben Ortschaftsrat und Elternschaft zum wiederholten Mal verloren. Dennoch hat sich ihr Einsatz gelohnt. Bei einem Vor-Ort-Termin kam Andrea Klein vom Ordnungsamt des Landkreises Harz den Stadtvertretern entgegen. Ihr Angebot: „Wir können auf beiden Seiten ein Schild ‚Achtung Kinder‘ aufstellen, mit dem Zusatzschild ‚Kita‘. Dadurch bekommt der Verkehrsteilnehmer ein Zeichen, hier besonders vorsichtig zu fahren.“

Für Dietmar Wiekert (FW-Hö-Rü) ist dies zumindest ein Anfang. Denn ginge es nach dem Rübeländer Ortsbürgermeister, müsste in dem Abschnitt der Blankenburger Straße ein Tempolimit auf 30 Kilometer pro Stunde eingerichtet werden. Im besten Fall sogar entlang der gesamten Ortslage.

Rechtslage sieht keine Tempodrosselung vor

Doch dafür sieht Andrea Klein keine rechtliche Grundlage. „Wir halten uns an einen Erlass der Landesregierung, laut dem die Geschwindigkeit nur begrenzt werden kann, wenn der Haupteingang der Kita direkt an der Straßenseite liegt“, erklärt sie. Doch dies sei hier nicht der Fall. Die Eltern halten auf dem nebenliegenden Parkplatz und bringen ihre Kinder an der Seite auf das Gelände. Deshalb, so Klein, sei bereits der Antrag der Stadt im Jahr 2018 abgelehnt worden. An der Sachlage habe sich nichts geändert, ein erneuter Antrag würde ebenfalls scheitern.

„Die 50 Kilometer pro Stunde sind normale Ortsgeschwindigkeit. Die Straße ist gut ausgebaut, ebenso der breite Gehweg. Es sind hier optimale Bedingungen“, begründet sie weiterhin. Als zusätzliches Argument führt sie die Daten der vierwöchigen Geschwindigkeitsmessung im Mai und Juni an. „Die Auswertung zeigt, dass es kaum Verstöße gab“, betont Klein.

Doch genau das sieht Wiekert kritisch. „So lange die Kiste hing, haben sie sich dran gehalten. Danach ging es wieder los“, beschreibt er aus seinem Gefühl heraus. Roland Krebs, Ordnungsamtsleiter der Oberharz-Stadt, kann das nicht bestätigen. „Auch während einer viertägigen Dunkelschaltung haben sich die Verkehrsteilnehmer überwiegend an die Geschwindigkeit gehalten“, erinnert er.

Spendensammlung für Kauf einer Messtafel

„Sie können gern eine solche Tafel anbringen. Dagegen ist nichts einzuwenden, das steht ihnen frei“, regt Andrea Klein vom Ordnungsamt des Kreises an. Zirka 3000 Euro würde die Technik kosten. „Wenn sie das aufbringen können, können sie das tun.“ Rübelands Ortsbürgermeister Dietmar Wiekert ist von der Idee angetan. „Ich werde mich mit der Kitaleitung besprechen, damit wir zusehen, dass wir so eine Tafel bekommen. Wir sammeln Spenden oder finden Sponsoren“, zeigt er sich zuversichtlich.

Gelöst davon sichert Andrea Klein eine schnelle Umsetzung ihres anfänglichen Vorschlags zu. Die Anordnung werde sie sofort fertigen. „Im besten Fall stehen die Schilder in der nächsten Woche“, ergänzt Marcus Franke von der Autobahn- und Straßenmeisterei Wernigerode. Sofern dies die Personallage hergebe. Entsprechende Achtungsschilder müsste er noch auf Lager haben, lediglich das Zusatzschild könnte mit zeitlichem Verzug angebracht werden, da es erst bestellt werden müsse.

Weitere Problemstellen im Ort angesprochen

Ortsbürgermeister Wiekert nutzte den Termin mit den Fachleuten und Entscheidungsträgern, um zwei weitere Problemstellen im Verkehrsgeschehen zu besprechen und nach Lösungen zu suchen. Ein Dorn im Auge ist ihm die Einfahrt zum Kalkwerk an der Kastanienallee. „Wenn die Lkw dort abbiegen wollen und stehen bleiben, werden sie sehr oft von Motorrad- und Autofahrern überholt“, beschreibt er seine Beobachtungen. Vor allem bei gleichzeitig ausfahrendem Verkehr sowie durch die nötige Ausschwenkbewegung der Lkw auf die Gegenfahrspur sei dies gefährlich.

Bedarf für ein Hinweisschild oder gar ein Überholverbot sieht Andrea Klein hier allerdings nicht. Die Sichtverhältnisse seien gegeben und zusätzliche Einschränkungen würden das Fehlverhalten uneinsichtiger Menschen nicht ändern. „Wir können nicht alles überreglementieren und überall Schilder aufstellen. Ich kann hier nur auf die Vernunft der Verkehrsteilnehmer hoffen“, sagt sie.

Mögliche Änderungen ist reine Spekulation

Einen zweiten Schwerpunkt sieht Wiekert in dem Kreuzungsbereich der Blankenburger Straße (B27) und Hasselfelder Straße (L96). Er bemängelt die geänderte Vorfahrtsregelung. Bevor die Blankenburger Straße als Bundesstraße ausgewiesen wurde, hätten von der und auf die L96 abbiegende Fahrzeuge Vorrang gehabt. Nun würden diese aufgrund fehlender Sicht auf den Schienen stehen bleiben und unterhalb der Schranke auf die Weiterfahrt warten.

„Wir werden das auf jeden Fall prüfen. Dazu möchte ich jedoch auch Rücksprache mit den Planern der Landesstraßenbaubehörde halten. Sie werden für die Verkehrsführung ihre Gründe gehabt haben“, ordnet Andrea Klein ein. Zudem steht laut Marcus Franke von der Autobahn- und Straßenmeisterei Wernigerode noch die im Mai coronabedingt entfallene Verkehrszählung an der Kreuzung aus. Die letzten Basiszahlen seien fünf Jahre alt. Wie belastet der Verkehrsknoten wirklich ist, könne erst mit der Zählung im kommenden Jahr beziffert werden.

Klein bittet daher um Geduld. Ob in dem Fall eine Änderung überhaupt nötig und auch realisierbar ist, sei ohne diese Fakten reine Spekulation.