Drübeck l Im Sommer 2017 ist alles anders. Ohne Regenschirm sollte man das Haus nicht verlassen. Und wenn es mal einen längeren Sonnenabschnitt gibt, dann ist er meist mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit verbunden. Was zum Beispiel Asthmatiker leiden lässt, das freut die Pilze. Denn letztere finden ideale Wachstumsbedingungen vor. Das behauptet jedenfalls der Drübecker Pilzsachverständige Manfred Schult. Und der muss es wissen, schließlich ist er seit über 50 Jahren in diesem Ehrenamt tätig.

Schult kennt nicht nur so gut wie jeden Pilz, er führt auch akribisch Buch über sein Ehrenamt. „In diesem Jahr steuere ich einen neuen Beratungsrekord an, denn bis Mitte August waren fast so viele Menschen zur Beratung bei mir wie in den vergangenen Jahren in der gesamten Saison“, sagt Schult. 113 Menschen haben in diesem Jahr bereits die Beratungstelle in Drübeck aufgesucht, im ganzen Jahr 2015 waren es 115, im Vorjahr wegen der langen Trockenheit nur 90 Hilfesuchende.

Essbare Pilze

Das Repertoire an essbaren Pilzen bezieht sich zurzeit je nach Boden vor allem auf Maronen, Steinpilze, Ziegenlippen und Birkenpilze. Schult: „Viele Pilze des ersten Schubs sind aber schon stark madig oder verschimmelt. Die sollten auf jeden Fall stehengelassen werden.“ Die häufigsten zurzeit vorkommenden Giftpilze sind der Karbolegerling, der dem Wiesenchampignon sehr ähnlich sieht, und der Schönfußröhrling. Beide erzeugen nach Verzehr Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Verwechslungsgefahr erzeugt Übelkeit

Die meisten Funde der beim ihm anfragenden Ratsuchenden muss Manfred Schult allerdings vom Gallenröhrling befreien. Dieser sieht dem Steinpilz sehr ähnlich, hat aber ein sehr auffälliges und optisch ausgeprägtes Netz an seinem Stiel. Der Pilz ist nicht giftig, kann wegen seines bitteren Geschmacks aber bereits in kleinen Dosen die leckerste Mahlzeit zunichte machen. Nicht selten, dass der ach so stolz gefüllte Pilzkorb nach dem Besuch beim Fachmann nur noch halb so voll ist. Aber dafür kann man die Mahlzeit dann in Ruhe genießen und braucht hinterher keine Befürchtungen haben. Übrigens: In die Pfanne gehört daheim nur, was der Pilzsucher tatsächlich kennt und was wirklich lecker und ungiftig ist. Denn leider vergeht auch kaum ein Jahr, in dem Manfred Schult nicht aus Krankenhäusern der Region angerufen und um Rat gefragt wird, weil sich die Ärzte mit einem Patienten mit Pilzvergiftung beschäftigen.

Respekt vor Waldfrüchten

Aber so weit muss es nicht kommen. Wer sich nicht sicher ist, sollte einen Pilzsachverständigen aufsuchen. Eine komplette Liste dieser Fachleute dazu steht auf der Seite des Landkreises Harz im Internet.

Und der Pilzfachmann hat noch eine Bitte: Auch Nicht-Pilzsucher sollten den bunten Waldfrüchten mit Respekt begegnen. „Pilze sind ein Stück des ökologischen Gleichgewichts und nicht wenige Pilze, die für Menschen giftig oder ungenießbar sind, dienen Waldtieren als Nahrung“, sagt Schult.