Verkehr

Planungen für Wernigerodes Ortsumfahrung mit Tunnel durch den Fenstermacherberg verzögern sich

Von Ivonne Sielaff
Eine Ortsumfahrung samt Tunnel (Symbolbild) durch den Fenstermacherberg könnte Wernigerode vom Schwerlastverkehr befreien. Seit 2017 wird an dem Millionenprojekt geplant. Die Vorplanungen könnten im Februar 2022 abgeschlossen sein.
Eine Ortsumfahrung samt Tunnel (Symbolbild) durch den Fenstermacherberg könnte Wernigerode vom Schwerlastverkehr befreien. Seit 2017 wird an dem Millionenprojekt geplant. Die Vorplanungen könnten im Februar 2022 abgeschlossen sein. Martin Schutt/dpa

Wernigerode

Es ist ein Mammutprojekt – der Tunnel durch den Fenstermacherberg. Er gilt als Kernstück der Ortsumfahrung zwischen A36 und B 244, die Wernigerode vom Schwerlastverkehr befreien soll.

Bis der Tunnel tatsächlich gebaut wird, werden noch Jahre ins Land gehen. Dennoch: Seit das 93-Millionen-Euro-Bauvorhaben es 2016 in den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans geschafft hat, hat sich einiges getan.

Seit 2017 wird die Ortsumfahrung unter Federführung der Landesstraßenverkehrsbehörde (LSBB) geplant. Drei mögliche Trassen vom Nöschenröder Ortsteingang in Richtung A 36 wurden erarbeitet und untersucht. Nun liegen erste Ergebnisse dieser Untersuchungen vor.

Unter anderem fanden Vorerkundungen der geologischen Gegebenheiten statt. „Nach derzeitigem Erkenntnisstand lässt sich einschätzen, dass der überwiegende Teil des Tunnels voraussichtlich in gesteinsfesten Schichten aus Grauwacken, Siltschiefern und Tonschiefern zum Liegen kommt“, heißt es auf Nachfrage von LSBB-Regionalbereichsleiter Michael Schanz. Gegebenheiten, die „vergleichsweise gut“ zu beherrschen seien. Schwierigkeiten könnten dagegen das nördliche Tunnelportal bereiten.

Probleme durch geologische Störung

Laut Schanz befindet es sich im Bereich der sogenannten Harznordrandverwerfung, einer geologischen Störungszone. „Hier ist mit aufwendigeren bautechnischen Maßnahmen zu rechnen, um die Standsicherheit des Tunnels zu gewährleisten.“ Wichtige Erkenntnisse, die ausschlaggebend für die weitere Planung des etwa 2,3 Kilometer langen Tunnels seien.

Wie auch die Ergebnisse der faunistischen Sonderuntersuchung. Innerhalb der Vorplanungen seien bestimmte Tierarten und Tiergruppen untersucht worden, berichtet Schanz. Dabei seien unter anderem 14 Fledermausarten nachgewiesen worden. Diese seien streng geschützt. Auch Feldhamster, Haselmaus, 80 Brutvogelarten, Amphibien wie beispielsweise Bergmolch, Teichmolch, Erdkröte, Grasfrosch und Feuersalamander seien im Untersuchungskorridor entdeckt worden. Allesamt seien „besonders“ oder sogar „streng“ geschützt. Haselmaus und Feldhamster sind sogar auf der landesweiten „Roten Liste“ als „vorm Erlöschen bedroht“ eingestuft.

Parallel dazu seien Strecken- und Tunnelplanung und Überlegungen zur sicherheitstechnischen Ausstattung des Tunnels fortgesetzt worden, informiert Michael Schanz. Aspekte wie Lage und Höhe, erforderliche Knotenpunkte, Böschungsgestaltung und Wirtschaftswege seien grob durchgeplant und in Detailplänen aufbereitet worden.

Belastung durch Schwerlastverkehr

Ziel sei es nun, die Trasse zu finden, die die geringsten Eingriffe verursache und dabei auch die aus artenschutzrechtlicher Sicht „günstigste Alternative“ zu identifizieren.

Michael Schanz geht davon aus, dass die Vorplanungen inklusive Ausweisung einer Vorzugsvariante im Februar 2022 abgeschlossen sind – etwa zehn Monate später, als ursprünglich vorgesehen. Grund für die Verzögerung seien laut Schanz zusätzliche Arbeitsaufgaben, die sich ergeben hätten. Dazu komme die Corona-Pandemie. Die zwei Lockdown-Phasen hätten die Arbeit erschwert.

Für die Anwohner an der B 244 und für viele andere Wernigeröder ist sicherlich erstmal wichtig zu hören, dass es weiter geht. Die B 244 zieht sich auf einer Länge von acht Kilometern quer durch Wernigerode – vom Mühlental durch ganz Nöschenrode, über die Bachstraße, das Westerntor, Ilsenburger Straße, Bahnhofsstraße und Schmatzfelder Straße – vorbei an denkmalgeschützten Fachwerkhäusern, Schulen, einem Krankenhaus, einem Friedhof, Altenheimen, Hotels und Pensionen. Vor allem der Schwerlastverkehr und der damit verbundene Lärm und Dreck macht den Anwohnern zu schaffen. Deshalb macht sich die Bürgerinitiative „B 244: Wernigerode gegen Schwerlastverkehr“ mit Brigitte Tannert an der Spitze seit vielen Jahren für eine Ortsumfahrung mit Tunnel stark.

Auch im Wernigeröder Rathaus ist man von der Bedeutung des Projektes überzeugt. „Für Wernigerode wäre es sehr wichtig, dass der Tunnel kommt“, so der vor wenigen Tagen verabschiedete Baudezernent Burkhard Rudo gegenüber der Volksstimme. Im Laufe der Jahre hätten sich schon „Gerationen“ mit dem Projekt beschäftigt. Und das aus gutem Grund „Nur so können wir die Innenstadt vom Verkehr entlasten.“